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Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.
der Riesenmenge von Steinkohlen, die alljährlich die Gasanstalten verarbeiten, trotzdemein gewaltiges Quantum aus. Der größte Teil dieses Stickstoffs geht bei der Hitze, inwelcher aus den Steinkohlen die gasförmigen Produkte ausgetrieben werden, wir lernenspäter die Fabrikation des Gases ausführlich kennen, als solcher fort, ein Teil geht inAmmoniak über, ein weit kleinerer Teil in Cyanverbindungen. Bei der Reinigung desGases häufen sich die Cyanverbindungen in der sogenannten Lamingschen Masse an.Diese besteht hauptsächlich aus Eisenoxydhydrat und dient eigentlich zur Entfernung desSchwefels, hält aber auch Cyanverbindungen fest. Diese Cyanverbindungen gehen nun,wenn man die Masse mit Alkalien auslaugt, in Lösung. Natürlich bedient man sich zumAuslaugen des billigsten Alkalis, man verrührt sie also mit Kalkmilch und zieht danndas löslich Gewordene aus dem Brei mit Wasser aus. Die erhaltene stets recht schwacheLauge, es scheint unmöglich zu sein, sogleich konzentrierte Laugen zu gewinnen, enthältnun nicht Blutlaugensalz, Ferrocyankalium, sondern, da an Stelle des Kalis Kalk ver-wendet worden ist, Ferrocyancalcium. Nun kommt die weitere Aufgabe, aus der sehrunreinen, an Ferrocyancalcium ziemlich armen Lauge — bei der Verarbeitung derLamingschen Masse aus die aufgegebene Art gehen die verschiedenartigsten Substanzen inLösung — reines Blutlaugensalz zu gewinnen.
Ursprünglich verfuhr man hierzu so, wie etwa 180 Jahre früher Diesbach zuerstBerliner Blau dargestellt hat, man säuerte die Lauge an und setzte ihr eine Eisenlösung zu,dann fällt Berlinerblau aus. Dieses Blau ist in diesem Fall natürlich derartig unrein,daß es als Farbe absolut wertlos ist. Kocht man es aber mit Pottasche, so bindet dieKohlensäure derselben das Eisen, während das Kali an das Ferrocyan geht und mit ihmBlutlaugensalz, Ferrocyankalium, bildet, das nach dem Eindampfen in reinen Krystallenanschießt.
Berliner Blau -l- Pottasche Blutlaugensalz -s- Kohlensaures Eijeu
(Ferrocyaneisen) (Kohlensaures Kali ) (Ferrocyankalium).
Nimmt man an Stelle von Pottasche Soda als kohlensaures Natron, so erhält man stattFerrocyankalium Ferrocyannatrium, und da Soda billiger ist als Pottasche, so stellt manjetzt Ferrocyannatrium auf diesem Wege dar.
Berliner Blau -i- Soda ---- Ferrocyannatrium -i- Kohlensaures Eisen
(Ferrocyaneisen) (Kohlensaures Natron).
und dieses ist seit Ausnutzung des Cyangehaltes der Gasmassen Handelsprodukt geworden.Im alten Schmelzversahren an Stelle von Pottasche Soda, also kohlensaures Natron, zuverwenden, ist unmöglich, weil die Ausbeuten an Ferrocyannatrium bei diesem Verfahrenalles zu wünschen lassen. Es ist dieses eines der markantesten Beispiele, daß, so ähnlichPottasche und Soda einander in chemischer Beziehung auch sind, sie sich doch nicht in allenIndustrien, wenn es auch in sehr vielen der Fall ist, vertreten können.
Diese nicht gerade sehr geistreiche mitgeteilte Art der Verarbeitung der aus LamingscherMasse erhaltbaren cyanhaltigen Lauge ist dann durch ein patentiertes Verfahren abgelöstworden, welches in folgendem besteht. Man setzt zur rohen Ferrocyancalciumlaugeeine Lösung von Chlorkalium. Dann scheidet sich ein in Wasser fast unlösliches Doppelsalz,nämlich Ferrocyancalciumkalium sogleich im Zustande ziemlicher Reinheit als weißes Salzaus. Kocht man hernach dieses Salz mit Pottaschelösung, so erhält man, neben demsich unlöslich abscheidenden kohlensauren Kalk, eine Lösung von Blutlaugensalz, nämlich:
Ferrocyancalciumkalium Kohlensaures Kali — Ferrocyankalium -i- Kohlensaurer Kalk.
Die Eleganz des Verfahrens liegt auf der Hand, es scheidet aus der Rohlauge ein schonan sich recht reines Doppelsalz ab, das außerdem bereits die Hälfte des notwendigenKaliums enthält, und dazu entstammt diese Hälfte dem Chlorkalium, welches weit billigerals Pottasche ist.
Drittens kann man nach des Verfassers Erfahrungen die Lauge auch sehr gut infolgender Art verarbeiten. Man setzt zur Rohlauge, die also Ferrocyancalcium enthält,eine Portion Kochsalz, das ist Chlornatrium. Dampft man sie jetzt bedeutend ein, sotritt bei einer gewissen Konzentration Umsetzung zwischen diesen beiden Salzen ein, und