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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.

Vitriol. Solche Lösungen sind aber, wie man herausfand, nur mittels Cyankalium zuerhalten, und das Cyankalium für das galvanische Versilbern und Vergolden, wie wirgleich hinzufügen können, durch etwas Ungiftiges ebenso Gutes in dieser Fabrikation zuersetzen, ist bis heute nicht gelungen.

Die Versilberungsflüssigkeit bekommt man z. B. auf folgende Art. Zu einer Lösungvon salpetersaurem Silber setzt man eine frisch bereitete Lösung von Cyankalium. Anfangserhält man einen dicken, seinem Aussehen nach als käsig bezeichneten, weißen Niederschlagvon Cyansilber, fährt man aber mit dem Zusatz der Cyankaliumlösung fort, so verschwindetdieser Niederschlag wieder, und die Lösung enthält jetzt das wasserlösliche Doppelsalz vonCyansilber-Cyankalium, welches sich zum tadellosen Versilbern aller Gegenstände aufgalvanoplastischem Wege eignet. Bei der großen Ausdehnung, die die Galvanoplastik imLaufe der Zeit erreicht hat, ist daher der Bedarf an Cyankalium allmählich ein rechtbedeutender geworden.

Einfuhr und Ausfuhr des Deutschen Reiches an Cyankalium in Mengen von 100

Jahr Einfuhr Ausfuhr Jahr Einfuhr Ausfuhr

1890 12 745 1894 6 10475

1892 5 7195 1896 31 6571

100 kA Cyankalium kosteten 1886 etwa 600 Mark, waren Anfang 1896 noch etwa345 Mark Wert, während sie Anfang 1897 zu 200 Mark zu haben waren.

Eine ganz neue Verwendung, die den bis dahin üblichen Bedarf völlig in den Schattenstellt, hat aber das Cyankalium seit Beginn dieses Jahrzehnts gefunden, nämlich imGoldbergbau. Das Verfahren ist auf den Goldfeldern Transvaals ausgebildet worden,und bei dem Interesse, welches man auch in Europa diesem Bergbau entgegenbringt, solles in seinen Umrissen hier dargelegt werden.

Wie im Abschnitt Metallurgie (siehe in Band °V) auseinandergesetzt ist, wurdebis in die neunziger Jahre das Gold aus seinen Erzen fast nur durch mechanische Hilfs-mittel oder durch Amalgamation gewonnen. Letzteres bedeutet, daß man die feingestampftenErze mit Quecksilber durcharbeitet, in welchem das Gold sich auflöst, so daß es hernach,wenn aus dem entstandenen Goldamalgam das Quecksilber abdestilliert wird, hinterbleibt.Seit dieser Zeit hat sich das Mac Arthur Forrestsche Verfahren in Transvaal wenigstens ganz allgemein verbreitet. Es beruht auf der Grundlage, daß eine sehr ver-dünnte Cyankaliumlösung bei Gegenwart von Luft fein verteiltes Gold zu lösen im ständeist, und wird in folgender Art ausgeführt. Das Erz, wie es aus der Grube kommt, wirdunter Zugabe von gebranntem Kalk vermahlen. Der gebrannte Kalk dient dazu, um imErz vorhandene Säuren und schwefelsaure Salze in Verbindungen zu verwandeln, welcheauf Cyankalium nicht einwirken, um Verluste an dieser Substanz möglichst zu ver-meiden. Das so vorbereitete Material wird weiter mit einer etwa ein halbes Prozentstarken Lösung von Cyankalium ausgelaugt. Die Größe der Auslaugegefäße, die manaus Holz oder Zement herstellt, ist enorm, man baut sie bis zu einem Fassungsraum von400000 I. Allzufeines Erz setzt dem Auslaugen einen solchen Widerstand entgegen, daßman bisher von seiner Verarbeitung absehen muß. So werden in Südafrika monatlichetwa 250000 t (zu 1000 Erz gefördert, aber aus 30 °/g dieser „Tailings" kannbisher das Gold nicht extrahiert werden. Es bleiben also dort zur Zeit d. h. im Jahre1896 monatlich etwa 75 000 t Golderz unbenutzt, deren Verwertung Wohl der Zukunftvorbehalten ist.

Die Methode liefert schließlich das Gold als Cyangoldcyankalium in Lösung. Ausdieser Lösung ist es einige Jahre lang durch Zink ausgefällt worden, indem in die Flüssig-keit gebrachtes Zink sich als Cyanzinkcyankalium löst, während sich Gold als Schlammabscheidet. Man glaube nun aber nicht, daß sich der Prozeß so bequem abspielt, wie esnach der Schilderung scheinen könnte. Dieser Schlamm z. B., der aus reinem Goldebestehen sollte, enthält nur 40/z °/g von ihm, alles andere ist Verunreinigung, und dieReindarstellung des Goldes aus ihm ist eine weitere schwierige Arbeit. So stand dieSache im Jahre 1893, als die Firma Siemens L Halske mit einer bedeutenden Ver-besserung des Verfahrens an die Öffentlichkeit trat, welches die Zinkfällung aus dem