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Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.
Und nicht nur ins Pflanzenreich geht er ein, sondern auch die tierischen Lebewesenbrauchen ihn für ihre Existenz, die an die Eiweißstoffe gebunden ist. Unter Eiweißversteht die Physiologische Chemie alle jene komplizierten Stoffe, welche stickstoffhaltig sindund im lebenden Körper vorkommen, also aus Eiweißkörpern im chemischen Sinne bestehtz. B. auch das Fleisch, weil es aus höchst kompliziert zusammengesetzten stickstoffhaltigenSubstanzen besteht. Die meisten Eiweißkörper enthalten nun ein wenig Schwefel, so daßer also auch an deren Ausbau beteiligt ist. Unseren Geruchsnerven macht er sich fürgewöhnlich in diesen nicht geltend, doch zeigen bekanntlich speziell Eier, resp. zeigt ihrEiweiß, wenn es nicht mehr frisch ist, jenen widerlichen Geruch, den man als den nachfaulen Eiern bezeichnet hat. Es ist das der Geruch des Schwefelwasserstoffgases, welchesGas sich also bei dieser Fäulnis durch die Spaltung des Eiweißes bildet. (Der Schwefel-gehalt der Eier ist, nebenbei bemerkt, auch der Grund, daß silberne Löffel, wenn man siebeim Essen derselben benutzt, schwarz werden. Silber hat eine ganz besondere Verwandt-schaft zum Schwefel, und so bildet sich unter diesen Verhältnissen Schwefelsilber, welches
von schwarzer Farbe ist.)
Die Gewinnung des Schwefels ist da, wo erin gediegenem Zustande vorkommt, sehr einfach. InSizilien bricht man die Schwefelmassen gangmäßig ausdem kalkigen und mergeligen, mit Gipsschichten abwech-selnden Gestein. Die Schwefellager befinden sich in einerTiefe von 40—50 in; Kellertreppen führen hinunter,und auf ihnen steigen Kinder von 12—16 Jahren aufund ab und tragen die gebrochenen Stücke nach oben.Die traurige Lage, in die diese Bevölkerung durch dasfortdauernde Sinken des Schwefelpreises versetzt ist, hatdie italienische Regierung im Juli 1895 endlich veran-laßt, jenen geringen Exportzoll, der immer noch aufSchwefel erhoben wurde, ganz abzuschaffen, um ihm so dieKonkurrenz auf dem Weltmärkte zu erleichtern; 1860 warder Wert von 1000 Lx sizilianischem Schwefel 120 Lire,1875 142 Lire, 1893 72 Lire. Doch findet man jetzt, denAnforderungen der Neuzeit gemäß, auch schon in vielenGruben Förderung mittels Dampfmaschinen und Draht-seil auf schiefen Ebenen. Der Schwefelgehalt des Ge-steins beträgt 20—30 °/o- Man sondert die Bruchstücke in reichere und ärmere und schmilztdie ersteren in eisernen Kesseln ein. Nachdem der Kesselinhalt einige Zeit in Fluß er-halten worden, hat sich der größte Teil jener fremden Beimischungen zu Boden gesetzt;man schöpft nun das Flüssige aus und gibt es in nasse hölzerne Formen, in denen eszu Blöcken von Rohschwefel erstarrt. Die Bodensätze und das vorher ausgesonderteschwefelärmere Material werden eindringlicher erhitzt, um den Schwefel in Dampfformabzutreiben, d. h. man unterwirft sie ebenfalls gleich in der Nähe der Gruben einerrohen Destillation. Als Apparat dient hierzu ein liegender Ofen, dessen Durchschnitt wirin Abb. 365 sehen, in welchen 12—16 krugsörmige Thongefäße L so eingelassen sind,daß ihre Mündungen, die nach geschehener Füllung fest verschlossen werden, oben Heraus-ragen. Die Räume zwischen den Krügen werden mit Holz angefüllt. An den Hals jedesdieser Krüge ist ein abwärts gerichtetes Rohr « angesetzt, welches in ein ähnliches außer-halb des Ofens stehendes Kruggefäß ^ einmündet. Letzteres bildet die Vorlage, in welcherdie durch die Hitze übergetriebenen Dämpfe sich zu flüssigem Schwefel verdichten, der durchein unteres Rohr in ein Gefäß mit Wasser ausfließt. ,
Häufig wendet man in Sizilien eine Ausschmelzmethode an, bei welcher mau keinfremdes Brennmaterial braucht, sondern die Hitze dadurch gewinnt, daß man einen Teil desSchwefels der Verbrennung Preisgibt, wobei freilich die bei der Verbrennung vonSchwefel sich bildende schweflige Säure einen lästigen Übelstand bildet. Auf einer starkabschüssigen eingeebneten Stelle wird eine Ringmauer von vielleicht 18 in Durchmesser
364. StinkasarrL (k'sruls. a8a fovUäs).