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Chemische Industrie: Die wichtigsten Arbeitsmethoden.
zu treffen, die das Platzen der Einschlußröhren überhaupt unmöglich machen, indem mandas sie umgebende Eisenrohr vollkommen dicht verschränkt, nachdem man z. B. ein wenigÄther in dasselbe gegeben hat. Während des Erhitzens erzeugt dann der Äther einen sohohen Druck im Eisenrohr, daß der Druck in dem innerhalb dieses Eisenrohres befindlichenGlasrohr etwa der gleiche innerhalb wie außerhalb desselben ist, so daß das Glasrohrnicht platzt. Was aber geschieht, wenn statt dessen jetzt das Eisen- bezw. Stahlrohr infolge desfurchtbaren, in ihm herrschenden Druckes inmitten eines Laboratoriums explodiert, hat nochniemand glücklicherweise zu konstatieren Gelegenheit gehabt, indem diese Versuche derneuesten Zeit angehören. Da nun die Herstellung vieler Stoffe im großen nur aufgleichem Wege, wie er hierfür im Laboratorium üblich ist, erfolgen kann, ist man dortauf die Konstruktion der metallenen Autoklaven verfallen, denen wir also in der Anilin-farbenindustrie wieder begegnen werden. Sie müssen nicht bloß explosionssicher sein,sondern auch Säuren aller Art bei hoher Temperatur widerstehen. Dort ist die Auf-gabe der Herstellung derartiger Apparate als völlig gelöst zu betrachten, und es sind trotzder jetzt so zahlreichen Verwendungen von Autoklaven in Fa-briken kaum jemals Unglncksfälle durch sie verursacht worden.
Was die Feuerungsanlagen anbetrifft, so sind die derTechnik völlig von denen der Laboratorien verschieden, indemin den Laboratorien fast nur noch Gas zur Verwendung ge-langt, welches mit Hilfe der verschiedenartigsten Brenner undÖfen allen Zwecken derselben dienstbar gemacht wird. Für denGroßbetrieb ist natürlich Leuchtgas bei weitem zu teuer, nureinige Anilinfabriken verwenden es in ausgedehntem Maße zuHeizungszwecken, und von den in der technischen Chemie ver-wendeten Feuerungsanlagen werden wir später eine ganze An-zahl zu besprechen haben, weil ihre Kenntnis zum Verständnisder betreffenden Prozesse sich als notwendig erweisen wird.
Auf weitere Methoden des chemischen Arbeitens wollenwir hier nicht eingehen, sie werden sich weiterhin im Buchekürzer und darum für uns geeigneter im Anschluß an ander-weitige Mitteilungen bringen lassen. Nur müssen wir nocheine physikalische Methode, nämlich eine Methode zur Bestim-mung des spezifischen Gewichtes von Flüssigkeiten anreihen.
Die Bestimmung des spezifischen Gewichts einer Flüssig-keit ist eine in der chemischen Industrie sehr oft auszufüh-rende Aufgabe. Will man z. B. irgend eine ein Salz ent-haltende Lösung bis zu einer bestimmten Konzentration ein-dampfen, so wird man die Erreichung dieses Punktes ambesten aus ihrem spezifischen Gewicht erkennen, was infolgender höchst einfacher Weise ausführbar ist. Je spezifisch schwerer die Flüssigkeit ist,um so weniger tief wird ein in sie gebrachter Schwimmer eintauchen. Dem Schwimmergibt man die Form der Senkspindel, die man auch Aräometer nennt. Dadurch, daß indie untere Kugel Quecksilber oder Bleischrot gegeben ist, hält sie sich gerade. ImLaboratorium gibt man die Flüssigkeit, deren spezifisches Gewicht bestimmt werden soll,weil man oft mit wenig von ihr auskommen muß, in einen engen Cylinder, der obeneinen erweiterten Kopf hat, um die Zahlen der Senkspindel genau ablesen zu können;in der Praxis benutzt man eine unten geschlossene Metallröhre mit Handgriff und liestauch hier an dem mit einer Teilung versehenen Aräometer direkt das spezifische Gewicht,sagen wir z. B. 1,o»s, ab. Da derartige Zahlen bei Arbeiten leicht zu Irrtümern Ver-anlassung geben, wendet man in der Technik andere Einteilungen an, bei denen manmit einfacheren Zahlen auskommt. In Deutschland pflegt man nach Baumegraden zurechnen, die der Genannte zu Anfang vorigen Jahrhunderts auf die Art feststellte, daßer an einer Senkspindel den Nullpunkt durch Eintauchen in reines Wasser bestimmte, undsie sodann in fünfzehnprozentiger Kochsalzlösung schwimmen ließ. Die Differenz zwischen
sso. Aräometer.