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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.

einander beendigt, so wird das Gemisch nach Hebung des Schiebers in die aus säure-und feuerfesten Steinen gebaute Muffel L gekrückt. Diese ist 9—10 m lang, etwa 3 mbreit und hat ebenfalls eine Ableitung § für das sich bei der höheren Temperatur in ihrnoch weiter entwickelnde salzsaure Gas.

Das Heizmaterial wird auf dem Treppenrost 6l verbrannt. Auf Treppenrosten kannman nämlich weit schlechteres, daher billigeres Heizmaterial als auf ebenen Rosten be-nutzen. Letztere würden durch die Rückstände des schlechten Brennmaterials sehr bald soverstopft, daß ein ordentliches Brennen nicht aufrecht zu erhalten ist, während hier vonder Seite her stets genügende Luft zuströmt und das Fortstoßen der Schlacken viel leichtervor sich geht.

Bon den großen Quantitäten Glaubersalz, die auf diese Art gewonnen werden,dient das bei weitem meiste nur als Durchgangsstadium für die Gewinnung der Soda.Ein weiterer recht bedeutender Teil wird von den Glasfabriken gekauft, da schwefelsauresNatron, Kieselsäure und Kohle beim Schmelzen kieselsaures Natron liefern (s. S. 198).In der Medizin spielt ein Gemisch von ihm mit Weinstein und kohlensaurem Natron eineRolle unter dem Namen Seidlitzpulver, während es für sich allein als Abführmittel nurin der Tierarzneikunde Verwendung findet.

»SS. Muffelofen für dir GlaudrrfLlxfakrikation.

Die im Flammofen für die Sodafabrikation gewonnene Sulfat- oder Glaubersalz-masse wird nach dem Auskühlen sogleich in weitere Behandlung genommen. Man pul-verisiert und mengt sie mit etwa dem gleichen Gewicht kohlensauren Kalkes in Form vonKalkstein oder Kreide und der Hälfte ihres Gewichts Steinkohlenklein innig zusammen,und bringt dies Gemisch in einen Flammofen, dessen Länge früher 6—7 in bei 2—3 inBreite betrug. Das Innere des Ofens war durch Fallthüren in seiner Decke zugänglich,durch welche die Masse eingestürzt wurde, und ebenso durch mehrere Seitenthüren, vonwo aus die Arbeiter mit schweren eisernen Krücken die Masse bearbeiten und währendder Schmelzarbeit fleißig durchrühren mußten. War ein solcher Ofen zu Anfang seinesBetriebes einmal in Glut gesetzt, so folgten sich auch die Beschickungen Tag und Nacht solange als möglich, d. h. bis der Ofen schadhaft wurde. Wieviel aber ein Ofen auf einmalverschlucken konnte und wieviel Zeit er zur Verdauung jeder Portion braucht, hing vonseiner Größe sowie vom zugesetzten Material, ob Kreide oder Kalkstein, ab. Ein Ofenvon den bezeichneten Dimensionen gehörte zu den größeren und konnte 750—1200auf einmal fassen, die etwa eine vierstündige Bearbeitung erforderten. Die Beschickungs-masse ward zunächst in der Hinteren Partie des Ofens, die vom Feuer am weitesten ent-fernt ist, eingeschüttet und hier angewärmt, während eine frühere Partie im vorderenRaume ihre Bearbeitung erfuhr; war dieser Ort geräumt, so wurde jene Masse vor-gezogen und hinten neues Material aufgeschüttet. Die Wirkung des Feuers auf die Massewar zunächst die, daß die letztere oberflächlich in Fluß geriet; war dies der Fall, so wurde