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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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630 Beleuchtung,

kerze benutzt, die eigens zu dem Zweck hergestellt und mit einem Docht von genau bestimmterArt und Stärke versehen wurde. Nach diesem Normalmaß wird dann die Leuchtkraftandrer Lichtquellen in einer Vergleichzahl bestimmt; so spricht man z. B. bei uns von16kerzigen, von 25 Kerzen starken Glühlampen. Neuerdings wird aber in Deutschland allgemein das Licht einer von dem bekannten Elektrotechniker Hefner-Alteneck konstruiertenkleinen Lampe, die mit Amyl-Acetat als Brennstoff gespeist wird, und das Maß, das siebei einer Flammenhöhe von 40 mm entwickelt, als Lichteinheit („Hefnerkerze") benutzt.Diese Einheit ist etwa 10°/<, kleiner als die bisherige Vereinskerze. — Außer den Licht-messungen ist jedoch auch noch die ganze Wirkungsweise der Beleuchtungsanlage zu berück-sichtigen. Der französische Gastechniker Henry M are ch all hat in seinem 1894 erschienenenBuche: „U'äolairaAo L Uaris" die Kosten für die Beleuchtung einer Straße in der Weiseberechnet, daß er die Gesamtsumme der Beleuchtungskösten für die Flächeneinheit der nachAren gemessenen Straßenfläche durch die nach Meterkerzen bestimmte mittlere Helligkeit derStraßenbeleuchtung dividierte. Auf diese Weise fand er für die Beleuchtung mit Schnitt-brennern zu 140 1 stündlichem Gasverbrauch 6,»l Centimes ---- 5,« Pf. Für die Be-leuchtung mit Regenerativbrennern zu 750 1 stündlichem Gasverbrauch 4,:c Centimes —3,:s Pf. Für die Beleuchtung mit elektrischem Bogenlicht wurde im Durchschnitt nach derzu Grunde gelegten Maßeinheit 1,5s Centimes — 1,ss Pf. gefunden. Eine andre Art derKostenberechnung für die Beleuchtung wurde von dem Berliner Stadtelektriker Dr. MartinKallmann in seinem 1895 erschienenen Buche „Grundzüge der Sicherheitstechnik fürelektrische Licht-und Kraftanlagen" angestellt. Hiernach ergibt sich in der Zusammenstellungder Beleuchtungskosten für gleiche Lichtlieferung im Äquivalent von 12 000 elektrischen Glüh-lampen zu je 16 Normalkerzen bezüglich Anlagekapital und Lampenbrennstunde folgendes:

1. Elektrische Beleuchtung mit eignem maschinellen Betriebe in runder Zahl . . 42000 Mk,

für die Lampenstunde 2,iss Pf,

2. Elektrische Beleuchtung bei Entnahme des Stromes aus einem Elektrizitätswerke 67000 Mk,

für die Lampenstunde 3, 42 s Pf,

3. Gasbeleuchtung.48100 Mk,

für die Lampenstunde 2,47 Pf,

Die mittlere Brenndauer einer Glühlampe ist hierbei zu etwa 1400 Stunden angenommen,was als sehr hoch erscheint, indem man für gewöhnlich höchstens 800 Brennstundenanzunehmen Pflegt, während mit Rücksicht auf die beiden jetzt ziemlich billigen und daherauch nicht sehr sorgfältig fabrizierten Glühlampen rasch eine merkliche Lichtabnahme ein-tritt, so daß man mit Rücksicht hierauf die praktische Brenndauer im Durchschnitt nur zuetwa 500 Stunden annehmen kann.

Es ergibt sich hieraus, daß hinsichtlich des Glühlichtes das elektrische Licht in wirt-schaftlicher Beziehung kaum noch zu konkurrieren vermag, jedoch eignet sich die elektrischeGlühlampe, die sich in allen Stellungen anbringen läßt, für dekorative Beleuchtung, fürwelche das Gasglühlicht nur in beschränkterem Maße zu benutzen ist. Hinsichtlich derHervorbringung starker Lichtquellen ist dagegen das elektrische Licht allen andern Licht-quellen überlegen, denn es lassen sich elektrische Lichtbogen von mehreren hunderttausendKerzen Leuchtkraft herstellen, sobald deren Licht durch geeignete Reflektoren in einem ver-dichteten Strahlenbündel ausgesendet wird. Die für Erzeugung des elektrischen Stromesaufgewendete Arbeitskraft wird im Bogenlicht siebenmal besser ausgenutzt als im elektrischenGlühlicht, und mithin stellt sich der Preis des Bogenlichtes für die Lichtstärkeneinheit auchauf den siebenten Teil des Preises für dieses Glühlicht, und daher sind nach dem jetzigenPreisverhältnis elektrisches Bogenlicht und Gasglühlicht gleichwertig hinsichtlich der Kostenfür die gelieferte Lichteinheit. Um aber das elektrische Bogenlicht dem Gebrauch so anzu-passen, wie dies bezüglich des Gasglühlichtes der Fall ist, würde es sich darum handeln,Bogenlampen von derselben Kerzenzahl, wie sie eine solche Glühlampe besitzt, herzustellen,dies ist aber nicht thunlich, und für Kleinbeleuchtung steigern sich auch wiederum die Kostendes Bogenlichtes; außerdem ist die elektrische Bogenlampe ein ziemlich künstlicher Apparat,dessen Preis an und für sich ein bedeutend höherer ist, als der eines Gasbrenners. Esscheint demnach, wenigstens wie die Dinge gegenwärtig stehen, daß für kleinere Lichterdas Gasglühlicht den Sieg gewinnt.