43g Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.
Hand in Hand gehen, keine drei Monate, nachdem Baumann die Darstellung des Thyro-jodins gelehrt hatte, stellte diese Fabrik den Ärzten und damit der leidenden Menschheitdieses merkwürdige Präparat zur Verfügung.
Die Ein- und Ausfuhr des Deutschen Reiches betrug 1896
Einfuhr Ausfuhr
an Jod. 93800 ÜA 26400 1-A
an Jodkalium und anderen Jodpräparaten 28500 „ 141800 „
Jod, dessen Preis ein sehr schwankender ist, kostete im Jahre 1897 per Kilogramm etwa26 Mark.
Der Salpeter und die Salpetersäure.
Wir sahen im Vorhergehenden, bei Betrachtung des Verhältnisses der Pottasche zurSoda, wie Kali und Natronverbindungen einander ähneln, wie sie sogar in vielen In-dustrien sich gegenseitig vertreten können, ja die billigeren Natronverbindungen die ehemalsgebrauchten teureren Kaliverbindungen geradezu verdrängen, und merkwürdigerweisefinden wir beim Salpeter, zu dem wir jetzt kommen, wiederum ähnliches. Salpeternennt man die beiden Salze, die durch Vereinigung der Salpetersäure mit den Basen Kali und Natron entstehen, und unterscheidet sie als Kali- und Natronsalpeter.
Der Kalisalpeter findet sich überall im Boden, und welche Rolle er in der Ernäh-rung der Pflanzen spielt, werden wir bei der Besprechung der künstlichen Düngemittelkennen lernen. Wie er aber in den Boden kommt, und sich immer wieder von neuemin ihm bildet, das ist eine Frage, die erst in den letzten zwei Jahrzehnten allmählichihre richtige Deutung gefunden hat.
In der Salpetersäure, also dem einen Rest des Salpeters, ist Stickstoff mit Sauerstoffverbunden. Der Stickstoff ist aber ein so indifferentes Gas, d. h. so wenig geneigt, Ver-bindungen mit anderen Stoffen einzugehen, daß es im Laboratorium auf rein chemischemWege nur unter wenigen Bedingungen gelingt, ihn mit Sauerstoff zu vereinigen, Be-dingungen so komplizierter Art, daß mit ihrer Hilfe das Vorkommen von Salpeter injedem Ackerboden unerklärlich ist. Die Aufklärung dieser Thatsache hat die jüngste allerWissenschaften gebracht, nämlich die Bakteriologie. Sie hat gezeigt, daß in allen Acker-böden Bacillen mit der merkwürdigen Eigenschaft sich finden, Stickstoff mit Sauerstoffdurch ihre Lebensthätigkeit vereinigen zu können, worüber wir ebenfalls Näheres weiter-hin bei der Pflanzenernährung hören werden.
Nun ist ja heute allgemein bekannt, daß Bacillen zu ihrer kräftigen Entwickelungaußer dem geeigneten Nährboden auch einer gewissen Temperatur bedürfen, und sogeht denn die Salpeterbildung, die von ihnen veranlaßte Vereinigung von Stickstoffund Sauerstoff, und weiter deren Verbindung mit dem im Boden vorhandenen Kalizu Kalisalpeter am schnellsten in heißen Ländern vor sich. Spezielle Versuche habenergeben, daß dieser Prozeß unter 5" Wärme nicht mehr stattfindet. Bei 37° ist er amlebhaftesten, während er bei 45° nicht reichlicher als bei 13° erfolgt und bei 55° über-haupt aufhört.
Danach wird es uns nicht wunder nehmen, daß im Boden der Länder der heißenZone sich mehr Salpeter bildet, als bei uns, wodurch er leichter aus ihm gewinnbar ist.So ist von alters her der Kalisalpeter hauptsächlich von Ostindien geliefert worden.Man nimmt an, daß er um 500 n. Chr. zuerst in größeren Mengen nach dem Abend-land, speziell nach Byzanz, gekommen ist. Bei dem geringen Interesse, das er ursprünglichbot, sind jedenfalls ältere europäische Nachrichten über ihn nicht erhalten.
Selbst in Indien sind es aber auch nur gewisse Gegenden, in denen der Boden reichgenug an Salpeter wird, um seine Gewinnung lohnend erscheinen zu lassen, namentlicheinige Teile Bengalens und Ceylons liefern ihn. Der Boden muß natürlich nicht zuarm an Alkali sein, damit die Bildung von Salpeter überhaupt vor sich gehen kann, undanderseits hat man schon früh gemerkt, daß die Salpeterbildung beschleunigt wird, wennman stickstoffhaltige Abfälle, wie z. B. Urin und Mist, auf solchen Boden bringt, wodurchwie wir jetzt verstehen können, die Thätigkeit der Bacillen erleichtert wird.