Ammomaksodafabrikation. 417
Löchern aus denen die Ofengase entweichen, welche durch 6l abgesogen und ihrem Be-stimmungsorte zugeführt werden. Um nicht etwa Luft mitzusaugen, brennt man stetseinen großen Überschuß von Kalkstein, d. h. also, man macht den Kalkofen größer alsfür die Fabrikation an Soda eigentlich nötig ist. Weil infolgedessen Kohlensäure in einergrößeren Menge, als der Exhaustor absaugt, vorhanden ist, ist, damit dieser Überschußins Freie entweichen kann, der Schornstein U angebracht.
Auch diese Öfen liefern wie die englischen im Chanceschen Verfahren der Schwefel-wiedergewinnung (S. 413) erwähnten, durchschnittlich Gase mit etwa 30°/g Kohlensäure-gehalt. Jene sollen an Heizmaterial nur 15°/g vom Gewicht des Kalksteins an Koksbrauchen, während man in Deutschland etwa 20 "/g rechnet. Infolge ihrer einfachenEinrichtungen halten sie oft mehrere Jahre ohne Reparaturen.
Als Kochsalzlösung benutzt man, wenn es angänglich ist, eine natürliche oder künst-lich hergestellte Salzsole (s. S. 359). So geschieht es z. B. in den Fabriken zu Dom-basle und zu Northwich. In ersterer soll sich der Preis für 1000 leg Kochsalz dahernur auf 1^/g Mark, in letzterer gar nur auf r/g Mark stellen. Wo man Sole nicht zurVerfügung hat, löst mau Steinsalz durch Übergießen mit Wasser auf. Man benutzt dazuApparate ähnlich denen von Shanks, die wir S. 393 als Auslaugeapparate kennenlernten, und kommt so zu starken Salzlösungen. Steinsalz enthält nun oft geringe Mengenvon löslichen Kalk- und Magnesiasalzen, diespäter beim Einleiten von Kohlensäure alskohlensaurer Kalk oder kohlensaure Magnesiaausfallen und zu sehr störenden Verstopfungenin den Rohrleitungen der Apparate führenwürden. Deshalb setzt man der Salzlösungin den Auslösebottichen etwas kohlensauresAmmoniak zu, resp. man benutzt statt Wasserals Lösungsmittel ammoniakhaltige Waschwässeraus dem Fabrikbetriebe und macht die letzterenauf diesem Wege gleich zu Gute. Indem nunschon in den Auslaugegefäßen hierdurch die Kalk-und Magnesiaverbindungen als Karbonate ge-fällt werden, und über den falschen Boden dieserGefäße Filtriertücher gespannt sind, auf denendie ausgefällten Substanzen liegen bleiben, läuftaus ihnen eine von den störenden Verunreinigungen freie, vollkommen klare Kochsalzlösungab. Diese enthält durchschnittlich weniger als 1°/„ Ammoniak und etwa 290—300 §Kochsalz im Liter. Sie muß nun mit Ammoniakgas gesättigt werden. Da aber einemit Ammoniakgas gesättigte Flüssigkeit nicht so viel Kochsalz zu lösen vermag, wie hierals Gehalt der Flüssigkeit angegeben ist, so würde bei seinem Einleiten in diese LaugeKochsalz ausfallen, was sehr störend wäre, wenn nicht das im Betriebe immer wieder-gewonnene Ammoniakgas (s. weiterhin), welches in sie eingeleitet wird, sehr mit Wasser-dämpfen beladen wäre, wodurch die nötige Verdünnung der Flüssigkeit von selbst eintritt.
Um die Sättigung mit dem Ammoniakgas herbeizuführen, läßt man die Flüssigkeitvon oben her in einen hohen Kolonnenapparat treten, in den von unten her dasAmmoniakgas eintritt. Ja, durch das mit dem Ammoniakgas mitgekommene Wasser istdie Lauge schließlich so verdünnt, daß sie wieder etwas Kochsalz lösen kann, und so läßtman sie neuerdings über Kochsalz rieseln, um sie mit ihm wiederum zu sättigen.
Nachdem die Flüssigkeit so zum Einleiten der Kohlensäure fertig gemacht ist, sammeltman sie in sogenannten Montejus, von denen aus man sie hernach weiter drückt. EinMontejus ist ein geschlossener Kessel, der so stark gebaut ist, daß er Druck aushalten kann.Preßt man auf die in ihm befindliche Flüssigkeit Luft, so wird sie durch eine Rohrleitung,die bis auf seinen Boden reicht, hinausgedrückt werden. Die Montejus spielen eine großeRolle in der chemischen Industrie, weil sie in vielen Fällen das Verpumpen der Laugenersparen, was namentlich bei Metalle angreifenden Flüssigkeiten sehr in Betracht kommt.
Buch der Erfind. VII, 53