426 Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.
Die älteren vor der Zeit der Elektrolyse verwendeten, jetzt gänzlich verlassenen Verjährender Aluminiumdarstellung wollen wir nicht besprechen. Sie waren sehr schwierig durch-führbar und teuer in ihrer Ausführung. So kostete das Kilogramm Aluminium 1857,um welche Zeit es zuerst in den Handel kam, 200 Mark, 1888 noch 90 Mark, 188930 Mark, und jetzt kostet es etwa 4 Mark. Zur Herstellung der Elektrizität dient fürdiesen Zweck z. B. ein Teil der Kräfte des Rheinfalls. Das hier im wilden Tosen demMeere zuströmende Wasser erzeugt durch seinen in Elektrizität umgesetzten Stoß, den esauf die Turbinen ausübt, jene ungeheure Temperatur, bei der das Aluminium aus derThonerde sich ausscheidet, während der Sauerstoff in die Umgebung entweicht. ImJahre 1890 diente seine Kraft zur Herstellung von 41000le§ Aluminium, 1895 warenes schon 500000 welche die auf 4000 Pferdekraft gebrachten Turbinen fertigstellten.
Wir kommen nun zur Gewinnung von Ätznatron, Chlorgas u.s.w. auf dem Wegeder Elektrolyse, also den von der Sodaindustrie bisher gelieferten Chemikalien. EineUnsumme von Patenten sind auf entsprechende Verfahren genommen, denn die Schwierig-keiten in der Praxis sind sehr große. Ja man ist ziemlich allgemein überzeugt, daßdie Fabriken, welche diese Chemikalien im Großen elektrolytisch darstellen, ihre Ver-fahren noch zum Teil geheim halten, so ist nichts Sicheres über die zur Verwendungkommenden Diaphragmen in weitere Kreise gedrungen, indem das Chlor oder seine
Derivate alle bisher für den Zweck empfohlenenMaterialien ziemlich rasch zerstören. Wir werdendeshalb hier ein ebenfalls von Castner erfundenesVerfahren wiedergeben, bei dem die Diaphragmen-frage ganz umgangen ist. Der Trog ^ ist durcheine Scheidewand 2 in zwei Hälften geteilt, welchein Quecksilber eintaucht, das den Boden bedeckt. Indie Abteilung 0, welche mit Kochsalzlösung gefülltist, taucht eine Kohlenanode, während in die mitWasser gefüllte Abteilung v die aus Eisen hergestellteKathode taucht. Nach Stromschluß geht das ausder Kochsalzlösung in 0 abgeschiedene Natrium insQuecksilber, indem es sich mit ihm zu Natrium-amalgam legiert, und indem nun der ganze Appa-rat, der einerseits auf einer Schneide, anderseits aufeinem Exzenter 2 ruht, leicht hin und her geschaukeltwerden kann, verteilt sich das Natrium im Quecksilber, kommt hierdurch in der Ab-teilung v mit Wasser in Berührung und bildet hier unter Wasserstoffgasentwickelungsogleich Ätznatron, das sehr rein ausfallen muß. Will man Soda erzeugen, so brauchtman nur Kohlensäure ins Ätznatron zu leiten.
Mehr noch als für die Ätznatrongewinnung wird das Verfahren zur Fabrikation vonÄtzkali benutzt, indem man statt Chlornatrium Chlorkalium, das doch Staßfurt so billigliefert, auf die gleiche Art behandelt. Das Ätzkali ist wahrscheinlich auf keinem anderenWege so billig wie auf diesem darstellbar.
LOl ---- L 4 - Ol und 2L - 2 2^0 --2„L02-l- 2^
Chlorkalium ^ Kalium -1- Chlorgas Kalium 4- Wasser -- Ätzkali -i- Wasserstoff.
Das bei dieser Elektrolyse am anderen Pol erhaltene Chlor aus dem Chlornatriumoder dem Chlorkalium wird auf Chlorkalk verarbeitet, und elektrolytisch gewonnenerChlorkalk ist ebenfalls bereits im Handel.
Nach Öttel können sich nun bei der Elektrolyse von Lösungen von Chlornatriumoder Chlorkalium mit oder ohne Diaphragma folgende Vorgänge abspielen. 1) Elektrolysevon Chlornatrium z. B. unter Bildung von Ätznatron, Chlor und Wasserstoff, das istalso die von uns soeben beschriebene Methode. Der Wasserstoff stammt bei ihr daher,daß das Natrium, wenn es in Ätznatron übergeht, aus dem Wasser Wafferstoffgas entwickelt.
2 2 --, - l - 2 2^0 -- 2 2--.02 ^ Lst
Natrium -l- Wasser — Ätznatron i- Wasserstoff.
416 . Darstellung von Ätznatron durchElektrolyse nach Castner.