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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Darstellung des Blutlaugensalzes mittels Stickstoffs der Lust-

man bis vor etwa zehn Jahren in der Patentlitteratur Deutschlands , Englands undFrankreichs zahlreiche — es sind sicher zwanzig bis dreißig — Verfahren für diesenZweck ausführlich beschrieben und oft mit solcher Sicherheit als völlig durchgearbeitethingestellt, daß wenigstens auf diesen Papieren die Frage gelöst erscheint. Zumeist sollso gearbeitet werden, daß Holzkohle mit einer Pottaschelösung getränkt und nach demTrocknen in einem Cylinder möglichst stark erhitzt wird. Durch die glühende Masse wirdsodann Stickstoff geleitet, und nun steht wenigstens auf dem Papier nichts mehr im Wege,daß sich bei der hohen Temperatur jetzt Kohlenstoff 6, Kalium L (aus der Pottasche) undder Stickstoff ^ zu LON) zu Cyankalium , vereinigen. In der Praxis aber hat sich dasVerfahren immer wieder als undurchführbar erwiesen. Welche Summen Geldes aufderartige sehr kostspielige Versuche verwendet worden sind, entzieht sich jeder Schätzung,zumal ja von den Unternehmungen, die vor der Anmeldung zum Patent bereits wiederfallen gelassen wurden, und das ist sicher die weit größere Zahl, überhaupt nichts bekanntgeworden ist. Readman hat sich nun auch im Jahre 1894 ein englisches Patent (No. 6621)darauf geben lassen, daß er das Erhitzen der mit Pottasche getränkten Holzkohle vermittelst

SSI. Gfrn xur Wirdergrmiimung der NetricbsPottasche.

des elektrischen Flammbogens bewirkt, also glücklich einen elektrischen Ofen für diesenZweck konstruiert, durch den dann der Stickstoff geleitet wird.

Darstellung von Blutlaugensalz aus Gasanstaltsabfällen. Die tech-nische Darstellung von Cyankalium resp. Blutlaugensalz unter Verwendung des Stickstoffsder Luft nebst Pottasche als Quelle für das Kalium erscheint dem Verfasser undurch-führbar. Dagegen ist in einem Abfallprodukt der Gasanstalten ein für dessen Darstellunggeeignetes Ausgangsmaterial gefunden worden, mit dem die alte Blutlaugensalzfabrikationernstlich zu rechnen hat. Wir wissen, daß die meisten Blntlaugensalzfabriken sich ursprüng-lich mit der Darstellung von Hirschhornsalz, d. i. kohlensaures Ammoniak, beschäftigtenund nur die hierbei abfallende Tierkohle auf Blutlaugensalz verarbeiteten. Den erstenTeil der Fabrikation haben, wie erwähnt, die Gasanstalten längst unlohnend gemacht,und vielleicht führen sie jetzt auch den Ruin der zweiten und damit das Ende dieser altenIndustrie herbei.

Während tierische Stoffe sehr reich an Stickstoff sind, Horn, Wolle, Blut enthaltenetwa 16 °/o von ihm, findet er sich im Holz und in den sonstigen Produkten des Pflanzen-wuchses nur spurenweise. Eine geringe Menge von diesem ist aber selbst in den Steinkohlen,die doch die Überreste ehemaliger Wälder repräsentieren, erhalten geblieben und macht bei

Buch der Erfind. VII. 44