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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Fabrikation der Schwefelsäure. 377

festen Steinen ausgesetzt, und durch ihn leitet man auch das aus dem Ofen kommendeschwefligsaure Gas.

So erfüllt er mehrere Zwecke gleichzeitig. Das in ihm aufsteigende heiße Gas-gemisch wird so weit abgekühlt, wie es das Kammersystem erfordert. Seine Hitze geht abernicht wie ehemals, wo man eigene lange Kühlleitungen anzubringen genötigt war, ver-loren, sondern konzentriert die ihr entgegenfließende Nitrose Schwefelsäure, so daß dadurchbeim weiteren Eindampfen derselben an Feuerung gespart wird.

Das Wichtigste ist aber, daß heiße Schwefelsäure Nitrose Dämpfe nicht festzuhaltenvermag, so daß diese wieder in die Bleikammern zurückwandern, und die Säure somitkostenlos im Gloverturm denitriert wird. Kurzum der Gloverturm stellt eine vorzüglicheVervollkommnung des ganzen Systems dar, und sein Erfinder war selbstlos genug, ihnsich nicht patentieren zu lassen, sondern den anderen Schwefelsäurefabriken als Geschenkzur Verfügung zu stellen.

Die Gesamtausbeute an Schwefelsäure bei dieser Art der Fabrikation erreicht beiVerwendung von Rohschwefel 290 bis 300 Teile, während sich nach der Theorie 306 Teileberechnen, sie nähert sich also, wie erwähnt, der Theorie so weit, als es praktisch über-haupt möglich erscheint. Beim Verbrennen von Pyriten (s. weiterhin) kommt man auf270 bis 280 Teile.

Der bedeutende Kapitalaufwand,den die Anlage eines Bleikammer-systems erfordert, und die hohen Re-paraturkosten, die der Betrieb einesso umfangreichen Apparates mit sichbringt, geben dem Bestreben der Tech-nik, die Schwefelsäurebildung auch ineinem kleineren Raume mit billigerenEinrichtungen zustande zu bringen,gewiß Berechtigung. Nach mannig-saltigen Experimenten kann man diese Stück vmr den Oberseite einer Ptnttr, in weicher iichAufgabe mit dem von Lunge und 1200 Löchrr ;u 8 mm Mcite befinden.

Rohrmann konstruierten Platten-turm Wohl als der Lösung bedeutend näher gebracht betrachten, wenn auch die Einführungder Neuerung sich nicht so schnell vollziehen wird. Das Prinzip dieser die ausgedehntenBleikammern ersetzenden bleigefütterten verhältnismäßig kleinen Plattentürme beruht aufder innigsten, fortwährend sich erneuernden Mischung der Gase, Dämpfe und Nebelteilchen,die bei der Erzeugung von Schwefelsäure in gegenseitige Reaktion treten. VorstehendeAbbildung zeigt die Form der einzelnen den neuen Turm ausfüllenden Platten undderen Arrangement. Dieselben sind mit einem Netzwerke kleiner Leisten versehen, undin jedem der so gebildeten kleinen Quadrate befindet sich eine Durchbohrung mit erhabenemRande, der jedoch weniger hoch ist als die Leisten selbst. Diese Platten werden in einemBleiturm derartig aufeinander aufgeschichtet, daß unter der Durchlochung der einen derVereinigungspunkt des Netzwerks der folgenden zu stehen kommt, so daß die im Turmherabrieselnde Flüssigkeit HU längstem Verweilen bei dennoch steter Bewegung genötigtist. Passieren nun die in Reaktion tretenden Gase an Stelle der leeren Bleikammerndiesen Apparat, während derselbe gleichzeitig mit verdünnter Schwefelsäure gespeistwird, so sind alle Vorbedingungen gegeben, um eine äußerste Annäherung zwischen deneinzelnen Materien zu bewerkstelligen und den Prozeß im denkbar kleinsten Raume durch-zuführen. Die hierbei freiwerdende Wärme verdampft das Wasser der herabrieselndenSchwefelsäure, wodurch wieder eine Temperaturerniedrigung eintritt, die die Schwefel-sänrebildung begünstigt. Die Zahl der im Jahre 1896 bereits aufgestellten Plattentürmewar eine schon recht bedeutende, und man berichtet von Mehrleistungen von 10 bis 48 °/oder Kammersysteme, die mit dem neuen Apparat kombiniert arbeiten, und manche Firmenhaben schon ihre sämtlichen Kammersysteme durch Lunge-Rohrmannsche Apparate vervoll-ständigt. Ausgezeichnet wirkt ferner der Plattenturm als Ersatz bezw. als Unterstützungs-Buch der Erfind. VII. 48 .

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