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Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.
schlänge durch ihn durchführen und so das Trocknen im luftleeren Raum bei höhererTemperatur ausführen.
Leitet man durch konzentrierte Schwefelsäure Luft oder andere gasförmige Körper,wie wir es in Abb. 382 sehen, auf der das Gas eine zur Hälfte mit konzentrierter Schwefel-säure gefüllte Flasche passieren muß, so entzieht sie auch derartigen Gasen ihre Feuchtigkeitund trocknet sie aus. Eine technische Verwendung dieser Eigenschaft lernten wir S. 373kennen, denn das erwähnte Trocknen des Gasgemisches von schwefliger Säure und Sauer-stoff für die Fabrikation von Schwefelsäureanhydrid wird so bewirkt, daß man es durcheinen mit Koks gefüllten Turm steigen läßt, über welche von oben her konzentrierteSchwefelsäure herabrinnt, was wir an jener Stelle nicht erwähnten, weil es zu langeErklärungen erfordert hätte.
Wir haben nun noch in Kürze zwei weitere Verbindungen anzuführen, in denen derSchwefel technische Verwertung findet. Es sind der Schwefelkohlenstoff und der Chlorschwefel.
Schwefelkohlenstoff ist die Verbindung des Schwefels mit dem Kohlenstoffund zeigt das Verhalten einer sehr flüchtigen Essenz, der man es kaum zutrauen möchte,daß sie von einem so soliden Elternpaar wie einem Stück Schwefelund einem Stück Kohle abstammt. Die Verbindung wurde vonLampadius in Freiberg 1796 entdeckt. Der Schwefelkohlenstoffbildet eine wafferhelle, stark lichtbrechende Flüssigkeit und hat imrohen Zustande einen widrigen Geruch nach faulen Rüben. Er istsehr flüchtig, leicht entzündlich und feuergefährlich, schwerer alsWasser, mischt sich nicht mit diesem und wird daher am besten untereiner Wafferschicht aufbewahrt. Der Wert des Schwefelkohlenstoffsliegt in seiner großen Lösungskraft für harzige und fette Stoffe,sowie für Schwefel, Jod u. s. w. Seine Anwendung im großengehört aber erst der neueren Zeit an und knüpft sich vorzüglich andie Industrie des Kautschuks, für welchen Stoff er, ebenfalls wiefür Guttapercha, ein vorzügliches Lösungsmittel ist, und bei dessenVulkanisieren er Verwendung findet (s. S. 387).
Bei der Fabrikation des Schwefelkohlenstoffs kommt es daraufan, Schwefeldämpfe durch glühende Holzkohlen streichen zu lassen.Hierbei geht die Vereinigung der beiden Elemente (1 GewichtsteilS82. Fi-sch-;,rm M-schcn Kohle und 5 ,W Gewichtsteile Schwefel) vor sich, und das Produktund Trocknen der Gase. braucht nur in einer Kühlvorlage verdichtet und in einem Gefäß unterWasser aufgefangen und gereinigt zu werden. Der allgemein auf demFestlande hierzu verwendete Apparat hat im großen und ganzen immer folgende Einrichtung.
Der gußeiserne Cylinder L. wird, um ihn gegen die Einwirkung des Schwefels zuschützen, innen mit einer Lage von feuerfestem Thon ausgekleidet und sodann mit Holz-kohle angefüllt. Sobald diese in ihm durch die Außenfeuerung ins Glühen gekommenist, füllt man die Trichter 6 mit Schwefel. Durch die drehbare Klappe 0 fällt er in denunteren Teil desselben und verdampft hier in der Hitze. Seine sodann die glühendeHolzkohle passierenden Dämpfe verbinden sich mit dieser zu Schwefelkohlenstoff, welchernun in der Kühlvorrichtung II zur Flüssigkeit kondensiert wird. Der flüssige Schwefel-kohlenstoff sammelt sich unter Wasser, er ist ja weit schwerer als dieses, in den NäpfenU, 6t. Mit ihm gleichzeitig entsteht immer infolge des Wasserstoffgehalts derHolzkohle etwas Schwefelwasserstoff, jenes wie faule Eier riechende Gas. Damit diesesnicht die Umgebung verpestet, endet deshalb die Kühlvorrichtung in einem Turm, in welchemdies Gas über ein Gemisch von gebranntem Kalk und Eisenoxydhydrat hin und herstreichen muß, welches Gemisch es absorbiert.
Die englischen Fabrikanten wenden weit kompliziertere Apparate an, so benutzensie statt eines Turmes zwei, indem sie in dem ersten irgend ein vegetabilisches Öl inSchalen aufstellen, welches den Rest der Schwefelkohlenstoffdämpfe aufnimmt, die hernachdurch Abdestillieren aus diesem Öl gewonnen werden u. s. w. Die Ausbeute an Schwefel-kohlenstoff soll nach ihren Angaben nur gut werden, wenn die Temperatur der Retorte