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Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.
aller überhaupt fabrizierten Säure. Dann dient sie, wie wir sehen werden, zur Gewinnungvon Salpetersäure, Stearinsäure, Flußsäure, Kohlensäure u.s.w., zur Herstellung des Äthers,Gewinnung des Phosphors, Broms, Jods , zur Scheidung des Goldes vom Silber. Außer-dem spielt sie jetzt eine große Rolle bei der Gewinnung von Anilinfarbstoffen. Sie hilftdie Schießbaumwolle und auch die Pikrinsäure für den Melinit herstellen. Sie dient zumLösen von Indigo, zur Reinigung von Erdöl , Paraffinöl und Erdwachs. Sie ver-wandelt Papier in Pergamentpapier, führt die Stärke in Traubenzucker (Stärkezucker)über. Damit mögen die wichtigsten Industrien, die sie meist in konzentriertem Zustandeverwenden, genannt sein. Diejenigen, die sie in verdünntem Zustande brauchen, auch nurannäherungsweise aufzählen zu wollen, ist kaum möglich. In verdünntem Zustande dientsie z. B. zum Reinigen der Eisenbleche, die hernach verzinnt oder verzinkt werden sollen.Also an der Herstellung jeder Konservenbüchse hat sie ihren Anteil. Ja selbst auf die Ber-billigung der Kleidungsstoffe erstreckt sich ihr Einfluß, indem sie zum Karbonisieren derKunst wolle dient.
Bei den sehr unbestimmten Vorstellungen, die über diese ihre Leistung zumeist ver-breitet sind, sei der Verlauf dieser Fabrikation hier gleich beschrieben, weil sich späterkeine Gelegenheit dazu bietet, während wir viele sonstigen Verwendungen der Schwefel-säure noch weiterhin kennen lernen. Der Körper der Schafe und gewisser kleinasiatischerZiegenarten ist mit verschieden gestaltetem, fein wellig gekräuseltem oder schlichtem Haarbedeckt, welches man Wolle nennt. Beide Arten sind gleichzeitig beim Moufflonschaf vor-handen, dagegen trägt das berühmte Merinoschaf nur gekräuseltes, das englische Cheviot-schaf nur schlichtes Haar. Bei Gegenwart beider Wollarten, sowie bei grober Wollezeigt das Haar einen mehr oder weniger stark hervortretenden Markstrahlenkanal. Dasmarkfreie Haar ist stets das wertvollste. Aus der gekräuselten kürzeren Wolle gewinntman Streichgarne für Tuche, aus dem schlichteren längeren Haar das Kammgarn fürKammgarngewebe. Mit Kunstwolle bezeichnet man nun diejenige Wolle, die aus Lumpen,Schneiderabfällen, aus Weberei-, Wirkerei- und Strickereiabfällen wiedergewonnen wird.
Die fabrikmäßige Herstellung der Kunstwolle ist neueren Datums. Den Anstoß gabdie Baumwollkrisis in England in den fünfziger Jahren, zu welcher Zeit auch die ersteMaschine zu diesem Zweck in Betrieb gesetzt wurde. Die erste Kunstwollfabrik in Deutsch-land und zwar in Köln wurde durch Gustav Köber errichtet. Die Anregung zur Fabri-kation hatte er in England während eines längeren dortigen Aufenthalts empfangen,doch verlegte er seine Fabrik hernach nach Mannheim , wo er sehr bald zu großem Erfolgkam. Hier machte er auch seine bedeutende Entdeckung, die die Kunstwollindnstrie eigent-lich erst zu dem machte, was sie heute ist. Hier erfand er die Karbonisation der Lumpen.Dies Verfahren besteht darin, daß man in halbwollenen, d. h. baumwollehaltigen Lumpendurch Einwirkung von Schwefelsäure und hernach erfolgendes scharfes Trocknen die Baum-wolle zerstört und so die Wolle aus diesen Lumpen als solche wiedergewinnt, da dieWolle von der Schwefelsäure unter diesen Bedingungen wenig angegriffen wird.
Das Material, welches in diese Fabriken kommt, ist je nach der Gegend, in welcherdie Lumpen gesammelt worden sind, sehr verschieden. England liefert meist Lumpen auslanghaariger gröberer Wolle, die überdies schmutzig und feucht sind, Norddeutschland undÖsterreich liefern solche aus tuchartigen Streichwollstoffen. Italienische Lumpen sindmeist sehr rein, aber durch den Gebrauch sehr abgenutzt, russische sind staubig und erdig,auch die Türkei und der ganze Orient liefern viele Lumpen. Vor der Verarbeitungwerden sie zerschnitten und alsdann mit Hilfe einer Maschine möglichst entstäubt.
Von größter Wichtigkeit ist das nun folgende Einölen, wobei die Beschaffenheit desÖles wesentlich ist. Das Zerreißen des geölten Materials, wenn es sich um reinwolleneLumpen handelt, erfolgt aus besonderen Mungo- oder Shoddyreißmaschinen. Die kurzeMungo wird mit guter Wolle gemischt versponnen, während die längere Shoddy für sichallein wieder versponnen werden kann.
Halbwollene Lumpen, und die gibt es heutzutage am meisten, müssen also vor demZerreißen karbonisiert, d. h. von ihrer Baumwolle befreit werden, und das erfolgt so.Man bringt die halbwollenen Lumpen bis zu 12 Stunden in mit Blei ausgeschlagene