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Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.
seiner Verwendung als Beize ist es möglich, reinen Alizarinrotdruck herzustellen, währendschwefelsaure Thonerde, die ja sonst stets in solchen Fällen als Thonerdebeize dient, Veran-lassung zu violetten Streifungen gibt, und nur für diesen Zweck wird es seit einer Reihe vonJahren fabriziert. Weit früher schon hat man das Rhodanquecksilber in großenQuantitäten hergestellt. Diese Verbindung zeigt die von Wühler in den vierziger Jahrenentdeckte merkwürdige Eigenschaft, daß sie, wenn man sie anzündet, sich zu äußerst volu-minösen wurmförmigen Gebilden aufbläht. Sie dient daher zur Füllung der Pharao-schlangen, jenes früher mehr als jetzt beliebten Kinderspielzeugs. Wühler äußerte nachihrer Entdeckung seinen Schülern gegenüber den Wunsch, er möchte wohl einmal zweiZentner von ihr auf dem Göttinger Marktplatz (in dieser Stadt war er bekanntlich Professor)verbrennen, dann werde er wohl ganz von den sich aufblähenden Massen erfüllt werden.Damals handelte es sich um ein kostbares Laboratoriumspräparat; nachdem heute dieTechnik den Körper herstellt, könnte der Wunsch des längst entschlafenen alten Herren wohlerfüllt werden. — Außerdem wurde noch eine Zeitlang Rhodankupser in größerenMengen für Zündhölzersabriken hergestellt, es neigt aber in trockenem Zustande zur Selbst-entzündung, und man ist deshalb von seiner Verwendung wieder abgekommen.
Das rote Blutlaugensalz. Leitet man in eine Lösung des gelben Blutlaugen-salzes Chlorgas ein, so färbt sie sich bald rot, und dampft man sie jetzt bis zum Krystalli-sationspunkte ab, so erhält man die Krystalle des roten Blntlaugensalzes. Den Vorganggibt folgende ziemlich komplizierte Gleichung wieder:
ZI'slvlPsLt i- 2 6 k--- - 7 - 2L0I
Gelbes Blutlaugensalz Chlor — Rotes Blutlaugensalz n- Chlorkalium.
Das rote Blutlaugensalz spielt keine große Rolle inder Färberei, die es allerdings für manche Zwecke kaumentbehren kann; außer in dieser wird es wohl nur in denLaboratorien gebraucht. In den siebziger Jahren wuchsjedoch eine Zeitlang der Bedarf an ihm bedeutend. MitHilfe von rotem Blutlaugensalz kann man nämlich schwarzeSeide mehr als mit irgend einem anderen Mittel be-schweren. Man kann ihr mit seiner Hilfe bis 600 °/oFarbstoff einverleiben, d. h. das fertige Seidenzeug besteht schließlich zu 1/7 aus Seide,zu 0/7 aus Farbstoff. Daß solcher Stoff sehr haltbar sein wird, wird niemand erwarten,aber sicher wird er sich sehr billig stellen, und so wurde er in großen Mengen für denExport fabriziert, bis die Schiffe seine Mitnahme verweigerten. Die in dieser Art her-gestellten Seidenzeuge neigen nämlich, wenn sie längere Zeit eng verpackt liegen, wiewir es eben erst vom Rhodankupser erwähnten, zur Selbstentzündung, und nachdem sichdas herausgestellt hatte, erwies sich ihr Transport über See als unmöglich.
Der Alaun.
Im Anschluß an das bisherige wollen wir an dieser Stelle nur noch den Alaun,welcher ein Kalidoppelsalz, nämlich schwefelsaures Kali st- schwefelsaure Thonerde ist, sowiedas chromsaure Kali besprechen. Weitere Kalisalze werden wir besser an anderen Stellendes Buches kennen lernen, so das Chlorkalium bei der Industrie der künstlichen Düngemittel,das salpetersaure Kali bei der Schießpulverfabrikation, das Jodkalium beim Jod u. s. w.
Der Alaun zeichnet sich durch große Krystallisationsfähigkeit aus und schließt inseine Krystalle 12 Moleküle Krystallwasser ein. Das Wertvolle für die Praxis des Lebensist in ihm nicht das schwefelsaure Kali, sondern die schwefelsaure Thonerde. Die Thon-erde ihrerseits ist die Sauerstoffverbindung des Aluminiums also Aluminiumoxyd, welchesverbunden mit Kieselsäure als kieselsaures Aluminiumoxyd das ist, was wir Thon nennen.Die Thonerde kommt daher in ungeheuren Mengen auf Erden vor, besteht doch jeder ge-wöhnliche Ziegel aus unreinem Thon, also unreiner kieselsaurer Thonerde. In Wassergelöste Thonerde, also z. B. eine Passende Alaunlösung, hat die Eigenschaft, wenn siemit Farbstofflösungen zusammengebracht wird, sich mit dem Farbstoff als gefärbte unlösliche
»bs. KryUaNsorm
des roten KtntkauIrnIatzrs.