Band 
Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
Seite
424
JPEG-Download
 

424

Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.

durch Reibungs- auch durch galvanische Elektrizität bewerkstelligen lasse. Dann kam die fürdiesen Teil der Chemie grundlegende Entdeckung durch Davy im Jahre 1806. Davybrachte etwas festes Ätzkali in eine Platinschale, verband diese Schale mit dem negativenPol einer Batterie und hielt den positiven Pol an das Ätzkali. Das Ätzkali L08 entsprichtchemisch durchaus dem Ätznatron dknOU, der kaustischen Soda, die wir ja ausführlichbesprochen haben, nur enthält es statt des Metalles Natrium das Metall Kalium. So-bald der positive Pol der sehr starken Batterie das Ätzkali berührte, schmolz es, und ersah sich am Platin kleine Kügelchen von Kaliummetall ausscheiden. Damit war eine ganzneue Ärt von Metallen entdeckt. Das Aufsehen war ungeheuer. Die auf diesem Wegegewonnenen Metalle, und es wurden bald das Natrium und ähnliche dargestellt, waren un-erwartet leicht im Verhältnis zu den sonst bekannten Metallen, schwammen sie doch geradezu

auf Wasser. Sie waren dabei so außerordentlichoxydierbar, daß sie an der Luft sehr rasch wieder inihr Oxyd, aus dem sie soeben der elektrische Stromabgeschieden hatte, übergingen. Auf Wasser geworfen,fingen sie an zu brennen, indem sie dem Wasser,welches doch aus Wasserstoff und Sauerstoff besteht,den Sauerstoff entziehen, um sich mit ihm zu ver-binden, wobei sich so viel Hitze entwickelt, daß derfreiwerdende Wasserstoff in Brand gerät n. s. w.,kurzum sie zeigten bisher ganz unbekannte, sehr merk-würdige Eigenschaften. Man konnte und kann siedaher nur unter sanerstofffreien Flüssigkeiten, wiez. B. Petroleum, das ein Gemisch von Kohlenwasser-stoffen ist und heute zu dem Zwecke dient, aufbe-wahren, in welcher Art verpackt sie in den Handelkommen. Die Entdeckung dieser Metalle blieb langeohne technische Konsequenzen, sie schienen sich fürpraktische Zwecke gar nicht zu eignen.

Die Weiterbeschäftigung mit dem Gegenständelehrte dann, daß, wenn man den Strom durchwässerige Lösungen von Metallsalzen statt durch ge-schmolzene Massen, wie es doch Davy gethan hatte,leitet, er Metalle auch aus ihnen abscheidet, waszur technischen Verwertung, zur Galvanoplastik führte,worüber wir das Nähere beim Cyankalium (S. 349)mitgeteilt haben.

SolangemanzurLieserung des elektrischenStromesauf die verhältnismäßig kostspieligen galvanischen Ele-mente mit ihrer geringen Leistungsfähigkeit angewiesenwar, konnte seine chemische Arbeit nur zu solch speziellen Zwecken, wie es das Versilbern,das Vergolden ist, Verwendung finden, indem hier die Kosten des Stromes im Verhältniszum Werte des Fabrikats keine Rolle spielen. Nun kann man mit Hilfe der Elektrizitätaber, abgesehen von Niederschlügen der Metalle aus ihren Lösungen, noch die verschieden-artigsten anderen Prozesse durchführen, wobei uns das Nachdenken über die hierbei zuerwartenden Ergebnisse, unter Benutzung des durch Versuche Festgestellten, folgendesvoraussehen läßt. Es wird sich in der Technik sowohl um die Elektrolyse von Lösungenals auch geschmolzener Massen handeln können, in beiden Fällen wirkt die Elektrizitätzerlegend auf die Verbindungen. Elektrolytisieren wir z. B. eine Lösung von Kupfer-vitriol (schwefelsaurem Kupfer 0n80^), so scheidet sich das Metall, das Kupfer 6n, amnegativen Pol aus, während der als solcher nicht existenzfähige Atomkomplex 80^ nachdem positiven Pol hinwandert. Hier muß er deshalb sogleich chemische Umsetzungen irgendwelcher Art veranlassen, die nun von dem, was sonst noch in Lösung vorhanden ist, ab-hängen werden. Sind die abgeschiedenen Metalle gegen Wasser indifferent wie 6u, so sind

414. Galvanische Tauchbatteric.