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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Darstellung des Kalisalpeters aus Natronsalpeter.

täten, die jährlich von ihm auf die Felder geworfen werden, sind als solche absolut ver-braucht und erfordern jährlich ihre Neubeschaffung.

Obgleich der Natronsalpeter nicht zur Schießpulverfabrikation dienen kann, weil mitihm hergestelltes Pulver zu langsam abbrennt, ist er insofern ein großer Konkurrent desKalisalpeters, als dieser letztere leicht aus ihm hergestellt werden kann. Außerdem dienter zur Gewinnung der Salpetersäure und damit also indirekt auch zur Herstellung derSchwefelsäure (s. S. 375). Auch zu Glühkohle wird viel von ihm gebraucht, mit dermau Eisenbahnabteilungen und ähnliches heizt, unter dem Namen Glühstoff auch plättet.Preßt man nämlich Kohlenklein mit ihm zu Briketts, so werden diese auch ohne äußerenZug in Brand bleiben, indem der Salpeter den zu ihrem Verbrennen oder Verglimmennötigen Sauerstoff hergibt, je nach der Menge von ihm, die man zugesetzt hat.

Zu bemerken haben wir noch, daß außer in Südamerika sich Natronsalpeter auchin Transkaspien im asiatischen Rußland findet. Speziell der Boden der Gegend von Schor-Kala ist ziemlich reich an ihm, und seit dem Jahre 1888 haben verschiedene Unternehmerdie Ausbeutung dieses Vorkommens in die Hand genommen. Doch scheinen die Eisenbahn-transportkosten aus dem Inneren Asiens bis zu den europäischen Verbrauchsplätzen einelohnende Fabrikation dort noch auszuschließen, wenigstens ist bisher kein asiatischerNatronsalpeter im Handel erschienen.

Wir gehen nunmehr zur Darstellung von Kalisalpeter aus Natronsalpeter über.Zum Unterschied vom ostindischen Salpeter nennt man ihn Konversionssalpeter. Mankann den Natronsalpeter mit den verschiedensten Kalisalzen zu Kalisalpeter umsetzen, soliefert eine Lösung von demselben mit Pottaschelösung zusammen eingedampft salpeter-saures Kali, welches anskrystallisiert, und kohlensaures Natron, das infolge seiner leichterenLöslichkeit in der Mutterlauge bleibt.

Salpetersaures Natron 4- Kohlensaures Kali — Salpetersaures Kali 1- Kohlensaures NatronEbenso erhält man Kalisalpeter, wenn man zur Lösung Ätzkali setzt, in der Mutterlaugehat man dann Ätznatron. Nach dieser teueren Methode ist zuerst gearbeitet worden,indem der Deutsche Nöllner,in einer Fabrik zu Stettin während des Krimkrieges für dierussische Regierung auf diesem Wege Kalisalpeter aus Chilisalpeter herstellte. Seitdemaber Staßfurt beliebige Mengen Chlorkalium zur Verfügung stellt, benutzt man diesesbilligste aller Kalisalze zur Konversion, wie es schon Anthon 1858 vorgeschlagen hat.Löst man salpetersaures Natron in Wasser und gibt eine Lösung von Chlorkalium zu, sotritt keine Umsetzung ein, indem beide Salze gelöst bleiben; das ändert sich aber, wennman die Lösung durch Eindampfen konzentriert, oder von vornherein mit heißen kon-zentrierten Lösungen arbeitet. Dann entsteht infolge der verschiedenen Löslichkeit derSalze, die sich in der heißen Flüssigkeit bilden,

Salpetersaures Natron -l- Chlorkalium — Salpetersaures Kali 1- Chlornatriumsalpetersaures Kali, welches als leichtlösliches Salz in Lösung bleibt, während das ver-hältnismäßig schwerlösliche Kochsalz sich sogleich in der Siedehitze auszuscheiden beginnt.Diese Anthonsche Methode, nach welcher im großen ganzen noch heute gearbeitet wird,besteht daher in folgendem. Man erhitzt in einem gußeisernen Kessel so viel oder etwasmehr Wasser, als man salpetersaures Natron in Arbeit zu nehmen gedenkt, und trägtletzteres unter Umrühren ein. Sobald das Eintragen beendigt und die Flüssigkeit insKochen gekommen ist, gibt man unter fortwährendem Rühren Chlorkalium hinein underhält die Mischung eine halbe Stunde im Sieden. Nach dieser Zeit ist die Umsetzungbeendigt, und die Flüssigkeit enthält jetzt Kalisalpeter und Kochsalz. Auf 85,2 Gewichts-teile Natronsalpeter sind 74,e Gewichtsteile Chlorkalium theoretisch notwendig. DieAnalyse des Natronsalpeters und Chlorkaliums läßt leicht berechnen, wie viel man vonjedem mehr zu nehmen hat, da beide Salze nicht chemisch rein zur Anwendung gelangen.

Die angewandte Menge Wasser genügt gar nicht, um eine klare Lösung zu erhalten,indem sie für die Lösung des sich bildenden Kochsalzes nicht ausreicht. Letzteres schwimmtvielmehr als Krystallmehl in der Flüssigkeit und muß fortdauernd beseitigt werden, damites sich nicht am Boden ablagert, wodurch das Springen der im Feuer hängenden Kessel

Buch der Erfind. VII. 56