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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Blutlaugensalz aus Gasanstaltsabfällen. Das Berliner Blau. Z47

schon in der Hitze scheidet sich aus der Flüssigkeit Ferrocyannatrium aus, das Salz soggtaus, wie man diesen Vorgang in der Technik bezeichnet. Während es für gewöhnlichmit zwölf Molekülen Wasser in großen, gelben Krystallen anschießt, fällt es hier in derHitze als wasserfreies Pulver zu Boden, das durch Umkrystallisieren dann in die Handels-ware, also in das mit 12 Molekülen Wasser krystallisierende Ferrocyannatrium übergeführtwird. Das gelbe Blutlaugensalz krystallisiert, was wir bisher nicht erwähnt haben, mit3 Molekülen Krystallwasser.

Einfuhr und Ausfuhr des Deutschen Reiches an Blutlaugensalz in Mengen von100 ÜF. Man nennt im Handel das gelbe Blutlaugensalz auch gelb-blausaures Kali,die Natriumverbindung gelb-blausaures Natron.

Gelb-blausaures Kali Gelb-blausaures Natron

Jahr

Einsuhr

AuSfuhr

Jahr

Einfuhr

Ausfuhr

1890

125

3063

1890

—

799

1892

505

2192

1892

23

1086

1894

305

1778

1894

16

1524

1896

133

4431

1896

66

2316

Das Blutlaugensalz dient hauptsächlich zwei Zwecken, nämlich der Darstellung desBerliner Blaus und des Cyankaliums. Hieran schließt sich dann noch als dritter seineÜberführung in rotes Blutlaugensalz, von welch letzterem Salz jetzt aber nur noch unbe-deutende Quantitäten gebraucht werden. Nachdem lange Zeit 100 Blutlaugensalzetwa 200 Mark wert gewesen waren, ist es in den letzten Jahren auf 90 bis 95 Markgefallen.

Das Berliner Blau. Das Berliner Blau bildet sich, wie wir öfters erwähnenmußten, bei Zugabe einer Eisenlösung zu einer Lösung von Blutlaugensalz. So einfachhiernach seine Darstellung in der Theorie erscheint, so schwierig gestaltet sie sich in derPraxis.

Setzt man zur Blutlaugensalzlösung z. B. eine Eisenchloridlösung, so erhält maneinen blauen Niederschlag, der nach dem Auswaschen und Trocknen einen Stich ins Schwarzezeigt. Die Färber verlangen aber ein Blau mit Röte und Glanz. Dieses feine Blauhat den Namen Pariser Blau erhalten, während man jetzt unter Berliner Blau Farb-stoffe versteht, die durch Beschwerung, d. h. durch Zusätze aller Art, um sie billiger liefernzu können, so weit verschlechtert sind, daß Röte und Glanz auf der Bruchfläche nicht mehrerscheinen, sondern daß sie ein rein blaues Aussehen zeigen. Alle Sorten Blau, die ausdem Blutlaugensalz erhaltbar und im Handel gangbar sind, müssen, um dessen Ansprüchenzu genügen, auf einem Umwege dargestellt werden. Man fällt nämlich die sehr verdünnteBlutlaugensalzlösung mit einer ebenfalls sehr verdünnten Lösung von Eisenvitriol.Eisenvitriol ist ein Eisenoxydulsalz, und die Eisenoxydulverbindung des Ferrocyans siehtweiß aus. Oxydiert man sie aber nachträglich, so nimmt die weiße Verbindung nun daswundervolle Aussehen an, welches die Färber und auch die Buntpapierfabrikanten ver-langen. Jenes schöne dunkelblaue Papier, mit dem so viele Pappschachteln beklebt werden,das beim Hinaufsehen eine Art von rötlichem Metallglanz zeigt, wird z. B. mit solchemPariser Blau hergestellt.

Um mit den in der notwendigen Weise verdünnten Lösungen arbeiten zu können,benutzt man Bottiche von etwa 20000 1 Inhalt für je 100 üx Blutlaugensalz. Hat sichin ihnen der durch Eisenvitriol erzeugte Niederschlag abgesetzt, so läßt man die über-stehende Flüssigkeit ablaufen, bringt den breiigen Niederschlag in eine kleinere Bütte undoxydiert ihn nun hier zum eigentlichen Blau. Bei der großen Anzahl von Oxydations-mitteln, die es gibt, kann man auf sehr verschiedene Weise arbeiten, kein Mittel hatbisher alle übrigen aus dem Felde geschlagen. Die Ausführung dieser Oxydation ist derschwierigste Punkt der Fabrikation, und Sicherheit in ihrer Handhabung ist nur durchjahrelange Übung zu erreichen. Die hellsten Sorten, die man darzustellen vermag, führenden Namen Stahlblau hell hell, sie sind die bei weitem teuersten und finden fast nur inLyon zur Seidenfärberei Verwendung. Dann kommt Pariser Blau , und daran schließensich die Berliner Blaue. Als Beschwerung der Farbe dient zumeist Stärkemehl, das man

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