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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.

geführte Herstellung von Solvaysoda den Hauptanteil, denn sie lieferte in diesem Jahrebereits 44 ^ aller in Deutschland erzeugten Soda. Eines war zu der Zeit bereits er-reicht, die ehemalige Einfuhr von Soda aus England hatte so gut wie ganz aufgehört.Während ein Teil der deutschen Leblancsodafabriken infolge günstiger Lage hinsichtlichdes Rohmaterials und guter Verwertung der Nebenprodukte noch prosperierte, arbeitetenandere bereits mit Verlust und sind seitdem eingegangen. Die nun folgenden fünf Jahrewaren für diese Industrien Jahre der größten Unsicherheit infolge der schweren Krisis,welche durch die unmäßige Ausdehnung der Ammoniaksodafabrikation in England undDeutschland entstanden war. Neben diesen beiden kamen zu der Zeit die übrigen Länderverhältnismäßig wenig in Betracht. Unter solchen Verhältnissen entschlossen sich dieenglischen Leblanc-Sodafabrikanten, behufs Verbesserung der Verkaufskonjunkturen eineVereinigung zustandezubringen, und traten fast alle zu einer großen Gesellschaft zusammen.Die Aktiengesellschaft United Alkali Kompany Limited wurde mit einem Kapital von120 Millionen Mark ausgestattet, und hiernach kann man sich einen Begriff von derGröße der englischen Sodaindustrie machen, die selbst zur Zeit ihres Niederganges nochsolche Summen repräsentierte. Sie umfaßte den größten Teil der 133 Fabriken dieserBranche, die in England, Schottland und Wales zu der Zeit noch im Betriebe waren.Zu welcher Blüte die Ammoniaksodaindustrie es aber inzwischen in England gebracht hat,geht daraus hervor, daß die schon erwähnte Fabrik zu Northwich im Jahre 1891 50°/^,1892 100"/o und 1893 30"/g Dividende an ihre Aktionäre verteilte. Also auch letzterefing aber schließlich an unter der Krisis zu leiden. Um den fortdauernd fallenden Preisen derSoda entgegentreten zu können, traten dann zuerst in England entsprechende Abmachungenzwischen den Leblanc- und Ammoniaksodafabrikanten ein, und in den Ländern des Fest-landes, in Frankreich, Deutschland und Österreich , traten sie ebenfalls zu sogenanntenSyndikaten zusammen.

Im Jahre 1893 war die Anzahl der englischen Leblancsodafabriken auf 117 zurück-gegangen, und damit steht im Einklang, daß sich die Totalproduktion an Soda etwasverminderte, womit endlich der Überproduktion ein wenig abgeholfen wurde. ImJahre 1890 waren im Leblanc- und Ammoniaksoda-Prozeß zusammen in England noch855000 t Salz verarbeitet worden, während 1893 die Menge nur noch 817 000 t betrug.Was den Kampf zwischen dem Leblanc- und Ammoniaksoda-Verfahren anbetrifft, so er-oberte sich das letztere immer weiteren Boden, und es war sehr beachtenswert, daß in diesenJahren das Leblanc-Verfahren trotz der vervollkommneten Wiedergewinnung des Schwefelsseine alte Stellung nicht mehr so gut verteidigen konnte, wie bis dahin, indem es schnellerzurückging, als der Solvayprozeß vorrückte. Folgende kleine Tabelle legt diese Beziehungenklar. Es wurden nämlich an Salz verarbeitet:

Jahr

im Leblanc-Prozeß

Im Solvah-Prozeß

1890

602 769 t

252 260 t

1891

567 863 „

278 528 „

1892

519 593 „

304897 „

1893

467562 „

349 609 „

Das in Deutschland gegründete Syndikat hat es verstanden, die Preise seitdem inlohnender Höhe zu erhalten. Es hatte zwar in hohem Maße den Unwillen seiner großenKonsumenten erregt, welche hofften, daß sich bald neue außerhalb der Konvention stehendeFabriken anfthun würden, was aber bisher kaum der Fall war. Der Preis der Soda, derEnde der achtziger Jahre 7 Mark per 100 üg betrug, ist seitdem auf 12 Mark erhöht worden.

Es ist ja nicht zu leugnen, daß durch die Erhöhung der Sodapreise besondersdiejenigen Industrien hart betroffen worden sind, bei denen der Wert der Soda einenrelativ großen Teil des Fabrikatwertes ausmacht. Hierher gehören z. B. die Fabrikensonstiger technischer Natronsalze, Seifenfabriken, Glashütten, Natroncellulosefabrikenu. s. w., aber schließlich kann man doch den Sodafabrikanten nicht das Recht absprechen,für sich sorgen zu wollen.

Auch die Lage der Ammoniaksodaindustrie im Auslande ist inzwischen eine gute ge-blieben, so stellte die Fabrik zu Northwich im Jahre 1893 169000 t Soda her, das