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Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.
ihr zumischt, aber auch Gips und andere weiße Substanzen werden verwendet. Die Mengeder Beschwerung wird seitens der Fabrikanten stets in der Höhe, wie sie die Händlerwünschen, hineingemischt. Im ganzen sind fünfzig Sorten Blau vorn Stahlblau bis zudem schließlich mit 80 Stärke beschwerten Blau, mit welchem die russischen Bauernihre Ostereier und ähnliches färben, und das nur um diese Jahreszeit verlangt wird, imHandel. Man kann die Blaue sowohl wasserunlöslich wie wasserlöslich herstellen. DieVerwendung der Blaue aus Blutlaugensalz geht in Europa immer mehr zurück, indemsie von den billiger sich stellenden, bequemer zu handhabenden Anilinblauen verdrängtwerden. Anders liegt die Sache im Orient. Zu Zehntausenden Kilogramm monatlichgehen sie nach Indien, nach China und Japan und dienen hier zum Färben von Seiden-zeugen. Der Grund, aus welchem gerade jene Tropenländer an diesen Farben festhalten,ist ein sehr merkwürdiger. Die dortige Sonne muß doch auf alle Farben sehr stark bleichendwirken, und Anilinfarben widerstehen ihr in nur geringem Maße. Das Berliner Blauwird natürlich auch von ihrem hellen Lichte gebleicht, es nimmt aber seine ursprünglicheFarbe, die es bei Tage eingebüßt, teilweise während der Nacht, also im Dunkeln, wiederan, so daß es sich durch diese, soweit dem Verfasser bekannt, keiner anderen Farbe irgendwelcher Herkunft zukommende Eigenschaft für jene Länder ganz besonders eignet.
Im Jahre 1896 betrug die Einfuhr an Berliner Blau ins Deutsche Reich 260600die Ausfuhr 797 600
Das Cyankalium. Erhitzt man Blutlaugensalz also Ferrocyankalium bis zumSchmelzen, so tritt Zerfall dieser Verbindung ein. Das in ihm enthaltene Eisen nebstetwas Kohle scheiden sich ab, und über diesem schwarzen Niederschlage steht die in derGlut klare Flüssigkeit, die beim Erkalten zu einer rein weißen Masse, dem Cyankalium,erstarrt. Diese über dem Bodensatz stehende klare Flüssigkeit wird von ihm, so gut esgeht, abgegossen. Um auch das Cyankalium aus dem Bodensatz zu gewinnen, wird letztererzerschlagen und mit Schwefelkohlenstoff ausgekocht. In diesem löst es sich und hinterbleibt,wenn man ihn abdestilliert, als Weiße Masse. Das so erhaltene Cyankalium wird dannebenfalls noch geschmolzen. Auf diesem Wege bereitet, ist es 100°/oig, also völlig rein,aber */g des im Blutlaugensalz vorhandenen Cyans wird bei diesem Verfahren unterAusscheidung von Kohle und Eisen zerstört. Die Ausbeute an Cyankalium wird besser,indem weniger Cyan zerstört wird, wenn man nach Liebigs Vorschlag das Blutlaugensalzvor dem Schmelzen mit Pottasche mischt. Man bekommt dann das sogenannte LiebigscheCyankalium , welches allerdings nicht 100 "/^ig ist. Die Gründe, aus denen der Pottasche-zusatz die Ausbeute vermehrt, sind zu kompliziert, um hier auseinandergesetzt werden zukönnen. Neuerdings stellt man auch 100°/yiges Cyannatrium unter quantitativer Aus-nutzung des Cyangehaltes des Ferrocyannatriums (s. oben S. 347) dar, indem man diesesmit dem jetzt sehr billig gewordenen Metall Natrium zusammenschmilzt.
-- -r- k's
Ferrocyannalrium Natrium Cyannatrium.
Ob das Cyannatrinm aber überall an Stelle des Cyankaliums treten kann, muß erst dieZeit entscheiden.
Das Cyankalium gehört zu denjenigen Chemikalien, welche meist in Stangenformin den Handel gebracht werden, weil sie so bequem in Passende Stücke zerbrochen undleicht abgewogen werden können, während, wenn man die feurig flüssige Masse inflachen Kästen erstarren läßt, das Zerbrechen der festen Kuchen nachher eine recht mühsame,in unserem Falle wegen der Giftigkeit des Cyankalinms eine gefährliche Arbeit ist. Solchefür das Gießen benutzte Stangenform L besteht aus zwei Teilen von denen jeder dieHälfte der etwa 4 inin starken 6 Bohrungen trägt. Schraubt man die beiden Teile an-einander, so hat man jetzt 6 Stangenformen, die zwar unter sich nicht zusammenhängen, aberüber sich eine gemeinsame Rinne haben. Durch Eingießen des geschmolzenen Cyankaliumsin diese gelingt es leicht, sie alle zu füllen. Sind die Stangen erstarrt, so nimmt mandie Form auseinander, sprengt sie mit einem Messer von ihrem „verlorenen Kopfe" abund nimmt die fertigen Stangen aus dem zweiten Teil der Form, an welchem sie haftengeblieben waren, heraus. Die verlorenen Köpfe werden wieder eingeschmolzen. Ein