Fabrikation der Schwefelsäure. 371
Alaunfabrikation, daß in manchen Schiefern beim Liegen an der Lust durch die Oxydationdes Schwefelgehalts ihres Pyrits Schwefelsäure disponibel wird, welche, wenn zugleichin ihnen Thon zugegen ist, Veranlassung zur Bildung von schwefelsaurer Thonerde, derGrundlage der Alaunindustrie, gibt. In Böhmen hatten nun die Alaunwerke von jehermit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, weil sich beim hohen Eisengehalt des dortigenSchiefers stets viel schwefelsaures Eisenoxydul bildete, welches die Alaunfabrikativn soerschwerte, daß sie geradezu unlohnend wurde. Mit der Zeit hat man dann nur nochSchiefer verarbeitet, die nach der Oxydation beim Auslaugen an das Wasser hauptsächlichschwefelsaures Eisen abgeben, um aus ihm Schwefelsäure zu gewinnen, und auf den Alaunverzichtet.
Derartige aus der Grube kommenden Schiefer läßt man noch jetzt etwa drei Jahrean der Lust liegen, indem man bei der Aufschichtung der Halden für Kanäle, die denLuftzutritt erleichtern, sorgt. Ihr Pyritgehalt geht erst in schwefelsaures Eisenoxydul,hernach durch Weiteroxydation in schwefel-saures Eisenoxyd über. Nach dieser Zeit laugtman sie aus und erhält eine dunkelbrauneLauge, die man den Sudhütten zuführt.
Hier dampft man sie in Flammöfen mit ober-schlächtigem Feuer ein, bis eine Probe nachdem Erkalten erstarrt, worauf man sie aufden Boden ausfließen läßt. Das nach demErkalten und Festwerden erhaltene Produktheißt Rohstein und enthält noch viel schwefel-saures Eisenoxydul. Es kommt jetzt in einenzweiten Flammofen, den Calcinierofen, indem es völlig entwässert und durch über-geleitete Luft möglichst weiter oxydiert wird.
Der calcinierte Rohstein ist hernach im we-sentlichen fast wasserfreies schwefelsauresEisenoxyd. Nach dem Zerkleinern wird erin Ofen aus Retorten von feuerfestem Thondestilliert. Auf jeder Seite des Galeeren-ofens befinden sich übereinander vier korre-spondierende Reihen zu je 34 Kolben, diein der Mitte mit ihren Böden ziemlich an-einander stoßen. Zu oberst bilden neuerdings34 große röhrenförmige Retorten eine fünfte ^ x,-rstrit-r„s r«..ch°nd-r Schwefelst.Reihe, die an beiden Seiten offen sind, quer
durch den ganzen Ofen gehen und an jeder Seite eine Vorlage haben. Ebenso ist anjeder kleinen Retorte R eine thönerne Vorlage L von solcher Größe angelegt, daß dieselbedas Produkt von vier bis fünf Destillationen hintereinander zu fassen vermag. Imganzen enthält somit ein solcher Galeerenofen neuester Konstruktion 272 kleine und34 große Oleumkolben nebst 340 Vorlagen. Der Name Galeerenofen stammt daher, daßdie aus seinen beiden Längsseiten hervorragenden Retortenhälse an die Galeeren der Altenerinnern. Man feuert den Ofen so langsam an, daß erst in etwa vier Stunden dieunterste Kolbenreihe ins Glühen kommt. Sobald an der Mündung der Retorten Wasser-dämpfe erscheinen, legt man die Vorlagen L vor, früher gab man in sie etwas Wasser,heutzutage englische Schwefelsäure (s. weiterhin), wodurch sich die Ausbeute an rauchenderSchwefelsäure sehr steigert. Der Rückstand in den Retorten ist das Oaput mortuum.Er war ehemals fast wertlos, jetzt wird er feingemahlen und hernach unter Kochsalz-Zusatz nochmals geglüht und wieder ausgelaugt, wodurch man sehr hübsche Farbennuancen,namentlich ein schönes Rot, erzielt, die hernach Handelsware sind.
Nun heißt es bei Basilius Valentinus in seiner „Offenbarung der verborgenenHandgriffe": „Nimm ein Teil Kieselsteine und des kalcinierten Vitriols zwei Teile, reibe
47*