Z88 Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.
Zwecke unentbehrlichen Hilfsmittel gemacht, als das wir ihn jetzt kennen. Das Vulkani-sieren beeinträchtigt nämlich seine sonstigen Eigenschaften in keiner Weise, macht ihn aberganz unempfindlich gegen Kälte bis zu 20° und Wärme bis über 100° hinaus. Esbesteht in der Behandlung von Kautschuk mit Schwefel. Der Erfinder des Vulkanisieren«,Lüdersdorf , empfahl Kautschuk mit Schwefel gemischt zu erhitzen. Die Methode istviel variiert worden, und man Pflegte eine Temperatur von etwa 130°—140° als diefür den Prozeß geeignetste anzusehen. Sie findet aber kaum mehr Anwendung, seitdemParkes unsere eben erwähnte Flüssigkeit, den Chlorschwefel, als Vulkanisierungsmitteleingeführt hat. Dessen Verfahren wird jetzt etwa in folgender Art ausgeführt: Die Gegen-stände aus Kautschuk taucht man je nach ihrer Dicke mehreremal in eine Lösung von21/2 Teilen Chlorschwefel in 100 Teilen Schwefelkohlenstoffe Dies starke Verdünnen istdurchaus nötig, da sonst der Kautschuk leidet, und das beste Verdünnungsmittel ist derSchwefelkohlenstoff. Bis zu 3 win Stärke läßt man sie 2—3 Minuten in der Flüssigkeit,trocknet sie bei 25°, wobei die Leichtslüchtigkeit des Schwefelkohlenstoffs sehr zu stattenkommt, und taucht sie nun nochmals 1—1 sl, Minuten in die Flüssigkeit, womit dieVulkanisierung beendigt ist.
Sind die Gegenstände über 3 inin stark, so nimmt man noch verdünntere Lösungenvon Chlorschwefel und läßt sie längere Zeit in diesen, indem man so das Vulkanisierenbis in ihr Inneres erreicht, ohne daß die Oberfläche leidet.
Die Vorteile des Parkesschen Verfahrens sind sehr große. Erstens ist es weit billigerals die ältere Methode, weil es keine teuren Apparate und keine Temperaturerhöhungbeansprucht, und zweitens fallen die nach ihm behandelten Gegenstände besser aus, geradeweil sie der hohen Temperatur von 130 und mehr Graden nicht ausgesetzt werden.Dazu kommt, daß der auf diesem Wege vulkanisierte Kautschuk, wie die Zeit erwiesen hat,länger elastisch bleibt, auch ist sein Aussehen ein besseres als das des direkt mit Schwefelbehandelten Rohmaterials. Kurzum, diese zahlreichen Borzüge lassen es verständlich er-scheinen, daß der Chlorschwefel, trotz seiner an sich so unerfreulichen Eigenschaften, indieser Industrie Eingang gefunden hat.
Fabrikation der Soda nach Lebkanc.
Wir kehren nunmehr zur Sodafabrikation nach Leblancs Verfahren zurück.
Diese bedient sich des Kochsalzes als Ausgangsmaterials und beginnt, wie wir bereitswissen (s. S. 362), mit der Überführung des Kochsalzes in schwefelsaures Natron.Gerade für diesen Zweck haben die Sodafabriken die Schwefelsäurefabrikation ausbildenmüssen, indem man schwefelsaures Natron aus Kochsalz durch Einwirkung von Schwefel-säure erhält. Wir können das Kochsalz chemisch als salzsaures Natron auffassen, und sogeht der Prozeß so vor sich, weil die Schwefelsäure eine stärkere Verwandtschaft zum Natronals die Salzsäure hat, daß sich im Flammofen, in welchem diese beiden Ingredienzienaufeinander wirken, schwefelsaures Natron und Salzsäure bilden.
Kochsalz 4- Schwefelsäure --- Schwefelsaures Natron -i- Salzsaures Gas
2dlu0I -I- H28O, ^ 2 8 01.
Die Salzsäure ist ebensogut ein Gas wie die Kohlensäure, aber im Gegensatz zu letztereraußerordentlich leicht in Wasser löslich, und diese ihre Lösung ist die Salzsäure des Handels.Die Einwirkung der Schwefelsäure auf das Kochsalz muß man durch starkes Erhitzenunterstützen, damit sie eine vollkommene wird, und hierzu dienten längere Zeit Flamm-öfen von etwa folgender Konstruktion.
Wir sehen, daß der Ofen zwei getrennte innere Räume hatte, der Raum 8 mit derFeuerung ^ stellt einen gewöhnlichen Flammofen vor; an denselben schloß sich eine zweiteAbteilung 8, welche mit beheizt werden muß, weshalb die Züge niederwärts bei ä<8 undunter der eisernen Zersetzungspfanne hinliefen, welche die Abteilung 8 bildete. In dieScheidewand, welche beide Abteilungen trennt, war ein Schieber eingesetzt, der nur für einengewissen Moment des Betriebes geöffnet wurde. Die Abteilung 8 war im Innern miteiner Lage sehr hart gebrannter feuer- und säurefester Steine ausgekleidet. Die Öfen