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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Mörtel und Zement. 327

zurückverwandelte Calciumhydroxyd des Mörtels sein chemisch gebundenes Wasser wiederhergeben:

Calciumhydroxyd (gelöschter Kalk) -!- Kohlensäure aus der Lust — Kohlensaurer Kalk -l- Wasser0s(0ü)2 -t- 00.2 — 0a00g ^ LO 2

und daraus erklärt sich, daß, so lange nicht aller Kalk in den Wänden in kohlensaurenKalk übergegangen ist, die Wände immer wieder feucht werden. Das Heizen solcherRäume an sich kann also das Austrocknen nicht bewirken. Nur wenn man zugleich füreine reichliche Entwickelung von Kohlensäure sorgt, also möglichst schnell allen gelöschtenKalk in der Wand wieder in kohlensauren Kalk verwandelt, wird man Erfolg erzielen.Dieses ist der Grund, weshalb man in den Neubauten offen brennende Kokskörbe ausstellt.Sie liefern durch das Verbrennen von Kohle viel Kohlensäure, und die von ihnen gleich-zeitig gelieferte Wärme sorgt dafür, daß das durch die Kohlensäure in der Wand freiwerdende Wasser rasch verdunstet.

Beim Abbrechen Jahrhunderte alten Mauerwerks sehen wir öfters eher die Ziegelzerbrechen, als daß sie sich an den Mörtelfugen loslösen ließen. So ist hier also derMörtel fester geworden als die Mauersteine. Dies soll seinen Grund darin haben, daßim Laufe der Zeit schließlich der Sand, welcher, chemisch bezeichnet, Kieselsäure ist, mitdem Kalk anfängt sich zu kieselsaurem Kalk zu vereinigen, eine Verbindung, die danndie außerordentliche Festigkeit des Mörtels bedingt.

Der aus gelöschtem Kalk und Sand hergestellte Mörtel vermag also nur an derLuft zu erhärten, deren Kohlensäuregehalt für diesen Zweck ein unerläßliches Erfordernisist. Nun befindet man sich aber häufig in der Notwendigkeit Wasserbauten ausführen zumüssen. Der für diese erforderliche Mörtel wird hydraulischer Mörtel oder Zement ge-nannt. Man erhält denselben aus dem Wege, daß man Kalkstein mit Thon gemischtbrennt. Der beim Brennen aus dem Kalkstein sich bildende Kalk wirkt hierbei auf denThon, welcher chemisch kieselsaures Aluminiumoxyd ist, ein. Wird die gebrannte Massehernach mit Wasser angerührt, so bilden sich sehr rasch kieselsaurer Kalk und Calcium-alurninat, welches letztere eine Verbindung von Aluminiumoxyd mit Kalk ist. Diesebeiden Verbindungen erhärten sehr schnell zu festen Massen. Da sie bei der Einwirkungdes Wassers auf das gebrannte Gemisch entstehen, so daß die Kohlensäure der Luft zuihrer Bildung gar nicht nötig ist, wird diese Art von Mörtel also auch unter Wasser fest.Die fabrikmäßige Herstellung ist S. 49 f. beschrieben.

Alkalien und Säuren.

Wir haben im Vorangehenden die Gewinnung des gebrannten Kalkes kennen gelernt.Er ist, wie dort erwähnt, das stärkste Alkali oder die stärkste Base, was ja dasselbe ist(s- S. 326), die es gibt. In der eigentlichen chemischen Industrie spielen aber dreiweitere Alkalien eine bedeutend wichtigere Rolle als er, nämlich das Kali, das Natronund das Ammoniak nebst ihren zahlreichen Verbindungen. Von ihnen sind wieder dieKaliverbindungen die am längsten in der chemischen Industrie verwendeten, und wirwollen uns deshalb zuerst mit ihnen.beschäftigen.

Kaliverbindungen finden sich über die ganze Erde verbreitet in sehr vielenGesteinen. Aus diesen gelangen sie durch Verwitterung mit in die Ackerkrume, hier findetsie die Pflanzenwurzel und saugt sie auf, weil die Pflanzen für ihre Existenz Kali-verbindungen brauchen. Bei mancher Verwertung von Erzeugnissen der Pflanzenweltscheiden sich hernach Kalisalze von ganz bestimmter Zusammensetzung aus, so setzt be-kanntlich der Wein beim Lagern in Fässern harte Krusten ab, welche sich leicht durch Um-kristallisieren (s. S. 322) reinigen lassen und dann den Weinstein bilden.. Seine Unter-suchung hat gelehrt, daß er ein Salz ist, welches aus Kali und einer Säure besteht, dieden Namen Weinsäure erhalten hat. Der ausgepreßte Saft der Oxalm-Arten scheidet beimEindampfen ein Salz aus, welches früher Sauerkleesalz hieß, heute oxalsaures Kali ge-nannt wird. Da es in der Färberei Verwendung findet, wurde es aus dem Pflanzensaft