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Fabrikation der Schwefelsäure.
Temperatur der siedenden Säure in der Blase auf 310—320" gestiegen ist, verdichtet sichauch im Kühlapparat eine recht konzentrierte Säure. Meist bringt man im Inneren derPlatinblasen, wenn sie nicht so niedrig wie die abgebildete gehalten sind, eine Art vonRing an, der die sich zu Beginn der Konzentration noch unterhalb des Helms verdichtendewasserreiche Flüssigkeit hindert, in die siedende Säure zurückzulaufen, sondern sie nachaußen ableitet.
Wie wir sahen, ist die rauchende Schwefelsäure eine Auflösung von Schwefelsäure-anhydrid 80g in Schwefelsäure 8z 80^, und die englische Schwefelsäure nur etwa 97pro-zentig. Durch Mischen beider kann man sich nötigenfalls eine genau lOOprozentigeSäure herstellen, was für die Fabrikpraxis kein bequemes Verfahren ist.
Bis in die Mitte der achtziger Jahre hatte man auch in dieser gar keine genau100 prozentige Säure nötig. Damals kamen aber in der Anilinfarbenindustrie die sub-stantiven Farbstoffe auf — wir werden später bei diesen Farben erfahren, was das be-deutet — und zu deren Herstellung bedarf man gewisser Zwischenprodukte, die sich nurmittels lOO prozentiger Säure herstellen lassen. Kaum war so das Bedürfnis nach ihrentstanden, als es auch schon nach kurzer Zeit befriedigt wurde. Schwefelsäure scheidet,was natürlich sehr lange bekannt ist, wenn man sie der Winterkälte aussetzt, Krystalleaus, welche je nach der Konzentration der angewandten Säure die Zusammensetzung8,80^ oder 8g80^ -s- 8zO haben, also ohne oder mit Krystallwasser anschießen. Dieersten Krystalle müssen doch, wenn man sie aus der Flüssigkeit herausnimmt und hernachwieder schmelzen läßt, die lOOprozentige Säure geben, die denn auch auf diesem Wegeim Großen dargestellt wird. Vermittelst einer Eismaschine kühlt man konzentrierte eng-lische Säure, der man etwas rauchende Säure zugesetzt hat, unter 0° ab, sie liefert sehrbald die krystallwasserfreien Krystalle der Formel 8z 80^. Hat man erst einmal dieseKrystalle, so kann man sie hernach auch direkt aus der konzentrierten englischen Säure ge-winnen. Denn kühlt man diese stark ab und fügt ihr jetzt etwas von ihnen zu, infiziert siemit ihnen, wie man sagt, so veranlassen sie — das ist eine Erscheinung, die man bei vielenKrystallisationen beobachtet — die sofortige Abscheidung der gleichen Krystalle. Die soerhaltenen Krystalle trennt man sodann durch Zentrifugieren von der Mutterlauge undläßt sie bei gewöhnlicher Temperatur zu lOOprozentiger Säure zerfließen, ihr Schmelz-punkt liegt nämlich schon bei -P 10°.
Von der Menge der Schwefelsäure, welche Produziert wird, und von ihrem mittlerenWertstand wird uns folgende, auf das Deutsche Reich bezügliche Tabelle ein Bild geben.
Zahl der betriebenen Werke
Gewinnung
Jahr
Hauptbetriebe
Nebenbetriebe
Menge in Tonnenzn ivoo Lg
Wert In Mark
1884
60
12
345 100
14 787 000
1886
65
10
352 700
12 666 000
1888
65
10
398 800
13 473 000
1890
63
10
464 000
15 316 000
1892
61
10
488 000
14 864 000
1893
61
11
522 000
15 763 000
Hieraus ergibt sich, daß 1000 ic^ Schwefelsäure im Jahre 1884 etwa 43 Mark,1893 noch etwa 30 Mark wert waren. Im Jahre 1894 haben sie nur noch 27^ Markgegolten. Wir kommen vielleicht zu einer klareren Vorstellung von der Menge der imJahre 1893 allein im Deutschen Reich erzeugten Schwefelsäuremenge, wenn wir uns über-legen, daß die 522000 t, 52200 Eisenbahnwaggonladungen entsprechen. Rechnen wir30 Waggons auf einen Zug, so sind das 1740 Güterzüge im Jahre oder fast fünf anjedem Tage. Die Ausfuhr an Schwefelsäure aus dem Deutschen Reich im Jahre 1896betrug 23800 t.
Die Verwendung der Schwefelsäure in der Technik ist eine außerordentlich mannig-saltige. Allen voran steht der Verbrauch für die Soda- und für die Superphosphatfabrika-tion, nebst Herstellung des schwefelsauren Ammoniaks; diese drei absorbieren neun Zehntel