374
Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.
Menge Schwefelsäure. Dampft man nach mehrmaliger Wiederholung dieses Prozesses derSchwefelverbrennung die geringe Flüssigkeitsmenge, die in der Flasche jetzt vorhanden ist,ein, so hinterbleibt das otsuin suttüris, also eine geringe Menge von Schwefelsäure.Die Ausbeute an ihr ist so unbefriedigend, daß dies Verfahren technisch unbenutzt blieb,bis wahrscheinlich Lemery 1666 vorschlug, den Schwefel mit Salpeter gemischt in derfeuchten Flasche zu verbrennen. Der Salpeter ist ein sehr sauerstoffreiches Salz, und soverbrannte nunmehr ein größerer Teil des Schwefels infolge der reichlicheren Sauerstoff-anwesenheit zu Schwefelsäure, kurzum jetzt lohnte es, auf diesem Wege sich Schwefelsäurezu bereiten, und die Methode wurde die zu ihrer Gewinnung in den Apotheken übliche.Diese einfache Vorrichtung ist es nun, aus der sich die modernen Schwefelsäurefabrikenallmählich entwickelt haben. Ein Alchemist Ward versuchte seit 1736, das Verfahrenin etwas größerem Maßstabe durchzuführen, und sein bei Richmond in der Nähe vonLondon gelegenes Werk ist die erste Fabrik für die englische Schwefelsäure gewesen. Ernahm Glasgefäße von etwa 100 I Inhalt, in die er etwas Wasser gab, stellte auf ihrenBoden eine Steinzeugschale, brannte über dieser, die das Springen des Bodens verhin-dern sollte, das Gemisch von Schwefel und Salpeter ab, und konnte sehr bald dieSäure zum fünften Teil des bisherigen Preises liefern. Schon 1746 ersetzte Roebuckdie gläsernen Flaschen durch Bleikasten von mehreren Kubikmetern Inhalt, und nun be-ginnt ein allgemeines Bestreben in den betreffenden Kreisen nach Verbesserung des Ver-fahrens für diese Herstellung der Schwefelsäure, die in den verschiedensten Industriensehr bald Verwendung und damit reichlichen Absatz fand. Schon 1774 versah einfranzösischer Fabrikant die Kammern mit einer Dampfzuleitung, statt Wasser in sie zugießen, und verbesserte dadurch die Ausbeute. Dann ermittelte Lavoisier in einer reinwissenschaftlichen Arbeit die bis dahin nicht sicher festgestellte Zusammensetzung derSchwefelsäure, und Element und Deformes gaben 1806 die erste Theorie diesesSchwefelsäureprozesses, der damit das Stadium des empirischen Versuchens hinter sichhatte. Sie bewiesen, daß die Oxydation des Schwefels zur Schwefelsäure zum größtenTeil durch den Sauerstoff der Luft erfolge, und daß der Salpeter nur den Sauerstoff-überträger bilde. Der Prozeß der periodischen Schwefelverbrennung in den Kammernwurde dann um 1810 durch einen kontinuierlichen ersetzt, indem man seitdem das Ge-menge von Schwefel mit 8—12 °/o Salpeter nicht mehr in der Kammer, sondern in einemkleinen Ofen verbrannte, von dem aus man die Gase in die Bleikammern leitete.Später hat man dann den Schwefel und den an dessen Stelle hernach verwendetenSchwefelkies (siehe weiterhin), wie das noch heute üblich ist, für sich verbrannt und alsOxydationsmittel nicht mehr Salpeter benutzt, sondern statt dessen Salpetersäure inSchalen in die Bleikammern gestellt.
Die Einrichtung einer Schwefelsäurefabrik ist dadurch im Laufe der Zeit etwafolgende geworden.
Der Verbrennungsofen für den Schwefel befand und befindet sich an dem einenEnde des Apparates, der, möge er aus einer einzigen langen Bleikammer oder, wie ge-wöhnlich, aus mehreren durch Röhren verbundenen Kammern bestehen, immer einenkontinuierlichen Hohlraum bildet, welcher am anderen Ende einen Kamin hat, durch welchender nötige Zug zum Durchgang der Gase durch das Ganze erzeugt wird. Indem nunder Schwefel, um bei diesem ersten Rohstoff für jetzt stehen zu bleiben, in dem Ofenauf von unten erhitzten eisernen Pfannen brennt, hat man durch Schieber in derOfenthür den Luftzutritt dergestalt geregelt, daß mehr als das zur Unterhaltung desBrennens nötige Luftquantum zuströmen kann; der Überschuß erleidet natürlich keineVeränderung, und so gelangen aus dem Ofen zwei der nötigen Stoffe, schweflige Säureund Luft, gleichzeitig in die Bleikammern. Es werden aber noch zwei andere Mitarbeitergebraucht, nämlich Wasserdämpfe und Salpetersäure. Zur Beschaffung der ersteren dientein kleiner Dampfkessel, der seine Röhren in die verschiedenen Abteilungen des Apparates, sendet. Die eindringenden Dampfstrahlen üben zugleich eine mechanische Wirkung mitaus, indem sie den Zug in den Kammern befördern. Was endlich den Salpeter betrifft,so hat man für dessen Ausnutzung verschiedene Wege. Die älteste Art war, wie erwähnt,