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Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.
Die großen Salpeterlager in Chile , auf die wir beim Salpeter ausführlicher zurück-kommen, liefern nämlich bei ihrer Verarbeitung jodhaltige Mutterlaugen, deren Analysenzuerst Langbein im Jahre 1871 veröffentlichte. Danach enthielten die, Endlaugen ver-schiedener chilenischer Salpeterwerke zwischen 4,s und 2,s § Jod im Liter, und wenn mannun bedenkt, daß Millionen und Millionen von Litern dieser Flüssigkeit zur Verfügungstehen, so ist leicht einzusehen, daß Chile allein mehr an Jod zu liefern vermag, als dieWelt überhaupt braucht.
Aus den Mutterlaugen wird dort das Jod jetzt mittels einer Lösung von sauremschwefligsaurem Natron abgeschieden. Diese hat die Eigenschaft, das Jod als solcheszu fällen, und zwar nicht nur das als Jodnatrium in der Lösung vorhandene, sondernauch das, welches sich in ihnen als jodsaures Natron findet, und diese Mutterlaugen ent-halten auch reichlich jodsaures Natron. Das jodsaure Natron entspricht in chemischerBeziehung unserem oft genannten chlorsauren Kali .
Sehr interessant ist, wie man sich an Ort und Stelle das schwefligsaure Natronbereitet. Man glüht nämlich dort Salpeter mit Kohlenstaub in einem Flammofen. Dabeiverbrennt die Kohle auf Kosten des Sauerstoffs des Salpeters zu Kohlensäure, welche sichmit dem Natron des Salpeters zu kohlensaurem Natron, zu Soda vereinigt. Diese Artder Sodadarstellung kann natürlich nur an jenen Orten lohnend sein, wo der Salpeterso geringwertig ist, wie auf den chilenischen Salpeterwerken. Um die Soda in sauresschwefligsaures Natron überzuführen, bringt man sie in große geschlossene Holzbottiche,durch welche eine Luftpumpe die aus brennendem Schwefel sich entwickelnde schwefligeSäure saugt. Die schweflige Säure treibt erst die schwächere Kohlensäure aus, es bildetsich schwefligsaures Natron, das beim weiteren Durchleiten der schwefligen Säure insaures schwefligsaures Natron übergeht (s. S. 368).
Die mit diesem Reagenz versetzte Mutterlauge, die sich in mit Bleiblech aus-geschlagenen Holzbottichen befindet, ist nach achtstündigem Stehen völlig klar geworden,sie enthält jetzt nur noch 0,» A Jod im Liter. Das am Boden liegende ausgefällte Jodwird nach dem Ablassen der überstehenden Flüssigkeit in Eimer geschöpft und in etwa1,s na hohe Fässer geworfen, die mit einem falschen Boden versehen sind. Ist es gut ab-getropft, so wird es in grobe leinene Tücher geschlagen und nun unter einer Pressemöglichst von Flüssigkeit befreit. Die die Presse verlassenden Kuchen haben einen Gehaltvon 65—70°/o Jod. Sie müssen noch durch Sublimation gereinigt werden.
Jod sublimiert nämlich außerordentlich leicht, und so hat schon die alte europäischeIndustrie dasjenige Jod, welches besonders rein sein sollte, durch nochmalige Sublimationgereinigt; sie bediente sich dazu des nebenstehenden Apparates. Große thönerne odergußeiserne Retorten werden mit etwa 20 ÜA zu reinigenden Materials gefüllt. Sie liegenzu je dreien nebeneinander in einem gußeisernen Kasten L in Eisenfeilspäne eingebettet. Aufder Durchschnittfigur sind nur zwei von ihnen sichtbar. Der Hals der Retorten ragt in einSteinzeuggefäß hinein, in welchem sich das snblimierende Jod in Krystallen ansetzt.Das Rohr O gestattet der sich beim Anwärmen des Apparates ausdehnenden Luft denAustritt. In Chile kommt dagegen das Jod in cylindrischen Eisenretorten zur Subli-mation, welche durch ein kleines Kohlenfeuer erhitzt werden. Jede Retorte faßt dort etwa500 lrg Rohjod, und ist mit einer Reihe von acht Steingutkondensatoren verbunden,welche aus acht Röhrenstücken von 1 in Länge und ^ in Durchmesser bestehen. DieVerbindungsstellen zwischen diesen sind mit Thon verstrichen, und die letzte Röhre ist miteinem Holzstück geschlossen. Den Prozeß unterhält man etwa fünf Tage, worauf mandas Feuer entfernt und erkalten läßt. Die Kondensatoren enthalten dann 330—350 KZJod von 98°/,, Reingehalt. Es kommt in kleine ausgepichte Tonnen verpackt in den Handel.
Das Jod gehört zu denjenigen Körpern, welche in außerordentlich kleinen Quantitätennoch nachgewiesen werden können; selbst Spuren von freiem Jod färben sich nämlich mitStärkelösung blau. Um nun das Jod aus der zu untersuchenden Lösung frei zu machen,setzt man ihr etwas salpetrige Säure zu, welche ähnlich, wie wir es von der technischverwerteten schwefligen Säure sahen, es aus seinen Verbindungen abscheidet. Man er-kennt das Jod so noch in Lösungen, die in dreihunderttausend Teilen einen Teil Jod