Elektrolhtische Methoden. Das Fluor. 427
2) Elektrolyse von Ätzalkali unter Bildung von Wasserstoff und Sauerstoff. 3) Bildungvon unterchlorigsaurem Alkali durch Einwirkung von Chlor auf Ätzalkali. 4) Bildungvon chlorsaurem Alkali durch Oxydation des vorigen. 5) Elektrolyse des unterchlorig-sauren Salzes unter Bildung von Ätzalkali, Wasserstoff, unterchloriger Säure undSauerstoff. 6) Elektrolyse des chlorsauren Alkalis unter Erzeugung von Ätzalkali,Wasserstoff, Chlorsäure und Sauerstoff. 7) Reduktion des zur Kathode diffundiertenunterchlvrigsauren Salzes zu Chlorid. 8) Reduktion des zur Kathode diffundierten chlor-sauren Salzes zu Chlorid.
Indem man nun durch Abänderung der Bedingungen der Elektrolyse jeden dieser8 Prozesse zum Hauptprozeß machen kann, kann man z. B. hauptsächlich auf unterchlorig-saures Salz hinarbeiten. Die unterchlorige Säure ist aber das wirksame Prinzip desChlorkalks, kurzum durch diese Art der Elektrolyse wird die Kochsalzlösung in eine Bleich-flüssigkeit verwandelt, welche namentlich in der Papierindustrie Verwendung findet. Ander-seits kann man z. B. chlorsaures Kali erzeugen und dieses so elektrolytisch aus Chlor-kalium fabrizieren. Läßt man die Lösungen Chlor gasförmig entwickeln, so kann man esdurch Überleiten über Kalk in Chlorkalk verwandeln u. s. w.
Die industrielle Entwickelung dieser Verfahren hat bisher folgenden Verlauf ge-nommen. Im Jahre 1889 gab es bereits eine Versuchsfabrik zur Herstellung von elektroly-tischem chlorsauren Kali zu Villers-sur-Hermes. Seit 1891 fabriziert man es im großenzu Vallerbes in der Schweiz , wo 3000 Pserdekräfte zur Verfügung stehen, und dieselbeGesellschaft baut jetzt eine noch größere Fabrik zu Saint-Jean de Maurienne in Savoyen .Im Jahre 1884 vereinigten sich drei große deutsche chemische Fabriken, Matthes L WeberDuisburg, Kunheim L Co. Berlin und die chemische Fabrik Griesheim zur technischenAusarbeitung elektrolytischer Methoden und bauten 1888 eine größere Anlage zu Gries-heim , die jetzt mit 400 Pferdekräften betrieben wird. Seit 1892 führt dieses elektro-lhtische Unternehmen den Namen Aktiengesellschaft Elektron, diese baute weiter 1893 eineFabrik zu Bitterfeld , die 1895 schon aufs Doppelte vergrößert wurde, während in Eng-land und Amerika immer noch wenig elektrolytisch erzeugte Chemikalien hergestellt werden.
Iluor, Arom.
Wir haben gelegentlich der Sodaindustrie uns ausführlich mit dem Chlor beschäftigtund wollen jetzt die drei Elemente Fluor, Brom und Jod, die ihm chemisch außer-ordentlich nahe stehen, in Betracht ziehen, soweit sie technisches Interesse beanspruchen,wobei wir des Verständnisses halber manches ausschließlich für die Wissenschaft Wertvolleerwähnen müssen.
Das Fluor kommt nur in einer Form reichlich in der Natur vor, nämlich alsFluorcalcium, gewöhnlich Flußspat genannt. Während man Chlor lange kennt, ist dasmit dem Fluor nicht der Fall. Wie aktiv das Chlor ist, wie sehres bestrebt ist, mit anderen Körpern Verbindungen einzugehen,wissen wir (s. S. 399), beim Fluor ist dies Bestreben aber gar sogroß, daß kein rein chemischer Weg zu seiner Darstellung bekannt ist.
Diese gelang erst dem Franzosen Moissan im Jahre 1886 auf dieArt, daß er Fluorwasserstoffsäure, das ist die der Chlorwasser-stoffsäure analoge Verbindung des Fluors, welche leicht darstellbarist, auf —23» abküklte und sie jetzt elektrolytisch spaltete. Hierbeizerfällt sie in
417. FlutzsPatkrystaü.
Da Fluor, welches ein Gas ist, alles andere außer Gold und Platin, auf welche es erstbei 600° einwirkt, angreift, kann es nur durch Röhren aus diesen beiden Stoffengeleitet werden. Nach Art anderer Gase es aufzufangen, ist unmöglich, weil es keineAbsperrflüssigkeit für dasselbe gibt, mit Quecksilber bildet es z. B. augenblicklichQuecksilberfluorür.
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