370 Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.
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Letztere klare Bleichflüssigkeit ist wohl, wenn sie auch einige Pfennige teurer ist, geeigneterfür die Hausfrauen als der Chlorkalk, von dem womöglich Stücke an der Wäsche haftenbleiben, die sie selbstverständlich unfehlbar zerfressen. Schon der Geruch lehrt, ob genügendunterschwefligsaures Natron angewendet ist. Ist das nämlich der Fall, so ist auch dieWäsche völlig geruchfrei geworden.
Zweitens findet das unterschwefligsaure Natron bei der Herstellung der PhotographienVerwendung, und die Photographen haben ihm den Namen Fixiersalz gegeben. DiePhotographie beruht bekanntlich auf der Empfindlichkeit mancher Silbersalze gegenüberdem Licht.
Man bringt zu ihrer Ausführung doch in eine Camera obscnra an die Stelle derMilchglasplatte, mit deren Hilfe man ein verkleinertes Bild von Gegenständen, die sichvor der Camera befinden, eingestellt hat, heutzutage eine Trockenplatte, welche das empfind-liche Silbersalz enthält, nachdem man der Camera wieder eine Kappe aufgesetzt hat, diedas Eindringen von Licht verhindert. Entfernt man sodann die Kappe für ganz kurzeZeit, so bewirkt der Einfluß des Lichtes die Entstehung des Bildes auf der Platte, aberdas in der außerordentlich kurzen Zeit erhaltene Bild ist viel zn schwach, als daß dasmenschliche Auge es wahrnehmen könnte. Legt man jedoch nunmehr die Platte in die so-genannte Entwickelungsflüssigkeit, als welche sehr verschiedene Lösungen dienen können, sofindet jetzt, statt durch das Licht, durch diese Flüssigkeit die Weiterzersetznng der einmalbelichteten Silberteile statt, und bald sieht man beim roten Lichte der Dunkelkammer einBild auf der Platte erscheinen. Käme die Platte jetzt ins Tageslicht, so würde natürlichalles unveränderte Silbersalz in ihr schwarz werden, und das Bild wäre verloren. Daherist es nunmehr nötig, alles auf der Platte überschüssig vorhandene Silbersalz, das durchdas Licht und den Entwickler nicht beeinflußt wurde, zu entfernen, und dies geschiehtdurch Eintauchen in eine Lösung von unterschwefligsaurem Natron, der die Eigenschaftzukommt, durch das Licht nicht veränderte Silbersalze aufzulösen. Dagegen vermag siedie durch das Licht veränderten Silberverbindungen, die das Bild repräsentieren, nichtzu beeinflussen, und so bleibt das Bild hernach auch im Tageslicht erhalten, da durchdas Licht geschwärzt werdendes unverändertes Silbersalz in der Platte nun nicht mehrvorhanden ist, das unterschwefligsaure Natron hat also das Bild fixiert.
Wir kommen nunmehr zur Fabrikation der Schwefelsäure. Wir wissen, daßman gebrannten Kalk durch Glühen von Kalkstein erhält, er zerfällt hierbei in Calcium-oxyd, d. i. Kalk, und Kohlensäure, die man, da sie wasserfrei ist, auch Kohlensäureanhydridnennen kann. In gleicher Weise erhält man, wenn man schwefelsaures Eisenoxyd glüht,Eisenoxyd und Schwefelsäureanhydrid.
Schwefelsaures Eisenoxyd — Eisenoxyd -l- Schwefelsäureanhydrid--- l^O, 3 80,.
Während das Kohlensäureanhydrid gasförmig aus dem Kalkofen entweicht, bildet dasSchwefelsäureanhydrid mit der Feuchtigkeit der Luft dicke Nebel von Schwefelsäure.Destilliert man daher schwefelsaures Eisenoxyd aus einer Retorte und gibt in die zugehörigeVorlage etwas Wasser, so erhält man in dieser flüssige Schwefelsäure.
Schwefelsäureanhydrid -I- Wasser ---- Schwefelsäure80, -i- 8,0 -- 8^80^.
So einfach ist also die Gewinnung von Schwefelsäure auf diese Art, und es nimmt unsdaher nicht Wunder, daß schon Geber im 8. Jahrhundert sie gekannt haben soll. Die soerhaltene Schwefelsäure, eine dicke Flüssigkeit, die ehemals den Namen Vitriolöl oderOleum führte, raucht an der Luft, weil sie Schwefelsäureanhydrid aufgelöst enthält,welches beim Öffnen einer Flasche, in der sie sich beispielsweise befindet, mit der Feuchtig-keit der Luft, die jetzt herankommt, die schon erwähnten Nebel (von Schwefelsäure) bildet.
Die technische Fabrikation dieser Schwefelsäure ist in Böhmen im größten Maßstabeausgebildet worden, von wo sicher auch zuerst derartige Schwefelsäure schon vor 300 Jahrenin den Handel gekommen ist. Ihr Aufblühen in jener Gegend beruht auf einem dortvorkommenden Schiefer, der reich an Pyrit, d. i. Schwefeleisen, ist. Wir sahen in der