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Blutlaugensalzindustrie: Das Cyankalium und Rhodankalium.
Prozeß ausscheidet. Die Lösung von Cyangoldcyankalium erinnert uns an die oben-erwähnte, welche die Fabrikanten zur Herstellung vergoldeter Gegenstände auf galvano-plastischem Wege als die beste herausgefunden haben. Hängt man also in die direkt ausden Erzen erhaltene Lösung dieses Golddoppelsalzes statt des Zinks Elektroden, so wirdbeim Durchleiten des elektrischen Stromes die negative Elektrode vergoldet werden. Nachdiesem Verfahren arbeiten nun Siemens L Halske und benutzen als Elektroden sehrgroße Bleiplatten, auf denen sich das Gold als harte Kruste niederschlägt. Bei derZinkfällung verbrauchte man für je 1000 auszulaugenden Erzes 0,12 KZ Cyankalium,während man beim elektrischen Verfahren mit 0,012 LZ, also dem 10. Teil auskommt, undda bei diesem Verfahren der Goldgewinnung der beträchtlichste Posten im Ausgabenkontoder Preis des Cyankaliums ist, stellt dies letztere Verfahren auch in dieser Beziehungeinen gewaltigen Fortschritt dar.
Dieses also in Südafrika für die Praxis ausgebildete Verfahren, welches die billigeExtraktion von fein verteiltem Golde aus Erzen gestattet, hat nun bereits an anderenStellen der Erde zum Goldbergbau Veranlassung gegeben, an denen Erze vorkommen,deren Ausnutzung nach den älteren Methoden nicht lohnend war. So verarbeitet man nachdieser Methode jetzt die Erze des Cripple Creek-Bezirks in Colorado , der bereits großeMengen Gold liefert. Ebenso hat man sich ihm in Neuseeland zugewendet, wo auf20 Werken nach diesem Verfahren etwa hunderttausend Unzen jährlich erzeugt werden.Da eine Unze gleich 31 A ist, bedeutet dies etwa 3000 jährlich, die einen Wert vonüber 8 Millionen Mark haben.
So sehen wir hier, indem wir noch einmal auf unsere Bemerkung auf S. 332zurückkommen, wie die zur Blutlaugensalzfabrikation Verwendung findenden allerletztenAbfälle der Kultur, Wolllumpen, altes Horn, altes Leder, oder die Reinigungsmassen derGasanstalten dazu dienen, nachdem die chemische Industrie sie in Cyankalium übergeführthat, das von den Menschen für das Kostbarste geschätzte Gold zu gewinnen; eine derErwähnung gewiß nicht unwerte Erscheinung.
Das Rhodankalium. An das Cyankalium reihen sich das Schwefelcyankaliumoder Rhodankalium und die Rhodanverbindungen. Setzt man zu geschmolzenem Cyan-kalium Schwefel, so nimmt es diesen auf und geht in Rhodankalium über, welches sozuerst im Laboratorium erhalten wurde.
OUL 8 ^ OU8L.
Cyankalium -i- Schwefel --- Rhodankalium.
Doch stellt man die Rhodanverbindungen im Großen, vom Schwefelkohlenstoff, denwir später kennen lernen, ausgehend, dar, da sie auf diesem Wege weit billiger zu erhaltensind. Man läßt z. B. ein Gemisch von 600 Teilen Alkohol von 95 "/y, 800 TeilenAmmoniak vom spezifischen Gewicht 0,si2 und 350—400 Teilen Schwefelkohlenstoff mehrereTage stehen und destilliert es dann bis auf ein Drittel ab. Aus dem Rückstand krystalli-sieren bald 280 Teile Rhodanammonium aus, die sich zufolge folgender Umsetzungsgleichunggebildet haben.
Schwefelkohlenstoff -i- Ammoniak -- Rhodammonium 4- Schwefelammonium.
O82 4UU, -- 0U8UU. -t-
Der Alkohol dient also, wie wir aus der Gleichung ersehen, nur dazu, um die nichtmiteinander mischbaren Flüssigkeiten Schwefelkohlenstoff und Ammoniak, da er sie beidezu lösen vermag, im gelösten Zustande zur Wirkung aufeinander zu bringen.
Die im Wasser gelösten Rhodanverbindungen sind die empfindlichsten Reagentienzum Nachweis von Eisen, indem sie selbst mit den geringsten Spuren derselben eine Rot-färbung erzeugen. Außer dem Rhodanammonium werden technisch noch folgende dreiRhodanverbindungen hergestellt. Das Rhodanaluminium, welches als Beize in derFärberei (siehe dort) eine Rolle spielt, wird durch Umsetzung von Rhodanbarium mitschwefelsaurem Aluminium (schwefelsaurer Thonerde, s. S. 356l> dargestellt, indem beimZusammenbringen beider Flüssigkeiten sich schwefelsaures Barium unlöslich abscheidet, welchesabfiltriert wird, worauf das Rhodanaluminium in der Lösung vorhanden ist. Nur mit