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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Verbindungen des Schwefels. Schweflige Säure.

Wir S. 387 zurück. Als Komponent schöner Farbstoffe geht der Schwefel ein in denZinnober, das Kadmiumgelb, das künstliche Ultramarin und manche Anilinfarben, worüberan anderen Stellen dieses Bandes Näheres gesagt werden wird. Zum medizinischenGebrauche dient er in Form von Schwefelblumen und Schwefelmilch. Die Schwefel-blumen sind ferner für die Weinbauer ein wahrer Retter aus der Not geworden, indemsie neben Kupfervitriol das beste Mittel zur Bekämpfung der verheerenden Traubenkrank-heit sind. Die Einfuhr an Schwefel ins Deutsche Reich betrug 1896 21864 t.

Verbindungen des Schwefels. Der Schwefel zeichnet sich durch eine großeVerbindungsfähigkeit mit anderen Elementen aus. Darauf beruht auch seine Wichtigkeitfür Wissenschaft, Technik und Gewerbe, und wie er selbst, so sind einzelne seiner Verbin-dungen heute geradezu unentbehrlich geworden. Dies gilt vor allem von der Schwefel-säure. Sie besteht, wie wir bereits wissen, aus Schwefel und Sauerstoff; erkundigenwir uns aber bei der Chemie des Näheren, so erfahren wir, daß es nicht weniger alsneun verschiedene Verbindungsstufen des Schwefels mit Sauerstoff gibt. Von ihnen sindjedoch nur zwei seit langer Zeit bekannt und technisch angewendet: die schweflige unddie Schwefelsäure; zu diesen hat sich in neuerer Zeit noch die unterschweflige Säuredurch die Bedeutung gesellt, die ihr Natronsalz als Antichlor und in der Photographieerlangt hat.

Schweflige Säure ist sicher eines der am leichtesten zu erzeugenden chemischenPräparate, denn man darf nur einen Schwefelfaden anzünden, um sich durch den Geruchvom Auftreten dieses gasförmigen Körpers zu überzeugen. In derselben Art wie beimAnzünden eines Stückes Kohle sich Kohlensäure bildet, die gasförmig entweicht, so daßdie Kohle scheinbar verschwindet, bildet sich beim Brennen von Schwefel schweflige Säureunter scheinbarem Verschwinden des Schwefels. Sowohl Kohle wie Schwefel nehmenbei diesem Prozeß zwei Atome Sauerstoff auf, und so nennt man die Kohlensäure auchKohlendioxyd, die schweflige Säure Schwefeldioxyd .

Kohle -l- Sauerstoff (aus der Luft) — Kohlensäure (Kohlendioxyd)

0 Oz ^ 00 z

Schwefel -n Sauerstoff (aus der Lust) — Schweflige Säure (Schwefeldioxyd)

8 ^ O2 -- 8O2.

Die schweflige Säure hat in Gegenwart von Wasser unter passenden Bedingungen dasBestreben, durch Aufnahme von noch mehr Sauerstoff in Schwefelsäure überzugehen,

Schweflige Säure -l- Sauerstoff Wasser --- Schwefelsäure

80,2 -^01- LzO -- L8<ch.

und bildet so das Mittelglied der Überführung des Schwefels in diese Säure. Sie selbsthat bis zum Jahre 1884 nur eine reichlichere Verwendung in der Industrie gefunden,der sie auch noch ununterbrochen dient, nämlich zum Bleichen solcher Stoffe, für welchedie Chlorbleiche nicht anwendbar ist. Zu diesen gehören namentlich Wolle, Federn, Seide,Darmsaiten, Badeschwämme, Stroh- und Korbmacherwaren. Man verfährt, um siezu bleichen, meist einfach so, daß man die Gegenstände angefeuchtet in Kammern auf-hängt, in denen man Schwefel abbrennt. Die so entstehende gasförmige schwefligeSäure, die von Natur die Eigenschaft hat, außerordentlich leicht im Wasser löslich zusein, gelangt so an die feuchten Stoffe, löst sich in der Feuchtigkeit und übt ihre bleichendeWirkung aus. Heute liefern aber chemische Fabriken die Lösung der schwefligen Säurein Wasser fertig ins Haus, und werden viele Stoffe durch Eintauchen in diese Flüssigkeilgebleicht. Die schweflige Säure ist auch ein starkes Antiseptikum, das heißt, ihre Anwesen-heit veranlaßt das Absterben von Bakterien, und daher schreibt sich die konservierendeKraft, welche das Schwefeln der Weinfässer, das Schwefeln von Flaschen, in denen Obstkonserviert werden soll, u. s. w. ausübt.

Seit dem Jahre 1884 dient die schweflige Säure in Form ihres sauren schweflig-sauren Kalksalzes auch im größten Maßstabe zum Ausschließen des Holzes, d. h. zurGewinnung von Cellulose aus Holz für die Papierfabrikation. Die ältere Methode,deren man sich für diesen Zweck bediente, bestand bekanntlich in'der Verwendung von