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Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.
ehemals in größeren Mengen gewonnen. Wir werden später sehen, daß es heute in chemischenFabriken aus Sägespänen und Ätznatron hergestellt wird, so daß kein Feld mehr ihmzu Liebe mit Oxalis- oder Kuinsx-Arten, die es ebenfalls liefern, angebaut wird. Zerstörtman nun Weinstein oder Sauerkleesalz durch Feuer, so hinterbleibt das Kali als an-organischer nicht flüchtiger Bestandteil, während die organischen Verbindungen, hier alsodie Weinsäure oder Oxalsäure, verbrennen. Die bei der Verbrennung der organischenSubstanz (alle organischen Verbindungen enthalten doch Kohlenstoff, s. S. 315) ent-stehende Kohlensäure verbindet sich sogleich mit dem Kali zu kohlensaurem Kali, der Rück-stand besteht daher schließlich aus diesem Weißen Salz, welches, wenn man von chemischreinem, also durch wiederholtes Umkrystallisieren gereinigtem Weinstein oder oxalsauremKali ausgeht, sogleich chemisch rein ist.
Das von den Pflanzen aufgenommene Kali existiert also in diesen in Form organischerSalze. Verbrennt man daher Pflanzen oder Holz, so ist dieses Kali in ihrer Asche alskohlensaures Kali vorhanden, aber natürlich nicht chemisch rein, sondern vermischt mitden anderen anorganischen Stoffen, welche die Pflanze aus dem Boden ebenfalls auf-genommen hat. Laugt man aber solche Pflanzenasche mit Wasser aus, so wird nur dasleicht lösliche kohlensaure Kali nebst einigen anderen löslichen Stoffen in dieses übergehen,filtriert man die so erhaltene Lösung und dampft sie zur Trockne, so wird es, aller-dings verunreinigt, zurückbleiben. Weil das kohlensaure Kali und damit auch dieserRückstand nun einmal von Natur her die Eigenschaft hat, an der Luft zu zerfließen,indem es aus dieser so viel Feuchtigkeit anzieht, daß es eben. geradezu zerfließen kann,mußte dieses Material von jeher in geschlossenen Töpfen (Uots) verschickt werden, unddaher hat es den Namen Pottasche erhalten. Die so häufig im Leben genanntePottasche ist also kohlensaures Kali. Für sie gibt es in den verschiedensten IndustrienVerwendung, und vor Erfindung der Soda war sie, wie wir später sehen werden, nochweit unentbehrlicher als heute.
In der eben beschriebenen Art wird nun auch jetzt noch eine ansehnliche MengePottasche hergestellt. Verfasser selbst sah noch vor zehn Jahren die Bauern des DorfesNeureuth in Baden sie auf diese Weise bereiten. Sie sammeln alle Asche von Holz-feuerungen aus der Gegend, kochen sie aus und dampfen die Lösung in einem gußeisernenKessel auf direktem Feuer ab, die, auf diese rohe Art hergestellt, einen rotbraunen meistnicht einmal 500/^ kohlensaures Kali enthaltenden Rückstand liefert. Eine in derNähe gelegene Blutlaugensalzfabrik ist Käuferin für diesen. Doch führen die Bauerndiese Industrie nur fort, wie sie sagen, weil der Auslaugerückstand, also die schwer löslichenAschenbestandteile, ihnen als ausgezeichneter Dünger für ihre Tabakfelder dient, unddies ist wahrscheinlich der einzige Ort in Deutschland , an dem diese Fabrikation ausalter Gewohnheit noch betrieben wird. Überall, wo viel Holz gebrannt wurde, kauftenaus uns jetzt leicht verständlichem Grunde ehemals Händler die Holzasche auf, um sie anPottaschefabriken zu liefern, so z. B. noch in Paris in den fünfziger Jahren. Heute hatsich diese Art der Pottaschegewinnung aber bereits ganz nach Gegenden zurückgezogen, indenen Holz so billig ist, daß ihm Steinkohle noch keine Konkurrenz macht. Und sokommen Pottaschen aus Holz, sogenannte Holzaschen, nur noch aus Siebenbürgen undUngarn, dem Inneren Rußlands und Nordamerikas in den Handel.
Der Rückstand, also die rohe Pottasche, welchen die von der Holzasche abgegosseneLauge nach dem Abdampfen hinterläßt, hat, wie gesagt, ein wenig erfreuliches Aussehen.Seine braune Färbung rührt von beigemengten, nicht völlig verbrannten organischenResten des Holzes her. Diese rohe Pottasche wird deshalb in einem Flammofen (siehedie Abbildung eines solchen S. 333) calciniert, um eigentliche Handelsware zu sein.In der Hitze desselben verbrennt durch die mit den Feuergasen absichtlich in den Ofengelassene Luft alles Organische, so daß die auf diesem Wege erhaltene calcinierte Pottasche,die zugleich völlig wasserfrei geworden ist, weiß aussieht. Nur die Pottasche aus Sieben-bürgen zeigt einen Stich ins Blaue, welcher, wie die Üntersuchungen gelehrt haben, vonein wenig Kupfer herrührt, das die Pflanzen jener Gegend aus dem Boden mit aufnehmen.Die Blaustichaschen werden fast völlig von der österreichischen Industrie verbraucht, so