416
Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.
Hinsichtlich des Ammoniaks sei hier teilweise in Wiederholung als sür das Verständ-nis des Prozesses unbedingt erforderlich bemerkt: Ammoniak ist ein Gas gerade so wiedie Kohlensäure oder die Salzsäure, und gerade so wie letztere im Wasser außerordentlichlöslich. Seine wässrige Lösung ist unter dem Namen Salmiakgeist im Handel und wirdvom großen Publikum hauptsächlich als Fleckwasser geschätzt. Man gebraucht die Aus-drücke Ammoniak und Salzsäure in der Chemie bald für das Gas bald für ihre wässrigeLösung; was gemeint ist, ergibt sich aber stets aus dem Zusammenhange, und nur woZweifel eintreten könnten, spricht man vom Ammoniakgas, Salzsäuregas . Das Ammoniakist eine Base, verbindet sich daher mit Kohlensäure z. B. zu kohlensaurem Ammoniak, mitder doppelten Menge von ihr zu doppeltkohlensaurem Ammoniak, auch Ammonium-bikarbonat genannt, gerade so wie das doppelt-kohlensaure Natron auch als Natriumbikarbonatbezeichnet wird.
Im Jahre 1863 wurde die Gesellschaft Solvay L Co. gegründet, und die zu Couillet gelegene ersteFabrik der Gesellschaft 1864 in Betrieb gesetzt.Die Tagesproduktion betrug kaum einige hundertKilogramm Soda. Im Jahre 1865 erschien dieLage der Gesellschaft so kritisch, daß man von ihrerLiquidation sprach. Im Jahre 1869 schuf Solvay die Karbonisier-Kolonne, von deren Erfindung dergroße Aufschwung dieser Fabrikation datiert. DieGesellschaft baute hierauf die großen Anlagen zuDombasle bei Nancy, Wyhlen, Bernburg und Saar-alben . In England baute Mond die große Fabrikzu Northwich, und im Laufe der Jahre sind jetztsolche Fabriken in allen Industriestaaten der Weltentstanden. Während 1868 nur 500 t Soda fabri-ziert wurden, waren es im Jahre 1878 schon29000 t und 1888 bereits 350000 t, welche fastzur Deckung der Hälfte des gesamten Sodaverbrauchsauf der Erde ausreichten. Die Fabriken zu Dom-basle und Northwich waren bis dahin schon diegrößten Sodafabriken der Welt geworden.
Die fabrikmäßige Überführung von Kochsalz inSoda nach Solvay erfordert folgende Operationen:
1. Das Brennen von Kalkstein in einem zumAuffangen der aus ihm abziehenden Kohlen-säure geeigneten Ofen,
2. Herstellung einer Kochsalzlösung,
3. Einleiten von Ammoniakgas in dieselbe,
4. Einleiten von Kohlensäure in die ammoniakalische Salzlösung,
5. Trennung des entstandenen Bikarbonats von der Mutterlauge,
6. Überführung des Bikarbonats in Soda ,
7. Wiedergewinnung des Ammoniaks aus den Mutterlaugen.
Der Ofen zum Brennen des Kalksteins hat etwa die beistehend abgebildete Form.Er hat die Gestalt eines Doppelkegels, dessen beide Kegel mit der Basis aneinander stoßen,ist aus schmiedeeisernen Platten zusammengesetzt und von innen zum Schutze gegen dasVerbrennen dieser mit Schamotteziegeln ^ ausgemauert. Er ruht auf eisernen Säulen U,auf denen er vermittelst der Flantschen 6 aufliegt. Der Ofen selbst ragt in einen Überbauhinein, der ihn völlig abschließt. Er ist seinerseits innerhalb desselben durch die Eisen-platte v abgeschlossen. In der Mitte dieser Platte befindet sich eine mit einem Deckelverschließbare Öffnung L, durch welche der Kalkstein und das Brennmaterial, die Koks,eingeworfen werden. Unterhalb der Platte v befinden sich rund herum eine Anzahl von
40S.
Kutkofrn mit Vorrichtung ;urn Ubtaugruder Kotztrnsiiurr.