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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.

bedienen sich hierzu langgestreckter Flammöfen, deren Sohle in mehrere Teile, welche dieimmer konzentrierter werdende Schlempe durchwandert, geteilt ist, und deren Abhitzegleichfalls möglichst zu ihrem Eindampfen ausgenutzt wird, indem man die abziehendenFeuergase unter eisernen mit der Schlempe gefüllten Reservoiren durchziehen läßt. 10000 1Schlempe geben ca. 275 — 300 Rückstand. Solche Schlempekohle enthält ungefähr10°/g Kohle und sieht infolgedessen schwarz aus. Sie hat weiter einen Gehalt vonetwa 30 — 40 °/o kohlensaurem Kali, dem sich — für manche Verwendungen sehrstörend — ein solcher von etwa 20 kohlensaurem Natron anschließt. Sie mußdaher in chemischen Fabriken gereinigt werden. Zu dem Zweck zerkleinert man dieSchlempekohle und laugt sie so vollkommen wie möglich aus. Der hierbei bleibendeRückstand hat einen unbedeutenden Düngewert und wird von nahewohnenden Bauern ge-kauft. Die erhaltene Lauge wird stark eingedampft und wieder abgekühlt, worauf die schwererlöslichen Salze anskrystallisieren. Dies Verfahren wird einigemal wiederholt, bis schließlichin der Lösung hauptsächlich nur noch das so leicht lösliche kohlensaure Kali vorhandenist. Jetzt wird diese völlig eingedampft und calciniert. Die erhaltene halb raffiniertePottasche wird neuerdings in wenig Wasser gelöst, wobei wiederum fremde Salze ungelöstbleiben, und liefert, nochmals eingedampft und calciniert, die rein weiße Melassenaschedes Handels, welche, wenn sie gut gearbeitet ist, an 90°/^ kohlensaures Kali und wenigkohlensaures Natron enthält, bei schlechter Reinigung aber einen Gehalt bis zu 20°/„an letzterem ausweist. Die Menge der jährlich fabrizierten Melassenasche mag 12 Mill.üZbetragen.

Ein noch weit merkwürdigerer Sammelort für die im Boden in geringer Mengevorhandenen Kalisalze, der ihre Gewinnung in Form von Pottasche gestattet, ist derWollschweiß der Schafe. Diese Tiere scheiden bedeutende Mengen der Kalisalze, diesie mit der Pflanzennahrung aufnehmen, durch den Schweiß wieder aus, welcher imDurchschnitt 15°/o vom Gewichte ihrer Rohwollen ausmacht. Das Waschen dieser, dieso massenhaft aus Australien, Südafrika und Südamerika nach Europa eingeführt werden,wird bekanntlich heute in besonderen Fabriken ausgeführt, die wieder an den Hauptsitzender Wollwarenindustrie konzentriert sind. So z. B. in der Gegend von Reims inFrankreich . Dort ist denn auch die Gewinnung von Pottasche aus Wollschweiß vonMaumene und Rogelet im Jahre 1859 eingeführt worden. Sie hat sich hernach überalle Wollwäschereien verbreitet. Das ursprüngliche Verfahren der Erfinder war folgen-des: Die vom Waschen der Rohwollen Herstammenden Waschwässer wurden zur Trocknegedampft, und der trockene Rückstand wurde nach Art der Steinkohlen in Gasretortengeglüht js. die Leuchtgasindustrie). Das beim Erhitzen der Retorten aus ihnen ent-weichende Gas diente als Leuchtgas, während der verkohlte Rückstand, der also den Koksder Gasanstalten entspricht, nunmehr ganz nach Art der Schlempekohle auf Pottascheverarbeitet wurde. Natürlich kann man nur in den Zentren der Wollindustrie so viel Woll-schweiß auftreiben, um die Leuchtgasfabrikation damit zu verbinden, deshalb dampfen dieeinzeln liegenden Fabriken ihre Waschwässer unter Verzicht auf die Gasgewinnung direktin Flammöfen ab und verkaufen die in diesen erhaltene Kohle, die also hier ebenfallsder Schlempekohle entspricht, an chemische Fabriken zur weiteren Reinigung. — Die Woll-schweißaschen sind den Melasseaschen in zweifacher Beziehung überlegen. Sie enthaltenwenig oder fast gar kein kohlensaures Natron, und außerdem sind sie völlig frei vonphosphvrsaurem Kali, das sich in den Melasseaschen regelmäßig in Spuren findet. DieseSpuren machen letztere aber bereits für die Glasfabrikation unbrauchbar, weil sich iudem mit ihnen hergestellten Glase etwas phosphorsaurer Kalk bildet, welcher undurch-sichtig ist, so daß solches Glas trübe erscheint. Man sieht, wie bei der heutigen hochent-wickelten Technik selbst Spuren von Verunreinigungen zu beachten sind. Die Menge derjährlich produzierten Wollschweißasche mag 1 Million üx betragen.

Aus dem Mitgeteilten geht hervor, auf wie merkwürdige Art die im Boden spuren-weise vorhandenen Kalisalze unter Ausnutzung der Vorarbeiten der Natur in Form vonPottasche gewonnen werden können. Natürlich hat es auch nicht, an Versuchen gefehlt,den Kaligehalt der Gesteine, welche durch ihre Verwitterung der Ackerkrume das nötige