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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.

es zusammen, thue es in einen Waldenburger irdenen Krug, welcher die Geister wohlhält und nicht durchdrungen läßt, oder in eine beschlagene (d. h. mit Lehm bestrichene)gläserne Retorte, lege eine große Vorlage dafür, lasse das Feuer gemachsam angehen,wohl verlutiert, erstlich einen ganzen Tag und Nacht, und wieder einen Tag und Nacht,so werden erstlich graue Spiritus kommen, und nach großer Vermehrung des Feuersetliche rote Tropfen mitunter, so halte das Feuer so lange mit Gewalt, bis die Spiritusund rote Tropfen alle hinübergestiegen sind." Wenn man diese Beschreibung liest, kannman nicht gerade sagen, daß die böhmische Art der Fabrikation der rauchenden Schwefel-säure seit dem 15. Jahrhundert, aus dem sie stammt, große Fortschritte gemacht hat, dennnoch immer wird sie dort aus kleinen Retorten auf dem von Basilius angegebenen Wegedargestellt.

Die Fabrikation an Vitriolöl, d. h. also an rauchender Schwefelsäure, lieferte inBöhmen im Jahre 1872 etwa 1700 1, man sieht, das ist sehr wenig; diese Art derSchwefelsäurefabrikation würde den heutigen Bedarf, der nach Zehntausenden von Tonnengeht, unmöglich decken können. Sie hatte sich im Laufe der Zeit nach Sachsen und demHarz verbreitet, ohne sich in jenen Gegenden halten zu können, so ist zu NordhausenVitriolöl zuletzt 1838 erzeugt worden.

Daß sie neben der weit billigeren englischen Schwefelsäure (auf Benennung undHerstellung dieser Schwefelsäure kommen wir sehr bald) noch existenzfähig blieb, lag anfolgendem. Englische Schwefelsäure hat höchstens einen Gehalt von 97°/o Schwefelsäure,während die rauchende Säure eine lOOo/Zge Säure ist, in der noch Schwefelsäure-anhydrid aufgelöst ist. Für die Zwecke, für die die englische Schwefelsäure zu schwach ist,und solcher gibt es eine ganze Anzahl, blieb sie daher Herrin des Gebiets, und da ihreFabrikation an den böhmischen Schiefer gebunden war, hatten die dortigen Werke geradezudas Monopol ihrer Erzeugung, bis sich das seit 1875 änderte. Dazu kam, daß derAnilinfarbenindustrie selbst die Stärke der böhmischen Säure, die etwa 8°/g Anhydridenthält, nicht genügte, der Bedarf nach immer stärkerer, d. h. weit anhydridreichererSäure sich geltend machte, und so ist es denn schließlich dahin gekommen, daß heute dasso furchtbar ätzende Schwefelsäureanhydrid als solches in größten Mengen hergestellt wird.

Den Anstoß zu dieser Industrie gab eine Arbeit des Pros. Winkler in Freiberg .Wir haben bei der schwefligen Säure erwähnt, daß sie durch Weiteroxydation bei Gegen-wart von Wasser unter Passenden Bedingungen in Schwefelsäure übergeht. Diesen Prozeß,nach welchem die englische Schwefelsäure hergestellt wird, werden wir bald ausführlichkennen lernen. Nun weiß man außerdem seit langem, daß die schweflige Säure undder Sauerstoff sich auch bei Abwesenheit von Wasser in Gegenwart gewisser Substanzen,die man Kontaktsubstanzen nennt, direkt miteinander zu Schwefelsäureanhydrid vereinigen.

Schweflige Säure -i- Sauerstoff — Schwefelsäureanhydrid

80.2 ^ O --- 80g.

Die beste Kontaktsubstanz für die Vereinigung dieser beiden Gase ist ohne Zweifel fein-verteiltes Platin, weil es sie schon unterhalb der Rotglut herbeiführt. Bei seinem hohenPreise bedient man sich nun in der Technik nicht des reinen Platins, sondern des plati-nierten Asbest, um eine möglichst große Platinoberfläche zu haben, ohne allzu viel Metallzu brauchen. Diesen erhält man so, daß man wolligen Asbest mit einer Platinlösung tränktund hernach glüht. Bei einem Gehalt von 8 o/o an Platin erweist er sich am wirksamsten.

Asbest ist die äußerst feinfaserige und haarförmige Varietät eines Minerals, das denNamen Grammatit führt. Er ist trotz seiner feinfaserigen Struktur vollkommen feuerfest.

Die älteren Versuche gingen nun alle dahin, das durch Verbrennen von Schwefelerhaltene schwefligsaure Gas, welchem also viel Stickstoff aus der Luft beigemischt ist,mit weiterer Luft zusammen über solchen Asbest zu leiten und es so mit Hilfe des Sauer-stoffs der letzteren in Schwefelsäureanhydrid überzuführen. Die Masse des mitwanderndenals Verdünnungsmittel wirkenden Stickstoffs erwies sich aber als so hinderlich bei dieserSynthese, daß sich wohl im Laboratorium die Bildung von etwas Schwefelsäureanhydridzeigen ließ, daß aber von einer technischen Verwertung der Methode nicht die Rede seinkonnte.