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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Vorkommen der Kalisalze. Staßfurt .

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Kali geliefert haben, da, wo diese in Massen anstehen, direkt zu verwerten. All derartigeVersuche sind aber an der Schwierigkeit der Aufgabe gescheitert, da es sich meist um dieNutzbarmachung so harter Mineralien wie des Kalifeldspats, der zudem noch nicht einmalviel Kali enthält, handelte.

Den völligen Umschwung brachte dann die Entdeckung der Kalisalzlager zu Staß-furt. Staßfurt liegt südwestlich von Magdeburg an der Bode, und die Geschichte seinerIndustrie ist sehr alt. Agricola kennt schon die scharfe Salzsole des Ortes, aus welcherdurch Eindampfen Kochsalz dargestellt wurde. Dies war und blieb eine Goldgrube fürden Ort, bis gegen Ende vorigen Jahrhunderts übermächtige Konkurrenz den Ruin seinerIndustrie herbeiführte. Namentlich ein zu Dürrenberg vom Kurfürsten von Sachsen 1780 angelegtes Salzwerk trug zu diesem Niedergänge bei. Im Jahre 1794 entschlossensich deshalb die bisherigen Besitzer, die den Betrieb kaum mehr aufrecht,erhalten konnten,die gesamten Siedereien ihrem Landesherrn, dem König von Preußen, gegen eine Summevon 300000 Mark zum Kauf anzubieten. Im Jahre 1796 kaufte dann wirklich derKönig das Salzwerk für 255 000 Mark an. Doch blieb auch weiterhin der Absatz anSalz ein so geringer, daß man 1799 sogar in Staßfurt eine Wollspinnerei anlegenwollte, um den vielen armen Leuten, die man bei der Salzgewinnung nicht mehr be-schäftigen konnte, einen Verdienst zu verschaffen. Die Befreiungskriege brachten dann dieSalzgewinnung fast ganz zum Erliegen, und erst 1815 begann sie wieder ernstlich, umNoch bis 1839 in alter Weise fortgeführt zu werden.

Die Mitte dieses Jahrhunderts, die den größten Umschwung repräsentiert, den dieMenschheit in Beziehung aus die Thätigkeit des Friedens je erlebt hat, hat denn auch hierEin Bergwerk erstehen sehen, welches in seiner Art einzig bis auf diesen Tag gebliebenstt, und welches ganz allein bis auf den heutigen Tag die Welt mit den namentlich fürdie Landwirtschaft so wichtig gewordenen Kalisalzen versorgt. Die Mitte des Jahr-hunderts sah das Erwachen des Eisenbahnbaues, erlebte die Einrichtung der ersten regel-wäßigen Dampfschiffsverbindungen zwischen den einzelnen Erdteilen, sah den Telegraphen-draht die Länder umspannen und schließlich für die Gedankenwelt die Meere überbrücken.Än die Mitte des Jahrhunderts fällt die Entdeckung der kalifornischen Goldfelder, dieUir den gerade durch den Eisenbahnbau u. s. w. so sehr gesteigerten Geldbedarf die nötige^eldunterlage schuf, indem sie den zu jener Zeit schon wieder ziemlich knappen Gold-destand der Kulturländer ergänzte. In der Mitte des Jahrhunderts sind auch die erstenLroßen Handelsbanken gegründet worden, die, da die Mittel der einzelnen Großkaufleuteanfingen nicht mehr auszureichen, die Barmittel einer Vielheit der Gesamtheit zur Ber-ingung stellen.

Zur Entdeckung der Kalisalzlager in Staßfurt kam man so, daß man sich entschloß,statt die zu Tage tretende Salzsole zu versieden, lieber nach dem sicher dort im Bodenvorhandenen Steinsalz zu suchen, für dessen Gegenwart die gesamten geologischen Ver-hältnisse sprachen. Zwar hatte man schon von 1725—1731 ein Bohrloch von 186 m^N die Tiefe getrieben, eine für jene Zeit höchst achtbare Leistung, die Fortsetzung derArbeit wegen der wachsenden technischen Schwierigkeiten aber aufgeben müssen. Im^hhre 1843 fand man dann in einer Tiefe von 312 m ein Steinsalzlager, das sich seiner-s"ts 325 in stark erwies. Doch schmeckten die herausgebrachten Salzproben anfangs in-wlge von Beimengungen bitter. Hierdurch enttäuscht, wollte man den beabsichtigten Berg-bau wieder aufgeben, bis sich herausstellte, daß sich in den tieferen Schichten ein völligdeines Steinsalz findet. Im Jahre 1851 wurde sodann der erste Schacht angehauen,

stieß bei 256 m schon auf Steinsalz, ging aber noch bis auf 334 m, in welcher Tiefe^ fich als ganz rein erwies. Da das zu Preußen gehörige Staßfurt dicht an derGrenze von Anhalt liegt, begann, hierdurch angeregt, auch die anhaltinische Regierung mit'Bergbau auf Steinsalz. Das bei dem Abteufen der Schächte herausgebrachte bittere

lag auf dem Hofe des Schachtgrundstückes als wertlos beiseite geworfen, jedermannöu Versuchen zugänglich. Erst nachdem die chemische Analyse Kalium in ihm nachgewiesenhatte, begann das Interesse auch an ihm zu wachsen, indem man nun endlich hoffen°unte, sich von der aus Holzasche gewonnenen Pottasche, der einzigen bis dahin gekannten

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