428 Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.
Von technischem Interesse ist nun diese Fluorwasserstoffsäure, die auch Fluß-säure genannt wird, ebenfalls. Ihre Darstellung im großen erfolgt Wohl am besten in demvon Hempel angegebenen Apparate. Er besteht aus einem gußeisernen Gefäße mit auf-geschossenem Deckel, welcher durch 4 Klemmschrauben fest aufgepreßt werden kann. In denDeckel ist eine etwa 30 ruru weite eiserne Gasleitungsröhre eingesetzt, welche bei b durcheine Flantsche mit dem Bleirohr a und dadurch mit dem bleiernen Absorptionsapparat Lin Verbindung steht; bei g ist die Röhre mit einem Dreiwegstück versehen, dessen eineÖffnung durch einen Kork verschlossen ist.
Der Absorptionsapparat besteht aus einem etwa 1b ein weiten und 70 om hohenBleicylinder, welcher am Boden ein 1 ora weites Ablanfrohr o hat. In dem Bleicylinder
liegt eine Kühlschlange ä, welche auseinem 5 nun weiten Bleirohr zusammen-gerollt ist, aller übrige Raum ist mitHolzkohlenstücken ausgefüllt.
Zum Gebrauch beschickt man ^mit gemahlenem Flußspat und konzen-trierter Schwefelsäure, von denen manje 1 üg anwendet, gießt in eine aufdem Absorptionscylinder gestellte Blei-schale s, deren Boden siebartig durch-löchert ist, etwas Wasser und stellt bei kein Gummi- oder Bleigefäß unter.Durch die Kühlschlange läßt man nun-mehr einen starken Strom kalten Wasserslaufen. Das Wasser aus der Blei-schale verteilt sich über die Holzkohlenund fließt so über diese dem Fluor-wasserstoffgas, welches der Apparatden man inzwischen erhitzt hat, liefert,entgegen.
Flußspat 8 - Schwefelsäure Flußsäure -8 Schwefelsaurer KalkOabl. ! 8,80, -- 2 88 6-,80,
Die gebildete Flußsäure, die ganz der Salzsäure entspricht, auch sie ist ein in Wasserleicht lösliches Gas, löst sich im Wasser, das über die Holzkohle fließt, und sammelt sichim Gefäße k. Hört das Tropfen bei ll auf, so gießt man die abgelaufene Flußsäurewieder zurück nach s, läßt sie also neuerdings dem Fluorwasserstoffgas entgegen rinnen,und wiederholt dies so lange, bis der eiserne Topf schwach rotglühend geworden, zuwelcher Zeit die gesamte Flußsäure aus ihm ausgetrieben ist. Zu ihrer Reinigung kannsie aus Platinapparaten destilliert werden. Man muß diese kostspieligen Gefäße nehmen,weil sie alle anderen Stoffe zu sehr angreift, namentlich Glas frißt sie heftig an, undspeziell zum Glasätzen findet sie ihre technische Verwendung.
Schwankhardt in Nürnberg bemerkte 1670, daß, wenn man ein Gefäß, in das manFlußspat und Vitriolöl gegeben hat, mit Glas bedeckt, dieses von den aufsteigendenGasen geätzt wird. Scheele konstatierte dann 1771, daß diese Wirkung von einereigentümlichen Säure, die wir jetzt Flußsäure nennen, herrührt. Die wässerige Flußsäureist eine farblose, äußerst saure, bei starker Konzentration an der Luft rauchende Flüssigkeit,erinnert also durchaus an die wässerige Salzsäure.
Will man sie zum Ätzen benutzen, also um Zeichnungen, Schriftzüge, Graduierungenin Glas einzusitzen, so überzieht man dieses mit einem Ätzgrund, auf den die Säure nichtwirkt. Einen solchen erhält man durch Zusammenschmelzen von Mastix, Asphalt undweißem Wachs unter Zusatz von etwas Terpentinöl. Man läßt ihn in geschmolzenemZustande auf das erwärmte Glas laufen. In ihm werden nun die Zeichnungen so gra-viert, daß die zu ätzenden Stellen frei liegen. Das Ätzen selbst kann jetzt mittelswässeriger oder gasförmiger Säure bewirkt werden.
4lS. Darstellung der Fluksiiurr.