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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Fabrikation der Schwefelsäure. 375

die, daß man dem Schwefel gleich eine entsprechende Menge Salpeter beimischte, in welchemFalle dann mit der schwefligen Säure zugleich Stickoxydgas, welches eine Verbindung vonStickstoff mit Sauerstoff ist und sich unter diesen Bedingungen aus dem Salpeter bildet,in die Kammer gelangte. Das war jedoch mit mancherlei Unbequemlichkeit behaftet, undnachdem verschiedene andere Verfahren vorgeschlagen und probiert worden waren, bliebman endlich dabei stehen, statt des Salpeters die aus ihm herstellbare Salpetersäure (sieheweiterhin) von außen in einem dünnen Strahle in die erste Kammer, auf einen oder zweiSätze übereinander stehender Schalen zu leiten, über die sie kaskadenartig herabrinnt,wobei ihre große Oberfläche die chemischen Wirkungen natürlich begünstigt. Dieses Ver-fahren ist bis heute im ganzen wenig verändert worden. Daß in diesem letzten FalleSalpetersäure, in dem ersterwähnten Stickoxyd in den Betrieb eingeführt wird, läuft fürdie Praxis auf eins hinaus, denn die Salpetersäure als solche kann sich beim Zusammen-treffen mit schwefliger Säure keinen Augenblick halten, sie muß einen Teil ihres Sauer-stoffs an diese abgeben, die eben dadurch zur Schwefelsäure wird; was von ihr übrigbleibt, ist salpetrige Säure. Unter den gegebenen Umständen kann diese aber auch nichtfortbestehen, sondern durch die vorhandene schweflige Säure wird ihr noch ein weiterer

S7o. Appmmt für die fabrikmäßige Erzeugung der Schwefelsäure.

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Anteil Sauerstoff entzogen, so daß Stickoxydgas entsteht, während die schweflige Säuredurch diese Sauerstoff- und gleichzeitige Wasseraufnahme zur Schwefelsäure wird. DasStickoxydgas vermag in der Bleikammer keinen Sauerstoff weiter abzugeben, dagegenNimmt es aus der gleichzeitig mit einströmenden Luft wieder Sauerstoff auf und wirbhierdurch wieder zu salpetriger Säure, welche nun von neuem oxydierend auf vorhandeneschweflige Säure wirken kann. Das Stickoxyd ist also der „Überträger des Sauerstoffsder Luft" und wird so lange Schwefelsäure bildend wirken, als es mit Lust, Wafferdampfund schwefliger Säure in Berührung kommt. Eine und dieselbe Menge Salpetersäurevermag also, und darin liegt der große Wert dieses Verfahrens, theoretisch unbegrenzteMengen von schwefliger Säure in Schwefelsäure überzuführen; in der Praxis ist aller-dings ein Verlust von einigen Prozenten Salpetersäure nicht zu vermeiden. Die Oxydationder schwefligen Säure zu Schwefelsäure erfolgt also, worauf nochmals hingewiesen sei,durch den Sauerstoff der Luft, oder kurzweg durch die Luft, und daher ist sie so wenigkostspielig, wenn der nötige allerdings recht große, aber dafür sehr leistungsfähige Apparaterst einmal in Betrieb gesetzt ist.

Da die Luft nur zu einem Fünftel aus Sauerstoff besteht, ist nur dies Fünftel fürden Prozeß brauchbar, das übrige (Stickstoff) muß als unnützer Ballast aus dem Apparatewieder entlassen werden; hierbei entweicht auch ein Teil der aus der Salpetersäure sich bil-denden Gase, und es wird hierdurch ein allmählicher Wiederersatz dieser nötig. Die Über-