Ammoniaksodafabrikation. 419
von ihnen hat eine Einlaßöffnung für die Kohlensäure und eine zweite, durch welchedie schließlich nach Sättigung der Flüssigkeit im Überschuß eingeleitete Kohlensäure einemzweiten ganz gleich konstruierten Absorber zugeleitet wird. Außerdem hat er einen Ein-lauf für die Lauge und kann vom Boden her entleert werden. Durch diese Montierungist es möglich, mit drei derartigen Cylindern so zu arbeiten, daß, nachdem der erste ge-sättigt ist, die Kohlensäure sogleich in den zweiten geleitet werden kann, woraus der ersteentleert und mit frischer Lauge beschickt wird. Ist dieses geschehen, so wird er als dritterin die Reihe geschaltet, und so geht der Betrieb ununterbrochen fort. Man hält dieTemperatur in diesen Apparaten auf etwa 40°, wird sie niedriger, so scheidet sich dasBikarbonat so fein aus, daß es hernach kaum abfiltriert werden kann.
Der aus dem letzten Absorber entweichende Stickstoff aus der Luft, welcher vomKalkofen her mit durch das System getrieben worden war, nimmt etwas Ammoniakgasmit. Der Kohlensäuregehalt dieser Gase soll doch in den Absorbern völlig zur Bildungvon Bikarbonat verbraucht sein, und Sauerstoff soll nicht vorhanden sein, weil dieser imKalkofen die Koks zu Kohlensäure verbrannt hat. Um dieses mitgerissene Ammoniak nichtzu verlieren, leitet man den Stickstoff, bevor man ihn wieder ins Freie entweichen läßt,durch die Kochsalzlösung, welche in den Betrieb eintreten soll. Sein Ammoniakgehalt wirdhier absorbiert, undschlägt zugleich dieKalk- und Magnesia-verbindungen aus ihrnieder, ein Vorgang,dessen Wichtigkeit wireingangsauseinander-setzten.
Auf das Quan-tum des Kochsalzes,welches im Absorberwirklich zu Natrium-bikarbonat umgesetztwird, ist die Mengedes gelösten Salzesund des gelösten Am-moniaks von größtem
Einfluß. Bei einer Lösung von 34 § Ammoniak und 296 x Kochsalz im Liter ergavsich eine Umwandlung von nur 33°/o des Kochsalzes in Natriumbikarbonat , als dieLösung aber 63 x Ammoniak und 274 x Kochsalz enthielt, wurden 63°/g umgesetzt. Inder Praxis werden zumeist Lösungen mit etwa 65 § Ammoniak und 270 x Kochsalzbenutzt, und wird dort durchschnittlich 50—60°/o des in den Betrieb eingehenden Koch-salzes als Soda wiedergewonnen, während 40—50°/„ verloren gehen.
Das Trennen des Bikarbonates von der Mutterlauge erfolgt zumeist mit Hilfe vonNutschapparaten, indem sich Zentrifugen hierzu weniger eignen, weil während des Aus-schleuderns in diesen Ammoniak verloren geht. Eine Rutsche ist so eingerichtet, daß das aufdem Filtriertuch liegende Material mit einem Raume in Verbindung steht, aus dem mandie Luft aussaugt; natürlich treibt dann der äußere Luftdruck die dem Material, welchesfiltriert werden soll, anhängende Flüssigkeit mit großer Kraft in den unteren Raum(s. S. 322), wie man das sehr gut an den in Laboratorien gebräuchlichen Nutschapparatensieht. Ihr oberer Teil, der gesondert abgebildet ist, sitzt mittels eines Gummiringes luft-dicht auf dem unteren auf. Durch nochmaliges Aufgießen von Wasser auf das Bikarbonatentfernt man möglichst die letzten Reste von anhängenden Ammoniaksalzen aus demBikarbonat. Man pflegt etwa 10—12°/g, auf die ursprüngliche Lauge gerechnet, anWaschwasser zu brauchen.
Jetzt hat die Umwandlung des Bikarbonats in Monokarbonat, des doppeltkohlen-sauren Natrons in Soda zu erfolgen. Dies wird stets durch Calcination in einem Flamm-
4ll. jlntschapparat.
UNS