Band 
Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
Seite
387
JPEG-Download
 

Weitere Verbindungen des Schwefels. Schwefelkohlenstoff. Chlorschtvesel. Zg?

genau auf Kirschrotglut gehalten wird, sowohl höhere als geringere Hitze setzen siesehr herab.

Das in den Vorlagen unter Wasser sich ansammelnde Destillat ist gelb gefärbt undbesteht aus einer Lösung von Schwefel in Schwefelkohlenstoff. Die starke Lösnngskraft desletzteren gegen den ersteren macht sich also schon im Apparat selbst geltend, indem der ebengebildete Schwefelkohlenstoff sich mit vorhandenen, noch unverbundenen Schwefeldämpfensättigt. Um das Rohprodukt vom Schwefel zu befreien und auch sonst zu reinigen, destilliertman es noch einmal bei gelinder Wärme in eine kalt gehaltene Vorlage ab. Dann bringtman es, wenn man nach englischer Art arbeitet, in einen cylindrischen Behälter von etwa80 ein Durchmesser und 1,s in Höhe, so daß es ihn zu einem Drittel füllt. Am Bodendesselben liegt eine mit feinen Löchern versehene Bleischlange, durch die man mit einerDruckpumpe Kalkwasser treibt. Indem dieses in feiner Verteilung durch den Schwefel-kohlenstoff dringt, entzieht es ihm den Rest des Schwefelwasserstoffs u. s. w. Das Waschenwird fortgesetzt, bis das den Behälter durch ein Überlaufrohr verlassende Kalkwasser völligklar abläuft. Den Schwefelkohlenstoff läßt man sodann in eine Blase fließen, in welcheman außerdem etwa l "/g seines Gewichtes eines billigen vegetabilischen Öls gibt, welcheserfahrungsgemäß ebenfalls zurückhaltend auf schlechtriechende Stoffe wirkt, und bedecktihn einige Zentimeter hoch mit Wasser, dem man etwas Bleizuckerlösung zusetzt, damit

383 . Apparatxur KrhrvefelkohleristoffdarstrUnus.

dieser etwaige ihn jetzt noch verunreinigende Schwefelverbindungen als Schwefelbleibindet. Hierauf destilliert man ihn wiederum aus einem Wasserbade ab.

Der Chlorschwefel, zu dem wir jetzt übergehen, wird so erhalten, daß mauSchwefelblumen in eine tubulierte Retorte, welche mit einer Vorlage verbunden ist, bringt,und nun unter Erwärmen durch die Retorte so lange Chlorgas leitet, bis fast allerSchwefel sich in eine rotgelbe Flüssigkeit verwandelt hat. Diese Flüssigkeit trennt manvom unverbraucht gebliebenen Schwefel durch Destillation. Angenehme Eigenschaftenhat sie gerade nicht. Sie besitzt nämlich einen erstickend widrigen Geruch, schmeckt sauerund zugleich bitter, ihr Dampf reizt die Augen zu Thränen, reizt auch die Respirations-organe, bewirkt nämlich Ausfluß einer wässerigen Flüssigkeit aus Mund und Nase, fernerHusten u. s. w. Kurzum man muß recht vorsichtig mit ihr umgehen, und nur ihre großeBrauchbarkeit zum Vulkanisieren des Kautschuks, für welchen Zweck keine zweite ihr gleich-kommende Flüssigkeit bisher zu finden gewesen ist, erklärt ihre technische Verwendung.

Mit dem Vulkanisieren des Kautschuks verhält es sich folgendermaßen: Kautschukist bekanntlich der eingetrocknete Milchsaft einiger in den Tropen vorkommenden Bäume,er stellt eine zusammenhängende, bei gewöhnlicher Temperatur ziemlich harte Masse dar,aus der die Indianer seit undenklichen Zeiten Flaschen und ähnliches herzustellen wußten.Seine direkte Anwendbarkeit für technische Zwecke leidet aber darunter, daß er in derKälte sehr hart, in der Wärme dagegen bald weich wird, auch gegen chemische Agentiennur wenig widerstandsfähig ist, und erst das Vulkanisieren hat ihn zu jenem für viele

49 *