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Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.
schöpfung ausgelaugt werden kann, worauf der erschöpfte Rückstand entfernt wird undan seine Stelle neue Schmelze tritt.
Die vom Auslaugeapparat kommende gesättigte Lauge wird nunmehr eingedampft.Nach älterer Art versiedete man sie genau so, wie in Salzwerken die Sole, in eisernenPfannen, die von unten geheizt werden; gegenwärtig bedient man sich nur noch der Ver-dampfung durch Oberfeuer. Die Laugenpfannen stehen in einem Flammofen, der mitKoks gespeist wird, da diese die reinlichste Flamme geben, indem sie keinen Ruß erzeugen.Flamme und Feuergase sind durch den gedrückten Bau des Ofens genötigt, dicht über dieOberfläche der Lauge hinzureichen, was ein sehr lebhaftes Sieden und Verdampfen be-wirkt. Die Soda scheidet sich alsbald in Krystallen ab, die sich ruhig zu Boden setzen,und die man zeitweilig mittels einer Krücke herausschafft. Zugleich läßt man neue Roh-lauge zufließen, so daß dieser Betrieb oft wochenlang kontinuierlich fortgeführt wird.Das Aussoggen findet gewöhnlich innerhalb 24 Stunden viermal statt, und man kannmit dem Abdampfen fortfahren, bis die Menge der verunreinigenden Salze in der Mutter-lauge so groß wird, daß die Sodakrystalle nicht mehr genügend rein aussoggen. Die aus denAbdampfpfannen gezogene Soda läßt man so weit als möglich abtropfen, trocknet sie sodannin einem Flammofen völlig aus, worauf sie als calcinierte Soda in den Handel kommt.
Es wird aber auch nicht wenig krystallisierte Soda verbraucht. Diese wird sodargestellt, daß man das calcinierte Salz in möglichst wenig heißem Wasser auflöst, dieLauge durch Stehenlassen klärt und dann vom Bodensatz abzieht und in einem sauberenBottich die Soda herauskrystallisieren läßt. Die Krystallisierbottiche werden vollauf ge-füllt, so daß, wenn man eiserne Stäbe querüber legt, diese mit der Flüssigkeit in
Berührung sind. Die Stäbe geben, abgesehen vonden Wänden, einen Anhaltepunkt für sich bildendeKrystalle, die öfters bis zu in lang werden. Diesist nun jene Soda, welche im täglichen Leben seitensdes Publikums benutzt wird. Die Hausfrauen undWäscherinnen kaufen ganz allgemein nur dieses undnicht das calcinierte Salz, weil ersteres allein imKleinhandel geführt wird. Das krystallisierte Salz enthält, trotzdem es in harten, trockenenKrystallen erscheint, weit über die Hälfte (63 °/g) Wasser als Krystallwasser. Daherverlieren beim Liegen an der Luft die anfangs klaren Sodakrystalle ihre Durchsichtigkeit,indem ein Teil ihres Krystallwassers verdunstet, weil ihnen ihre Krystallform und damitihre Durchsichtigkeit nur mit dem Wasser zusammen eigentümlich ist.
8S1. KoLakrystall.
Zio weiteren Webenindustrien der Sodafabrikalion.
Wir kommen nunmehr zu sonstigen mit der Sodaherstellung verbundenen Neben-fabrikationen. Die Schwefelsäurefabrikation, welche doch in den Sodafabriken mit aus-gebildet worden ist, haben wir bereits kennen gelernt, und wollen noch die wichtigstenweiteren hier jetzt anreihen.
Die Salzsäure.
Die Überführung des Kochsalzes in schwefelsaures Natron macht, wie wir sahen, keinegroßen Schwierigkeiten. Aber neben diesem entsteht doch durch die Einwirkung der Schwefel-säure auf das Kochsalz das salzsaure Gas, und es war ursprünglich so lästig, daß fastdie Sodafabrikation nach Leblanc an diesem Nebenumstande hätte scheitern können. Dassalzsaure Gas besteht aus Wasserstoff und Chlor, löst sich, wie erwähnt, sehr reichlich imWasser, und seine Lösung, die über 30°/o von ihm enthält, ist die Salzsäure des Handels.
Ursprünglich kannte man gar keine Verwendung für das Gas oder für seine Lösungund ließ es deshalb mit den Verbrennungsgasen des Sulfatofens aus dem Kamin ent-weichen. Wohl war es so aus der Fabrik entfernt, aber jetzt begannen die Klagen derNachbarn. Salzsäure zerstört nämlich den Pflanzenwuchs, zerfrißt die Metalle u. s. w.,kurzum ihre Anwesenheit in der Luft macht sich auf das unangenehmste geltend. Somußten die Fabriken aus manchen Städten wieder entfernt werden, wie z. B. aus Brüssel ,