Die elektrolytischen Methoden. 42Z
macht so viel in einer Woche aus, als eine Leblanc-Sodafabrik mittlerer Größe früher ineinem ganzen Jahre produzierte. Nach einer Mitteilung über die Ausstellung in Ant-werpen im Jahre 1894, mit welcher wir schließen wollen, beträgt die Gesamtproduktionan Soda auf der ganzen Erde mehr als eine Million Tonnen, wovon etwa die HälfteAmmoniaksoda ist. Die Gesellschaft Solvay besitzt allein zwölf sehr große Werke in denHauptländern der Erde. Dieselben beschäftigen 6500 Arbeiter, und ihre Maschinen ent-wickeln 9500 Pferdekräfte. Solvay hat sich jedenfalls sehr große Verdienste um dieSodafabrikation erworben, jedoch ist es Wohl zu viel behauptet, wenn gesagt worden ist,daß die Herabsetzung des Sodapreises auf ein Drittel seit dem Jahre 1864 allein dasVerdienst Solvays ist. Auch ohne das Auftreten seines Verfahrens hätten die altenFabriken an der Vervollkommnung ihrer Methoden sicherlich weiter gearbeitet.
Wenn wir die vorausgehenden Angaben im Zusammenhang betrachten, werden wirzu der Meinung kommen, daß nunmehr jede der beiden Fabrikationen im großen ganzenden Platz einnimmt, den sie zu behaupten vermag, so daß, nachdem alle schwächer fun-dierten Fabriken des Leblanc-Verfahrens zu Grunde gegangen sind, diejenigen, die dieseschweren Jahre überdauert haben, wohl durch den Solvayprozeßnicht mehr geschädigt werden, indem sie durch den lohnenden Ab-satz ihrer Nebenprodukte weiter zu prosperieren vermögen, wennnicht, wie erwähnt, die elektrolytischen Methoden nochmals dieganze Sachlage verschieben.
Ais elektrolytischen Methoden.
Der Einfluß des elektrischen Funkens und späterhin der gal-vanischen Elektrizität auf chemische Verbindungen ist seit langemuntersucht worden, und man weiß seit den ersten Untersuchungen,die bekannt geworden sind, daß die Elektrizität spaltend auf siewirkt. Zuerst berichtet nämlich Priestley im Jahre 1775, daßdas elektrische Feuer, welches er noch mit der Elektrisiermaschineerzeugte, das Ammoniakgas zerlege. Ammoniakgas besteht dochaus Stickstoff und Wasserstoff, und die Theorie lehrt, daß diesebeiden Gase, wenn sie frei nebeneinander existieren, den doppeltenRaum einnehmen müssen, als wenn sie miteinander zu Ammoniak-gas verbunden sind. Folglich nimmt man die durch die Elektrizitäthier eintretende Veränderung schon durch das einfache Betrachtendes Apparates wahr, indem das anfangs vom Ammomakgas er- mittels Elektrizität,füllte Volumen zusehends wächst. Heutzutage nimmt man der-artige Versuche meist im beistehend abgebildeten Apparate vor. In den Schenkel ^ bringtman z. B. Ammontakgas, welches durch Quecksilber abgesperrt wird, und läßt sodann denelektrischen Funken durch dasselbe schlagen, indem hierzu zwei Platindrähte als Leiter indas Glasrohr eingeschmolzen sind. Um das Quecksilber zum Schluß des Versuches inbeiden Schenkeln der Röhre wieder gleich hoch stellen zu können, ist am Schenkel L einHahn angebracht.
Derartige Forschungen machten erst größere Fortschritte, nachdem die galvanischeElektrizität erfunden war, welche vermittelst Batterien einen langanhaltenden Strom vonElektrizität zu liefern vermag. Solche Batterien werden noch ununterbrochen in denLaboratorien benutzt, die nicht an Elektrizitätswerke angeschlossen sind, und sind in derihnen für diese von Bunsen gegebenen Form der Tauchbatterien so bequem und so langehaltbar, daß man hier keinen Grund hat, von ihnen abzugehen. Die erregende Flüssigkeit,in die ein Kohle- und ein Zinkstab getaucht werden, ist eine angesäuerte Lösung vonchromsaurem Kali, über die wir das Nähere Seite 357 mitgeteilt haben.
Im Jahre 1789, also vierzehn Jahre nach Priestleys Versuchen, teilten Deiman undPaets van Trostwigh mit, daß man auf dem von jenem Forscher angegebenen WeAeauch das Wasser in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zerlegen könne. ImJahre 1800 konstatierten dann Nicholson und Carlisle, daß die Zersetzung sich außer