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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.

Natronlauge. Was Natronlauge in rein chemischer Beziehung ist, und wozu sie sonstnoch dient, erfahren wir sehr bald im Anschluß an die Soda. Hier wollen wir nur dieGewinnung des sauren schwefligsauren Kalks , der sogenannten Sulfitlauge, dasneue Mittel zur Cellulosegewinnung kennen lernen.

Mitscherlich, der Erfinder des ganzen Verfahrens, bereitete den sauren schweflig-sauren Kalk so, daß er die durch Verbrennen von Schwefel oder Schwefeleisen (sieheweiterhin bei der Schwefelsäurefabrikation) erhaltene schweflige Säure in einen Schorn-stein treten ließ, der nicht wie gewöhnliche Schornsteine leer, sondern mit großen StückenKalkstein gefüllt war, also trotz seiner Füllung, infolge der vielen Zwischenräume dieser,den nötigen Zug zum Brennen des Schwefels liefern konnte. Die im Schornstein, der indiesem Falle als Turm bezeichnet wurde, aufsteigende schweflige Säure traf dort auf denKalkstein, über den langsam Wasser herabrieselte, und bildete mit diesem schwefligsaurenKalk, ein in Wasser unlösliches Salz. Aber in dem weiter herabrieselnden Wasser löstesich im unteren Teile des Turmes, wo die schweflige Säure doch reichlich vorhandenist, diese als solche auf, und in der so gebildeten wässerigen schwefligen Säure löst sichwiederum mit Leichtigkeit schwefligsaurer Kalk, indem saurer schwefligsaurer Kalk entsteht.Die so bereitete Lösung desselben sammelt sich am Fuße des Turmes in Bottichen undfindet nachher ihre Verwendung zum Zerkochen des Holzes.

Schweflige Säure Kalkstein -i- Wasser Saurer schwesligsaurer Kalk -t- Kohlensäure

28O2 0aOO, L,0 --- 6a(L80,)2 -t- 60 z

Die Darstellung des sauren schwefligsauren Kalkes in Türmen ist mit manchenUnzuträglichkeiten verknüpft. Die Witterung, namentlich der Frost und die Menge desüber den Kalkstein rieselnden Wassers, haben großen Einfluß auf den Zug in den Öfenund erfordern viel Intelligenz seitens der an ihnen beschäftigten Arbeiter, wenn die ent-stehende Lauge von saurem schwefligsaurem Kalk immer die gleich brguchbare Zusammen-setzung, d. h. die nötige Stärke zeigen soll. Man hat deswegen allmählich diese Methodeverlassen und benutzt statt ihrer eine solche, bet der man von Äußerlichkeiten weniger ab-hängig ist, die die Herstellung der Lauge mühelos gestattet, allerdings auch größeremaschinelle Einrichtungen erfordert.

Man verbrennt nämlich den Schwefel in weiten gußeisernen Röhren, die innen mitfeuerfesten Steinen ausgemauert sind, so daß ihnen der während des Brennens schmelzendeSchwefel, welcher sonst Eisen rasch zerfrißt, indem er die Bildung vop Schwefeleisen ver-anlaßt, wie wir das schon in der Blutlaugensalzfabrikation kennen lernten, nichts anhabenkann. Die Röhren sind einerseits durch eine luftdicht abgedichtet^ Thür verschlossen,und finden anderseits ihre Fortsetzung in einer ausgedehnten eiserneis Rohrleitung.

Nachdem man den Schwefel in ihnen entzündet und die Thür verschlossen hat,treibt man mit einer Luftpumpe, welche die Luft in genügender Weise komprimiert, ver-mittelst eines seitwärts in das Gußrohr einmündenden Rohres Luft hurch dieses, die nunden Schwefel in Brand hält. Wir sehen auf Abb. 63 einen für diesen Zweck vorzüglichgeeigneten horizontalen doppeltwirkenden Luftkompressor für direkten Dampfbetrieb, wieihn G. A. Schütz zu Würzen in Sachsen baut. Damit die durch den brennenden Schwefelim Rohre entwickelte Hitze nicht zu bedeutend wird, liegt dasselbe sn einem Bassin mitkaltem Wasser.

In der sich an das Verbrennungsrohr anschließenden eisernen Lestung, die freistehendals Luftkühler dient, findet hierauf eine vollständige Abkühlung des schwefligsauren Gasesbis auf die Temperatur des umgebenden Raumes statt. Das trockene schwefligsaure Gas,welches sich bei diesem Prozeß bildet, greift die eisernen Röhren nicht an, während feuchteschweflige Säure oder gar der mit ihrer Hilfe darzustellende saure schwefligsaure Kalk siein kürzester Frist zerstören würden. Deswegen findet das Einleiten des schwefligsaurenGases in die Kalkmilch, die es in sauren schwefligsauren Kalk überführen soll, welchesich in hölzernen Bottichen befindet, vermittelst Bleileitungen statt.

28.O2 -^0^02)2--- 0 a(L 80 g) 2 .

Schweflige Säure -i- Kalkmilch Saurer schwefligsaurer Kalk.