Band 
Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
Seite
435
JPEG-Download
 

435

Das Jod. Jodkalium.

enthalten, mit voller Sicherheit. Daher kann es uns nicht wunder nehmen, daß esspurenweise in Hunderten von Mineralquellen und Salzsolen nachgewiesen worden ist.

Das Jod und seine Präparate haben, seitdem man es kennt, eine sehr große Rollein der Medizin gespielt, obgleich man sich den Grund seiner Wirksamkeit bis zum Endedes Jahres 1895 nicht zu erklären wußte.

Das Jod dient in 10 Teilen Spiritus gelöst als liinotura lloäi zur Behandlungäußerer Erkrankungen, indem es ätzend wirkt. Statt der Lösung in Spiritus verwendetman auch eine solche in Jodkaliumlösung. Während das Jod nämlich in Wasser so gut wieunlöslich ist, löst es sich leicht in einer Lösung von Jodkalium. Diese Lugolsche Lösungwird erhalten durch Auflösen von ein Teil Jod und ein Teil Jodkalium in zehn TeilenWasser.

Eine weit größere Rolle als das Jod selbst spielt in der Medizin das Jodkalinm,das seit dem Jahre 1832 dem Arzneischatz einverleibt worden ist. Das Jodkalium wirdaus dem Jod nach dem gleichen Verfahren dargestellt, wie das Bromkalium aus demBrom . Man verreibt Jod mit Wasser und Eisenspänen, wobei sich rasch Jodeisen bildet.Die Lösung desselben filtriert man vom überschüssigen Eisen ab, und setzt ihr Pottaschealso kohlensaures Kali zu. Es bildet sich unlösliches kohlensaures Eisen, während dieLösung jetzt Jodkalium enthält, aus der es nach dem Eindampfen auskrystallisiert. InneuererZeit wird statt desJod-kaliums häufig Jodnatriumverschrieben. Kalisalze sindnämlich dem menschlichen Kör-per nicht übermäßig zuträglich,während der Mensch Natrium-salze in beliebigen Mengenverträgt, wir brauchen ja nuran dasKochsalz(Chlornatrium)zu denken. Man vermeidetdaher bei manchen Erkrankun-gen lieber die Zufuhr vonKalisalzen und verschreibt dieentsprechenden Natriumver-bindungen.

Seitdem der französische Arzt Coindet das Jod und seine Präparate in der erstenHälfte des Jahrhunderts als Mittel gegen den Kröpf empfohlen hatte, und sich seineWirksamkeit gegen diesen bewährte, wird es auch bei Anschwellungen aller Art verwendet.Worauf seine zweifellose Wirksamkeit bei Kröpf speziell beruhe, wußte man also nicht zudeuten, bis es an dem bereits erwähnten Zeitpunkte dem Professor Baumann in Freibnrggelang, zu zeigen, daß in der normalen Schilddrüse des Halses, durch deren Vergrößerungder Kröpf zustandekommt, stets Jod vorhanden ist. Das Jod gehört, was man bisdahin nicht wußte, also zu den normalen Bestandteilen des Körpers, der es sich aus dennicht mehr nachweisbaren Spuren, in denen es sich in vielen Nahrungsmitteln finden muß,heraussucht.

In einem Gramm normaler, trockener Schilddrüse finden sich im Durchschnitt 0,s m§Jod oder 0,«s°/o von ihm, während der Durchschnitt in kropfartig vergrößerten Schild-drüsen nur 0,os mx; oder 0,«os °/o Jod beträgt.

Weiter gelang es Baumann im Anschluß an diese Entdeckung aus der Schilddrüseeine stark jodhaltige Substanz zu extrahieren, Thyrojodin oder auch Jodothyrin genannt,die 9,s o/o Jod enthält. Sie hat ihren Namen von der Thyreoidea, welches der wissen-schaftliche Name der Schilddrüse ist, erhalten. Daß dieses Thyrojodin der wirksame Be-standteil in ihr ist, zeigte die prompte Wirkung des Präparates bei Kropferkranknngen. Sohaben denn die Farbenfabriken von Friedrich Baeyer L Co. in Elberfeld seine Darstellungim Großen übernommen. Sie gewinnen es aus den Schilddrüsen der Hammel, die be-sonders reich an ihm sind. Hier sehen wir so recht Wissenschaft und technische Chemie

iliirniiiiM