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Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.
Wir kommen nun zur Herstellung des'Natriumbikarbonats durch Einleiten von Kohlen-säure in diese Flüssigkeit, also zum wichtigsten Teil der Fabrikation. Durch das reich-liche Einleiten der Kohlensäure in diese ammoniakhaltige Salzlösung bildet sich doppelt-kohlensaures Ammoniak in ihr, welches sich mit dem Kochsalz (Chlornatrium) momentanzu doppeltkohlensaurem Natron und Chlorammonium umsetzt. Solvay soll dieselbe eineZeitlang in dem beistehend abgebildeten Apparate vorgenommen haben. Ob das noch ge-schieht, weiß man nicht, denn manche Fabrikanten behaupten, daß der Apparat zu kompliziertsei und Verstopfungen durch das sich im Prozeß jetzt ausscheidende Natriumbikarbonatnicht ausgeschlossen seien.
--2 Man bezeichnet diesen oder an seine Stelle getretene Apparate als Absorber. Derabgebildete ist ein 10—16 m hohes cylindrisches Gefäß aus Eisenblech, also ein Turm
zufolge der usuellen Be-zeichnung der chemischenIndustrie, in welchem einegrößere Anzahl Eisenplat-ten a liegen, die mit feinenDurchbohrungen versehensind. Durch diese wird dievon unten in den Absor-ber tretende Kohlensäuregezwungen, sich gründlichmit der von oben in denAbsorber eingelassenen am-moniakalischen Kochsalz-lösung zu mischen, indemman hierdurch eine möglichstvollkommeneUmsetzung derSubstanzen untereinanderzu erzielen sucht. Die Ab-sorber erwärmen sich in-folge der in ihnen vor-gehenden chemischen Reak-tion. Übersteigt die Tem-peraturzunahme das er-laubte Maß, so läßt man sievon außen mit Wasser be-rieseln, wodurch eine genü-gende Kühlung erzielt wird.
Die Einleitung der Kohlensäure erfolgt durch das Rohr d, während die Zuleitung derLauge durch o erfolgt. In der unteren Hälfte des Turmes sättigt sich also die Lauge völligmit Kohlensäure, während man die obere Hälfte immer wieder frisch vermittelst der Rohr-leitung e zu füllen vermag. Nach jeder halben Stunde etwa zieht man den halben In-halt des Turmes als fertig ab, während die obere Hälfte, die noch nicht gesättigt ist, jetztdie untere wird, worauf neu zufließende Lauge ihn wieder füllt. Damit sich nun diefrisch zugelassene und die gesättigte resp. die halbgesättigte Lauge nicht miteinander mischen,sind die Platten ä angebracht, die nur ganz wenige Löcher enthalten, welche wohl demGase und der gesättigten Lösung den Durchgang gestatten, aber die Mischung von imCylinder in verschiedener Höhenlage stehenden Flüssigkeiten so gut wie ganz ausschließen.Wie man sieht, ist der Betrieb in diesen Absorbern, so geistreich auch ihre Einrichtung ist,kein kontinuierlicher, da jede halbe Stunde Unterbrechungen eintreten.
In manchen Fabriken benutzt man deshalb mehrere Absorber, die passend hinter-einander geschaltet werden. Sie bestehen ein jeder aus einem Cylinder, in welchen einigemit Löchern versehene Siebböden eingesetzt sind, die dafür sorgen, daß die von untenher eintretende Kohlensäure sich mit der ammoniakalischen Salzsole gut mischt. Jeder
4LV. Niwar-rr.