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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Chemische Industrie: Das Kalkbrennen.

Während andere Gegenstände, wenn man Wasser auf sie gießt, abgekühlt werden, trittbei ihm der entgegengesetzte Erfolg ein. Er erhitzt sich mit dem hinaufgegossenen Wasseraußerordentlich stark, so daß, wenn man seine Menge passend gewählt hat, die Hitze Holzzu verkohlen, sogar Schießpulver zu entzünden vermag.

Aus diesem Grunde soll man größere Kalkmengen niemals in der Nähe leicht Feuerfangender Gebäude lagern, da ein Regenguß z. B. einen Brand herbeiführen kann. DerGrund dieses von anderen Körpern so abweichenden Verhaltens liegt nun darin, daß dergebrannte Kalk sich mit dem Wasser chemisch verbindet. Daß bei der gewöhnlichen mitFeuererscheinung verbundenen Verbrennung, also der Vereinigung von Kohlenstoff mitSauerstoff zu Kohlensäure, sehr viel Wärme unter gleichzeitiger Feuererscheinung ent-wickelt wird, auf welcher ja alles Heizen beruht, fällt uns durch die tägliche Gewohnheitnicht auf, und doch beruhen beide Vorgänge auf der gleichen Ursache, nämlich auf demchemischen Vereinigungsbestreben von Substanzen.

Der gebrannte Kalk ist chemisch das Oxyd des Metalls Calcium, welches Metallals solches im Laboratorium dargestellt werden kann, aber technisch nicht verwertbar ist.Kommt Wasser an dieses Oxyd, also an den gebrannten Kalk, so vereinigt es sich mit ihmzu Calciumhydroxyd

Kalk 4- Wasser --- Calciumhydroxyd0aO ^ U.O ---

Das Übergießen des gebrannten Kalkes mit Wasser wird das Löschen desselben benannt.Gibt man ein passend gewähltes Quantum von letzterem hinzu, so findet starkes Aufkochenunter heftiger Dampfentwickelung statt, und aus dem flachen Holzkasten, in welchem dieseOperation gewöhnlich vorgenommen wird, läßt man das halbflüssige Gemisch in eineGrube laufen, die sich allmählich mit der milchweißen Masse von Butterkonsistenz, demKalkbrei, angefüllt. Geradezu in Wasser löslich ist das Kalkhydrat in geringem Maße.Schüttelt man aber Wasser mit Kalkbrei, so sättigt sich dieses natürlich mit Calcium-hydroxyd, und wenn man filtriert, so erhält man jetzt das Kalkwasser, welches nur in derMedizin eine beschränkte Anwendung findet.

In chemischer Beziehung erweist sich der Kalkbrei als stark alkalisch, d. h. er zeigtdas Bestreben, sich mit Säuren zu Salzen (s. S. 314) zu vereinigen. So überzieht sichdas Kalkwasser beim Stehen an der Luft sehr bald mit einer Weißen Haut, welche auskohlensaurem Kalk besteht, indem der Kalk die Kohlensäure der Luft anzieht. Ja derKalk ist das stärkste Alkali, das wir überhaupt kennen, und so werden wir ihm in derIndustrie der Alkalien noch häufig begegnen, indem sich diese seine starke Alkalität zunutze macht.

Seine Hauptverwendung findet er aber bekanntlich zur Herstellung des Mörtelsund zwar zum größten Teil zur Herstellung des Luftmörtels. In weit geringererMenge wird er für Wassermörtel (Zement) verbraucht. Über die Technik der Herstellungdes Luftmörtels und des Zements finden wir wiederum das Nähere S. 44 f.; hier wollenwir uns deshalb mehr mit den chemischen Vorgängen, auf denen ihre Verwendungberuht, beschäftigen.

Der Luftmörtel wird doch so erhalten, daß man den Kalkbrei mit Sand mischt, vondem man bis zu seinem vierfachen Volumen zugeben kann. Man bereitet stets nur soviel von ihm, wie in kurzer Zeit verbraucht werden soll, da das Gemisch sonst erhärtetund verdirbt. Den weichen Brei bringt man zwischen die Steine des Mauerwerks. Schonnach einigen Tagen zeigt er eine gewisse Festigkeit, die im Laufe der Zeit bedeutend zu-nimmt. Zu Anfang wirkt er wahrscheinlich nur ähnlich einem Kitt, indem er nach Arteines solchen oder des Leims die Adhäsionswirkung zwischen den Steinen erhöht. Sehrbald macht sich jedoch der Einfluß der Kohlensäure der Luft geltend. Nachdem nämlichder Brei zwischen den Steinen ein wenig abgetrocknet ist, bildet er infolge des zugesetztenSandes eine poröse Masse, welche von der Luft leicht durchdrungen werden kann. IhrKohlensäuregehalt führt nunmehr den Kalk wieder in kohlensauren Kalk über. Dieserletztere mit dem Sande zusammen bildet dann den fest haltenden Mörtel. Dabei muß,wie die Überlegung lehrt, das durch die Kohlensäure der Luft in kohlensauren Kalk