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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Der Salpeter. Kalisalpeter.

Dabei schwankt der schließkiche Gehalt des Bodens an salpetersanrem Salz'bedeutend,außer salpetersanrem Kali bildet sich auch namentlich stets salpetersaurer Kalk. So enthieltenbengalische Salpetererden z. B. von 0,7 bis 8,s °/o salpetersaures Kali und daneben0,s bis 3,7 o/g salpetersauren Kalk.

Die Gewinnung des Salpeters aus dieser Erde erfolgt seitens der Eingeborenendurch Extrahieren derselben mit Wasser. Sie lassen die erhaltene Lauge an der Sonneverdunsten, oder dampfen sie bis zur Krystallisation ein. Nur an einigen Orten gebensie dem auszulaugenden Erdreich Holzasche zu, indem sie bemerkt haben müssen, daß dasdie Ausbeute an Salpeter vermehrt. Holzasche enthält, wie wir ja wissen, kohlensauresKali, kommt dieses mit salpetersanrem Kalk zusammen, so bilden sich nach der Gleichung

Salpetersaurer Kalk -p kohlensaures Kali --- salpetersaures Kali -i- kohlensaurer Kalk

0u(N0g)2 -i- L.VO, --- 2LN0g 4- 6u60g

salpetersaures Kali, also der gewünschte Salpeter, während der im Wasser unlöslichekohlensaure Kalk, welcher außerdem entsteht, im Rückstand bleibt. Das Produkt, welchesdie Eingeborenen so erzielen, hat natürlich einen sehr wechselnden Gehalt an reinemSalpeter, und dieser schwankt zwischen 45 und 70°/g. In ganz ähnlicher Weise, wennauch in sehr viel geringerer Menge, wird Salpeter in Ägypten, Persien, Spanien undsogar in Ungarn in der Gegend von Debreczin gewonnen.

Die Hauptverwendung hat der Kalisalpeter von jeher zur Schießpulverfabrikationgefunden, worauf wir im nächsten Abschnitt kommen, und so lag den europäischen Staaten sehr viel daran, sich von Indien als Lieferungsquelle unabhängig zu machen,da die Seewege gerade in Zeiten des Krieges leicht gesperrt werden konnten. Amschlimmsten war in der Beziehung Frankreich daran, als es zu Ende vorigen Jahr-hunderts mit aller Welt im Kriege lag — von welchem Einfluß diese Verhältnisse auf dieEntwickelung der Sodaindustrie waren, haben wir schon erfahren — und so entwickelte sichauch namentlich in Frankreich die Gewinnung von Salpeter aus einheimischen Plantagen.In ihrer Glanzzeit soll diese Fabrikation an 6000 Orten betrieben worden sein und bis8 Mill. Kilogramm Salpeter jährlich geliefert haben. Solche europäischen Salpeterplan-tagen bestanden aus einem weiten Raum, den man znr Abhaltung des Regens mit einemHolzdach versah. Unter diesem lag die Erde, welche, um sie recht locker und damit für dieLuft leicht durchgängig zu haben, mit Bauschutt und ähnlichem gemischt war. Außerdemsetzte man ihr Holzasche als Lieferanten für das nötige Kali zu und begoß sie häufigmit Urin und Jauche. Man sieht, man stellte das künstlich her, was in Indien dieNatur znr Verfügung stellt. Schon nach einem Jahre konnte sich so viel Salpeter ge-bildet haben, daß das Auslaugen lohnte. Die ausgelaugte Erde lieferte, nach erneutemLagern, wiederum Salpeter und war meist erst nach 8 Jahren erschöpft.

Die Schwierigkeit dieser Fabrikation lag einmal in der Langsamkeit des Verfahrens,und dann in der Aufgabe, ungeheure Massen von Erde zur Gewinnung von verhältnis-mäßig wenig Salpeter auslaugen zu müssen. Zur Gewinnung von 100 Ir§ Salpeterper Jahr waren durchschnittlich die einjährige Lagerung von wenigstens 570 odin oderetwa 860000 Erde notwendig. So rationell daher auch, das läßt sich nach den vor-handenen sehr genauen Beschreibungen nicht leugnen, das Auslaugen betrieben wurde,kostspielig mußte es immer bleiben. Dazu kam, daß die aus diesen Haufen erhaltenesalpeterhaltige Lauge reichlich mit sonstigen löslichen Salzen verunreinigt war, diedieRein-darstellung des Salpeters erschwerten, und so kann es denn nicht Wunder nehmen, daßdiese europäische Fabrikation in der Friedenszeit, die nach dem Jahre 1815 eintrat, in-folge der wieder ungehinderten Einfuhr des ostindischen Salpeters zum Erliegen kam.

Für die Schießpulverfabrikation wird der Salpeter im Stadium der größten Rein-heit verlangt. Die „Raffination" des Salpeters muß soweit wie möglich getriebenwerden, indem schon ganz geringe Mengen von anhängenden fremden Salzen ein Feuchtig-keit anziehendes Pulver geben würden. Früher verließen sich daher die Pulverfabrikengar nicht auf fremde Raffinieranstalten, sondern besorgten sich selbst seine Reinigung.Heutzutage allerdings ist raffinierter Kalisalpeter von solcher Reinheit im Handel, daßdie Pulverfabriken ihn ohne weiteres verwenden können. Außer zu Schießpulver dient