329
Fabrikation der Pottasche.
daß man sie außerhalb dieses Landes kaum zu sehen bekommt. Die auf dem angegebenenWege erhaltene calcinierte Pottasche enthält im besten Falle 80°/„ kohlensaures Kali,der Rest ist schwefelsaures Kali u. s. w., der Gehalt sinkt aber selbst auf 50 °/g herab.Doch kann man in folgender einfacher Weise aus ihr leicht ein höher prozentiges Produkterzielen. Kohlensaures Kali ist im Wasser außerordentlich löslich, und daher stammtnatürlich auch seine Zerfließlichkeit an der Luft. Wasser von 0" löst 90 Teile, Wasservon 100° 156 Teile von ihr, und löst man so viel Pottasche, als das Wasser überhauptaufzunehmen vermag, in diesem auf, so siedet die Flüssigkeit bei 135° und hält 205 TeilePottasche gelöst. Übergießt man daher unreine Pottasche mit nicht allzu viel Wasser, sowird dieses fast nur das kohlensaure Kali lösen, und die anderen Salze, wie schwefelsauresKali, Chlorkalium u. s. w., werden zurückbleiben. Trennt man die Flüssigkeit von ihnen,dampft sie ab und calciniert sie wiederum, so wird mau jetzt ein weit höher prozentigesProdukt, also eine weit reinere Pottasche erhalten.
Die Fabrikation an Pottasche aus Holz mag immer noch 20 Millionen üZjährlich betragen. Dabei ist die Ausbeute an ihr im Verhältnis zur Menge des Holzesnur gering. 1000 Buchenholz liefern etwa 3 LZ, Eichenholz 1,» llA, Pappelholz0,7b kohlensaures Kali. Hieraus kann man ersehen, daß sie bei der fortwährendenAbnahme der Wälder allmählich ein rarer und jedenfalls sehr teurer Artikel hätte werdenmüssen, wenn nicht diese uralte Fabrikation in unserem Jahrhunderte sehr merkwürdigeKonkurrenten bekommen hätte, einmal solche, die ebenfalls Pottasche liefern, und zweitensdie Konkurrenz in Form der Soda, die sie in vielen Industriezweigen ersetzt und ganzaus ihnen verdrängt hat, worüber wir sehr bald das auch geschichtlich sehr interessanteNähere hören werden.
Wie in der Fabrikation des Zuckers aus Rüben auseinandergesetzt ist (s. Bd. IV),kommt dessen Gewinnung darauf hinaus, daß man die feingeschnittenen Rüben auslaugtund den erhaltenen Saft eindampft, worauf der Zucker auskrystallisiert. Beim Auslaugender Rüben geht aber nicht nur der Zucker in Lösung, sondern die Lösung enthält auchandere Substanzen, und nach dem, was wir eingangs über das Weinsäure und oxalsaureKali gehört haben, kann es uns nicht wunder nehmen, zu erfahren, daß im Rübensaftesich auch Kalisalze organischer Säuren finden. Ist der Zucker möglichst auskrystallisiert,so nennt man die hinterbleibende Mutterlauge (s. S. 322) Melasse. Sie enthält noch vielZucker, der also nicht mehr auskrystallisieren will, auch die Kaliverbindungen sind in ihrsehr angereichert. Die Entzuckerung der Melasse ist ja eine heute auch gelöste Frage, wiebei der Zuckerindustrie auseinandergesetzt worden ist. Aber Zucker ist so billig geworden,daß an der Entzuckerung dieser Melassen nicht viel verdient werden kann, zumal dieErweiterung dieser Industrie nur neue Zuckerquantitäten auf den überfüllten Marktwerfen müßte, und so sucht man denn immer mehr die so billige Melasse teils durch Über-führen des Zuckers in Spiritus, noch lieber aber durch Verfüttern zu verwerten. DerPreis der Melasse ist nämlich in den letzten Jahren von etwa fünf Mark für den Zentnerauf unter eine Mark gesunken. Für das Verfüttern mischt man, um das nebenbei zu er-wähnen, die ausgelaugten Rübenschnitzel mit Melasse und läßt dieses Gemisch vom Viehfressen, das aus diesem Wege den in der Melasse enthaltenen Zucker als Nahrungsmittelverwertet. Schon bevor man jedoch diese letzte der neuesten Zeit angehörige Ausnutzung,sowie die Entzuckerung der Melasse kannte, hatte man ihren Zuckergehalt durch das er-wähnte Überführen in Spiritus zu verwerten gesucht. Zucker liefert nämlich unterPassenden Bedingungen vergoren Spiritus ss. Bd. IV). Die nach dem Abdestillieren desSpiritus in der Destillierblase hinterbleibende Flüssigkeit heißt bekanntlich Schlempe.In ihr ist nun, wie die Überlegung lehrt, der gesamte Aschengehalt der Melasse vor-handen, denn nur der Spiritus ist doch abdestilliert worden. Dieser Aschengehalt beträgtdurchschnittlich zehn Prozent, von dem ein großer Teil kohlensaures Kali ist. Dampftwan also die Melasseschlempe ab und verkohlt sie, so muß man eine an Pottasche sehrreiche Kohle erhalten.
Das Eindampfen der Schlempe besorgen die Melassespiritusfabrikanten stets selbst,da der Versand der dünnen Flüssigkeit zu viel Transportkosten verursachen würde. Sie
Buch der Erfind. VII. 12