Natronsalpeter. 439
Ware ist. Im Kleinverkauf findet der Salpeter aber meist in Form größerer KrystalleAbsatz. Diese erhält man, indem man Salpetermehl in heißem Wasser bis zur Sättigunglöst und die Lösung ungestört erkalten läßt. Ihre Krystallform zeigt die beistehendeAbbildung.
Wir kommen nunmehr zum Natronsalpeter. Während die Natur, wie wir erfahrenhaben, ununterbrochen kleine Mengen salpetersauren Kalis im Boden schafft, die den ganzenSalpeterbedarf der älteren Zeit decken mußten, hat sie, namentlich in Südamerika , ganzunerschöpfliche Quantitäten von salpetersaurem Natron aufgespeichert, und seitdem mandieses in salpetersaures Kali verwandelt,hat Ostindien seine dominierende Stellungals Lieferant für letzteres völlig eingebüßt.
Es sind zwar einige Theorien ausgestelltworden, welche das massenhafte Vorkom-men von salpetersaurem Natron in jenenGegenden zu erklären versuchen, keine vonihnen kann aber einen größeren Anspruchaus Wahrscheinlichkeit machen, und sowollen wir lieber gleich, ohne uns auf
426 . Waschkasten zur Kulprtrrbrrritung.
diese einzulassen, zur Schilderung der amerikanischen Gegend übergehen, in der dieNatur soviel Natronsalpeter aufgehäuft hat.
Der Strich Landes, in dem die Salpetergewinnung betrieben wird, liegt an derWestküste Südamerikas zwischen dem vierten und zehnten Breitengrade. Die Lager er-strecken sich in einer Länge von über 3600 üm an der Küste von Peru, Bolivia und einemTeil von Chile . Dieser ganze Streifen entbehrt fast völlig des Regens, der Wohl sonstviel Salpeter aus dem Boden weggewaschen hätte, und außer dem Mangel an meteorischenWässern haben die heftigen, in den Wintermonaten zu Orkanen anschwellenden Stürmekeinen höheren Pflanzenwuchs aufkommen lassen, so daß die Gegend einen sehr öden Ein-druck macht. Die wenigen Flüsse erhalten ihr Wasser, abgesehen von1—2 Regenschauern im Jahre, nur von den in den KordillerenHerabschmelzenden Schneemassen. Die den Natronsalpeter enthalten-den Mineralien heißen Caliche und liegen etwa 1—10 in tief unterder Oberfläche. Bald gleichen sie Stücken von Zuckerhüten, baldSchwefelanhäufungen, wieder andere sind weiß mit bläulichenAdern. Heißes Wasser löst mit Leichtigkeit ihren Salpetergehalt.
Die Gewinnung des Rohmaterials wird oft so betrieben, daß maneinen Schacht bis unter die Caliche treibt, den hier liegenden Sandheransbefördert und den so erhaltenen leeren Raum mit Schieß-pulver füllt. Dessen Explosion fördert dann das wertvolle Mineralzu Tage, das mit den Händen zusammengesucht und zur Fabrik ge-fahren wird.
In dieser wird die Caliche entweder mit der Hand oder mittels Dampfkraft zer-schlagen, worauf das Material früher in Pfannen direkt mit Wasser ausgekocht wurde.An die Stelle dieser Methode trat dann das Auskochen der mit Wasser übergossenenCaliche in offenen Gefäßen durch direktes Einleiten von Dampf. Auch diese Methode istals nicht zweckmäßig wieder verlassen worden, und man arbeitet jetzt z. B. in den guteingerichteten Fabriken der chilenischen Provinz Tarapaca in folgender Art. Zur Versiedungdes salpeterhaltigen Rohmaterials dienen geschlossene viereckige Kessel von ungefähr 11mLänge, 1,ss m Höhe und 1,«s m Breite, in welche das Rohmaterial in durchlöchertenWagen auf einem Schienengeleise eingeführt wird. Diese Karren verbleiben während derVersiedung in den Kochkesseln und enthalten nach Beendigung der Kochung die gröberenunlöslichen Rückstände des Rohmaterials. Die Heizung der Kessel geschieht durch inihnen liegende Röhren, in denen Dampf zirkuliert. Da bei dieser Art des Auflösens keineVerdünnung der Laugen mehr wie früher durch direkt in sie eintretenden Dampf statt hat,ist es möglich geworden, sowohl konzentriertere Laugen herzustellen, als auch den Fein-
7. Krystallfsri» desKalisalpitrrs.