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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.

arbeitung von 300000 Sulfat. Im ersten Cylinder wird die reichlich hineingepreßteKohlensäure zufolge den obigen Gleichungen Schwefelwasserstoffgas aus den Rückständenentwickeln. Dieses trifft, indem es durch die weiteren Gefäße getrieben wird, auf frischeSodarückstände und wird von diesen unter Bildung von Calciumsulfhydrat absorbiert,

Schwefelcalcium -1 Schwefelwasserstoff — CalciumsulshydratOs.8 4- L-.8 -- 0u (811)2

so daß eine Zeit lang die aus dem letzten Apparat strömenden Gase kaum Kohlensäureund auch keinen Schwefelwasserstoff enthalten, also in die Luft gelassen werden können,wobei man sie zur Sicherheit noch durch Eisenoxydhydratreiniger gehen läßt. „Aufdiesem Wege wird man also eine bedeutende Menge nutzloser Gase los." Allmählichaber wird durch weitere Einwirkung der Kohlensäure reichlich Schwefelwasserstoff auchaus dem letzten Cylinder entweichen, und wenn dies der Fall ist, leitet man die Gasein einen Gasometer. Sobald sie wieder zu arm an Schwefelwasserstoff werden, schließtman diese Leitung und läßt sie nochmals in den ersten Cylinder eintreten. Dessen Soda-rückstände sind in der Zwischenzeit längst durch das große Quantum der durchgeleitetenKohlensäure völlig entschwefelt und durch frische ersetzt, mit denen nun das Spiel vonneuem beginnt. Man läßt z. B. die Gase etwa 2 Stunden in die Luft entweichen undfängt nachher ungefähr ebensolange die an Schwefelwasserstoffgas reichen Gase auf.

Der so entschwefelte Rückstand besteht also hauptsächlich, wie aus den Gleichungenersichtlich ist, aus kohlensaurem Kalk und kann wieder in die Sodaschmelzen an Stellevon Kreide wandern, er enthält nur noch Vs bis höchstens 1°/o Schwefel, und das überihm stehende Wasser kann unbedenklich in jeden Fluß laufen gelassen werden.

Das Schwefelwasserstoffgas wird also in einem Gasometer und zwar von 15 inDurchmesser und 4ra Höhe aufgesammelt, welcher etwa 850 obm faßt. Weil sich Schwefel-wasserstoffgas sehr stark in Wasser löst, ist die diesen Gasometer abschließende Flüssigkeitmit einer Schicht Teeröl bedeckt. Das Gas enthält durchschnittlich 32—34"/o Schwefel-wasserstoff und brennt beim Anzünden ohne weiteres. Bei mehrmonatlichem Betriebe zeigtesich, daß so 90°/o des in den Rückständen enthaltenen Schwefels wiedergewonnen wurden.

Die Kosten des Prozesses sind äußerst gering. Abgesehen von dem zum Pumpender Kalkofengase erforderlichen Dampf für die Maschine wird kein Brennmaterial gebraucht,und so sollen sich die Selbstkosten des wiedergewonnenen Schwefels an Ort und Stelleauf etwa 8 Schillinge Per 1000 üx stellen.

Die Hoffnung des Erfinders Chance, die er im Jahre 1887 aussprach, sind aller-dings teilweise zu hochgespannt gewesen. Er nahm damals an, man würde von denBergbaugesellschaften den Pyritschwefel kupferhaltiger Pyrite umsonst bekommen, unddiese würden nach Einführung des Verfahrens froh sein, wenn man ihnen die kupfer-haltigen Pyrite umsonst abrüstete, damit sie hernach aus ihnen das Kupfer gewinnenkönnten. Aus den Sodarückständen, in die dieser Schwefel schließlich übergeht, würde mandann nach seiner mit dem Clausschen Verfahren kombinierten Methode den Schwefel derPyrite als solchen gewinnen, so daß er als reiner Schwefel verkauft werden könnte,womit die Sodafabriken, die bis zum Jahre 1838 nur mit sizilianischem Schwefel zuexistieren vermochten (s. S. 378), vom Jahre 1888 ab die schärfsten Konkurrenten diesessizilianischen Schwefels werden würden. Nun, diese übermäßigen Hoffnungen sind nichtganz in Erfüllung gegangen, aber der Großartigkeit des Verfahrens geschieht dadurchkein Abbruch, und die Überwindung aller sich auftürmenden Schwierigkeiten bleibt be-wundernswert.

Bemerkt sei, daß eine auf den Newcastle Chemical Works hergerichtete Anlage dieserArt zur Schwefelwiedergewinnung ^ Million Mark gekostet hat, wonach man sich vonihrer Größe eine Vorstellung machen kann. 1891 arbeiteten bereits 15 englische Fabrikennach dieser Methode, 1894 wurden nach dem Verfahren 31500 Tonnen Schwefel wieder-gewonnen, und das Verfahren war in vielen Einzelheiten noch weit verbessert worden.So ist namentlich das Entweichen des Schwefelwasserstoffs jetzt so vollständig beseitigt, daßsein abscheulicher Geruch trotz der enormen Quantitäten, welche von ihm erzeugt werden,wenig in den Fabriken wahrnehmbar ist.