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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Salpetrigsaures Kali und Natron. Salpetersäure.

Kalisalpeter oder dem Natronsalpeter, und letzterer wird seiner größeren Billigkeit halberheute allgemein benutzt, ziemlich leicht genau ein Sauerstoffatom entziehen, dann mußdoch das salpetersaure Salz in salpetrigsaures Salz übergehen:

Salpetersaures Natron — Sauerstoff Salpetrigsanres NatronNOgXa — 0 -- 'NO,Na.

Das salpetrigsaure Natron ist leicht in Wasser löslich, und fugt man zu dieser seinerLösung eine in chemischem Sinne stärkere Säure, so wird letztere sich mit dem Natronverbinden und im Wasser jetzt salpetrige Säure vorhanden sein.

Salpetrigsanres Natron q- Salzsäure ^ Salpetrige Säure q- Chlornatrium^ ÜOl --- 4- dlaOI.

So erhält man auf diesem indirekten, technisch sehr bequemen Wege eine Flüssigkeit, diesicher nur salpetrige Säure enthält, und ebenso sicher frei von sonstigen Stickstoffsauerstoff-verbindungen ist.

Es handelt sich jetzt nur um die Entscheidung der Frage, welches das beste Mittelist, um dem Salpeter das eine Atom Sauerstoff zu entziehen. Dieses Mittel scheintmetallisches Blei zu sein, welches sich, mit dem Salpeter geschmolzen, zu Bleioxyd oxydiert,während dieser in salpetrigsanres Salz übergeht.

NaNOg ^ kb -- NaNO., p LbO

Salpetersaures Natron -i- Blei — Salpetrigsanres Natron -i- Bleioxyd.

Man verfährt so, daß man das salpetersaure Kali oder salpetersaure Natron inflachen Eisenschalen einschmilzt und nun allmählich das gleiche Gewicht metallischen Bleiszusetzt. Dieses schmilzt ebenfalls und geht allmählich in Bleioxyd über. Ist etwa dieHälfte des salpetersaure» Salzes in salpetrigsanres Salz verwandelt, was bei Ver-wendung von einem Gewichtsteil Blei auf einen Teil Salpeter eintritt, so hört man mitder Zugabe von Blei auf, indem jetzt mit steigender Temperatur Nebenreaktionen be-ginnen, welche eine vollständige Zerstörung des Salpeters herbeiführen würden. Weil dassalpetrigsanre Salz in starkem Alkohol löslich ist, während dieser den Salpeter nicht löst,gelingt dann durch Extraktion der Schmelze mit Alkohol die Reindarstellung des salpetrig-sauren Salzes, das meist in Form schwach gelbgefärbter Krystalle in den Handel kommt.

Früher reduzierten die Fabrikanten des salpetrigsauren Natrons die großen MengenBleioxyd, die sie erhielten, mit Kohle wieder zu Blei; heutzutage kaufen aber die Blei-zuckerfabriken dieses Bleioxyd, lösen es in Essigsäure und verkaufen dasselbe in Formihres Fabrikates, des Bleizuckers. Dadurch ist die Herstellung des salpetrigsanren Natronssehr viel bequemer geworden, indem die für chemische Fabriken umständliche, mehr fürHüttenwerke geeignete Wiedergewinnung des Bleies fortfällt.

Wir gehen nunmehr zur Darstellung der Salpetersäure über und wollen überdie Säure selbst folgendes mitteilen.

Sicher ist, daß bereits Geber (s. S. 296) sie gekannt hat. Er bereitete sie durchDestillation eines Gemisches von Salpeter mit Vitriol (schwefelsaurem Kupfer) und Alaun(schwefelsaure Kali-Thonerde). In der späteren Zeit erhitzten die Alchemisten zumeistSalpeter mit schwefelsaurem Eisen. Die genannten schwefelsauren Salze geben alle beimErhitzen Schwefelsäure aus, vom schwefelsauren Eisen haben wir es ja bei der Darstellungder rauchenden Schwefelsäure (s. S. 370) ausführlich kennen gelernt, und diese Schwefel-säure treibt aus dem Salpeter die Salpetersäure aus.

Diese alte, in Form ihrer Ausführung unvollkommene Methode beruht auf derselbenGrundlage, nach welcher auch jetzt noch die Salpetersäure dargestellt wird. Heute benutztman nämlich zur Einwirkung auf den Salpeter nicht die sich während des Prozesses erstbildende Schwefelsäure, sondern mengt ihn direkt mit fertig hergestellter Schwefelsäure.

Daher sind Schwefelsäurefabriken zugleich der geeignetste Ort für die Darstellungder Salpetersäure, zumal sie selbst für einen Teil ihres Fabrikats Abnehmer sind (s. S. 375).

Die Einwirkung der Schwefelsäure auf den Salpeter, als welchen man jetzt natürlichChilisalpeter nimmt, verläuft so, daß sich neben der Salpetersäure saures schwefel-saures Natron bildet.

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