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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Gewinnung des Schwefels. 335

aufgeführt, die nach der Thalseite etwa 7 m, oberhalb wegen des ansteigenden Terrainsnur etwa halb so hoch ist. An der tiefsten Stelle des Gemäuers ist ein Ausflußloch, dasvorläufig mit einem Gipspfropfen verschlossen ist, neben dem sich nur ein paar enge Löcherbefinden, welche zur Untersuchung des Schmelzzustandes während des Betriebes dienen.Vor die Öffnung ist als natürlicher Rost ein Haufen grober Steine gesetzt. In dieserArt von Ofen werden die Schwefelstufen regelmäßig aufgeschichtet, doch so, daß ein kleinerZwischenraum zwischen ihnen und dem Gemäuer bleibt. Man fährt mit dem Aufbau inPyramidenform noch ein Stück über die Höhe der Umfassungsmauer fort, deckt schließlichalles mit Schlacken, die von früheren Bränden übrig sind, zu und zündet den Ofen oderMeiler, dort Calcarone genannt, am Hinteren Ende oben an. Infolge des beschränktenLuftzutritts verbrennen nur etwa 30 °/o des Schwefels, während die entwickelte Hitze dasAusschmelzen des übrigen bewirkt. Die Verwendung anderen Brennmaterials stellt sichin diesen Gegenden noch teurer. Das Niederschmelzen einer solchen Masse dauertl 8 —20 Tage. Von Zeit zu Zeit öffnet man das Zapfloch und läßt den dickflüssigengeschmolzenen Schwefel in einen mitWasser befeuchteten schrägwandigenHolzkasten laufen. In Sizilien er-strecken sich die Schwefellager längsder Südküste von Girgenti bis an denFuß des Ätna in einer Länge von150 üm bei etwa 40 bin Breite.

In Szosnowice bei Krakau ist seitetwa 20 Jahren eine ganz andere Ge-winnungsweise des Schwefels einge-führt, der sich dort als gediegenerSchwefel, in Mergel eingelagert, vor-findet. Dieser Schwefel wird nämlichaus dem Mergel mittels Schwefel-kohlenstoff (s. S. 386), in welcherFlüssigkeit der Schwefel leicht löslichist, ausgezogen und durch Abdestillierendes Schwefelkohlenstoffs aus ihm alsRückstand gewonnen. Mit sehr ge-ringem Brennstoffaufwand gewannman dort so den gesamten Schwefel-gehalt des Gesteins) und der Verlustan Schwefelkohlenstoff soll sich aufkaum Vz O/o belaufen. Doch hat manselbst diesen Prozeß hernach für die an Schwefel reicheren Stücke noch zu übertreffenverstanden, so daß nur noch die an Schwefel armen Erze so verwertet werden. Manbringt nämlich die besseren Erze in einen Dampfkessel, in dem sie auf einem Siebe liegen.Heizt man jetzt den Kessel an, so wird mit dem steigenden Druck in ihm auch der Siede-punkt des Wassers sich erhöhen. Bei zwei Atmosphären kocht Wasser bei 120 ", bei dreiAtmosphären bei 135° u. s. w. Schwefel schmilzt nun schon bei 112 °. Hat also derDruck im Kessel zwei Atmosphären erreicht, so wird er aus dem Gestein ausschmelzenund sich unter dem'Siebe im Kessel ansammeln, von wo er direkt in die handelsüblicheForm langer runder Cylinder gegossen wird.

Der auf Sizilien gewonnene Schwefel muß, da er so unrein ist, daß er Rohschwefelbenannt wird, für viele Zwecke seiner Verwendung dem Raffinieren unterworfen werden,das in einer Destillation oder richtiger Sublimation besteht. Das Raffinieren sizilianischenSchwefels bildet einen besonderen Geschäftszweig, der sich in verschiedenen Seestädten desMittelmeeres, besonders in Marseille , angesiedelt hat. Die hierzu benutzten Apparate be-stehen aus zwei eisernen liegenden Cylindern 0 (s. Abb. 366), von denen jeder 200—300Schwefel faßt, und einer anstoßenden, aus Backsteinen gemauerten Kammer von Stuben-

365 . Destillieren des Schwefels.

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